Neckarau

Neckarau Gehrings Kommode präsentiert die Ausstellung „Tagträume“ mit Werken von Rolf-Franz-Josef Ortner

Erinnerungen in Acryl

Ob es ein Tutu ist? Ganz so leicht ist das Ballettkostüm nicht zu erkennen. Denn inmitten von Rot, Blau und Gelb tanzt eine Ballerina auf der Leinwand. Ihr Röckchen schwingt in der Drehung und der Federbusch auf ihrem Kopf wippt im imaginären Takt. Gemalt hat sie Rolf-Franz-Josef Ortner, der seine Werke gerade in Gehrings Kommode zeigt.

Am Eröffnungsabend, kann Rofrajo, wie er sich nach seinen Vornamen nennt, viele Gäste willkommen heißen. Der Neckarauer Kunst und Kulturverein „NeKK 99“ hat eingeladen und die Laudatorin Heidrun Deborah Kämper erwähnt, wie wichtig ein solches Engagement ist. Es schaffe Identität und werde über den Stadtteil hinaus wahrgenommen.

Geehrter Preisträger

„Die Atmosphäre wird geschätzt“, sagt die Vorsitzende des Kulturvereins Barbara Eckert-Stahl, die selbst Künstlerin ist und sich für die wechselnden Ausstellungen einsetzt. Auch Rofrajo lebt seit vielen Jahren in Neckarau, er sei, so die Stadträtin und habilitierte Sprachwissenschaftlerin Kämper, „ein geehrter Preisträger, der die Rubensmedaille oder die Professur h.c. in Palermo erhalten hat.“ Aber das ist nur ein Streifzug durch Rolf-Franz-Josef Ortners Künstlerleben. Was er in Gehrings Kommode zeigt, kann durchaus als Retrospektive gesehen werden. Ortner, 1940 geboren, hat mit 30 Jahren seine erste Schau. Danach folgen Einzel- und Gruppenausstellungen. Der „entschlossene Autodidakt“, wie Kämper ihn schätzt, greift neben seinem Beamtenberuf zu Kohle, Grafit, Tempera, Öl und Acryl.

Er malt, zeichnet, entwirft Bühnenbilder wie Kunst am Bau, lernt, lehrt und reist. Was es zwischen Brasilien und Nepal zu entdecken gibt, was ihn in Indien, Frankreich oder Italien fasziniert, all das verwandelt er in Szenen, die er „Tagträume“ nennt. Nachts, wenn keiner klingelt, gesteht Ordner, stehe er an der Staffelei, und mache aus seinen Gedanken ein Bild. Danach sind Gefühle und Erinnerungen auf seinen Leinwänden zu sehen.

Auf so einigen Arbeiten tauchen Tänzerinnen auf, leicht, beschwingt wie aus dem zarten Hauch der Vergangenheit. Und Ortner, so versteht man die Titelgebung, denkt dabei an den „Bal paré“, der – so Hildegard Knef – wehmütig, geträumt sein will „wie eh und je“.

Tanz, Theater, Wein, so zeigt der Mann im gelben Jackett, stehen auch für Geselligkeit, gemütliches Beisammensein, gerade so wie an diesem Abend. Viele Gäste sind gekommen, Karnevalsprinzessinnen, „Ritter“ aus seinem Verein „Chevaliers du Trou Normand e.V.“, Freunde aus der „Weinbruderschaft“ oder der „Schlaraffia Maninheimbia“. Auch ihnen widmet Ortner malerische Gedanken, mal humoristisch, mal mythologisch verewigt.

Und wenn „Nicole I. von Bacciara“ das Wein gefüllte Horn und Rheingeister oder die verführerische Loreley auf ihrem Felsen erkennt, dann – so kommt noch einmal die Knef in Erinnerung – „hat sie (für sich) längst entdeckt, was hinter Masken steckt“.