Neckarau

Neckarau Südamerikanische Folkloregruppe Sacambaya gibt Konzert und gestaltet mit Chor Vocal Stiefingtal in Maria-Hilf-Kirche einen Gottesdienst

Engagement für Nähkurs in den Anden

Archivartikel

„Das war wahnsinnig toll, da haben die Leute noch bis 23 Uhr getanzt“, freute sich Organisator Manfred Rompel von der Boliviengruppe St. Jakobus. Seit über 30 Jahren begibt sich die bolivianische Folklore-Combo Sacambaya regelmäßig auf Europatournee. Jetzt war es wieder soweit, an zwei Tagen gastierte die folkloristische Kapelle im Rahmen ihrer jüngsten Konzertreise am vergangenen Wochenende wieder im Stadtteil Neckarau für einen Auftritt am Samstagabend im katholischen Jakobus-Gemeindesaal und für einen musikalischen Gottesdienst am Sonntagmorgen in der katholischen Maria-Hilf-Kirche im Almenhof unter Leitung von Pfarrer Martin Wetzel. Zusammen mit dem österreichischen Chor Vocal Stiefingtal aus Graz brachten die aus Bolivien stammenden Volksmusiker im Gottesdienst die feierliche Messe „Misa Criolla“ zu Gehör.

Bolivianische Kartoffelsorte

Mit ihren Flöten, Akustikgitarren, Rasseln und Trommeln bereicherte die volkstümliche Musikgruppe „Sacambaya“ den morgendlichen Gottesdienst. „Das wird immer schwieriger, eine solche Tournee auf die Beine zu stellen“, erklärte Mitveranstalter Manfred Rompel im Hinblick auf den organisatorischen Aufwand. Zwischendurch trat der 65-Jährige für eine Ansprache vor die Gemeinde, gemeinsam mit Michael Heim von der Perugruppe.

„Der Name der Gruppe Sacambaya kommt aus der Sprache Quechua und steht für eine einheimische Kartoffelsorte“, berichtete Rompel. „Die Kartoffel kommt aus Südamerika und hat in Europa Hungersnöte gemildert und vor allem armen Menschen das Überleben ermöglicht.“ Mit ihren Aktionen unterstützt die Boliviengruppe in Neckarau zum Beispiel die lateinamerikanische Einrichtung „Centro Cultural Ayopayamanta“ (CCA). „Wir veranstalten zweimal im Jahr einen Kinderflohmarkt, wieder am Samstag, 6. Oktober, im Gemeindesaal St. Jakobus“, kündigte Manfred Rompel an. Darüber hinaus unterstützt die Boliviengruppe insbesondere die Frauen in dem Andendorf Independencia mit einem Nähkurs in Form einer Selbsthilfegruppe, in dem die Damen lernen, wie man Pullover strickt. „Wir finanzieren Strickmaschinen und eine Lehrerin, die Frauen das Stricken beibringt“, erläuterte Rompel: „Die Gruppe Sacambaya bietet auf ihrer Tournee die Pullover aus Alpaka-Wolle an.“

Gelegentlich fliegt die Neckarauer Boliviengruppe über den großen Teich nach Südamerika, um sich vor Ort anzuschauen, ob die dort initiierten Hilfsprojekte einen ordentlichen Gang nehmen.

„Dort muss man mit dem Auto sechs bis acht Stunden auf nicht asphaltierten Wegen fahren, bis man das Andendorf Independencia erreicht. In der 630 600 Einwohner zählenden Stadt Cochabamba gibt es einen Flughafen“, erzählte Rompel, der früher an der Integrierten Gesamtschule Herzogenried (IGMH) als Lehrer für Mathematik und Religion unterrichtet hat und vor zwei Jahren in den Ruhestand ging: „Ich fahre diesen Weg immer wieder, dort sieht man Kondore und Lamas, dort lebt die indigene Kultur“, schwärmt er.

Heimweg durch die Nacht

Als zweites ausländisches Ensemble beteiligte sich der gemischte Gastchor Vocal Stiefingtal unter Leitung von Dirigentin Margit Weiss an dem Gottesdienst: „Wir sind seit 2007 mit der Gruppe Sacambaya befreundet, das ist das vierte Mal, dass wir mit ihnen gesungen haben“, berichtet sie.

Der Chor fahre nach seinem Gastspiel in Neckarau in der Maria-Hilf-Kirche durch die Nacht wieder zurück nach Graz. „Ich hoffe, wir kommen früh genug an, damit ich noch zur Arbeit gehen kann“, sagte die Dirigentin, die von Beruf Erzieherin in einem Kindergarten ist.