Neckarau

„Es tut uns furchtbar leid – so etwas darf nicht passieren“

Archivartikel

„Mit großem Bedauern entschuldigen wir uns bei den Gästen des Sommerfestes am vergangenen Samstag im Bebelpark“, sagt der Vorsitzende des Ortsvereins Neckarau-Almenhof-Niederfeld, Mathias Kohler, auf Anfrage dieser Zeitung. Wie Kohler bestätigte, wurde während der Feier in Neckarau zeitweise das Lied „Es zittern die morschen Knochen“ gespielt (wir berichteten).

Das Lied stammt vom NS-Funktionär Hans Baumann und wurde 1935 zum Lied der Deutschen Arbeitsfront. Diese war im Nationalsozialismus der Einheitsverband von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. So sollten die deutschen Arbeiter in das „Dritte Reich“ integriert werden. Heutzutage ist das Lied laut Strafgesetzbuch verboten.

Dem Vorfall sei ein Versehen vorausgegangen. Der für die Musik zuständige Mann habe zuvor auf Publikumswunsch den Radetzky-Marsch von Johann Strauss von einer Videoplattform abgespielt. Nachdem der Titel vorbei war, sei der DJ gerade nicht am Mischpult gewesen: „Er hat sich was zu trinken geholt.“ Das nächste Video sei automatisch gestartet worden, und dabei habe es sich um den Titel „Es zittern die morschen Knochen“ gehandelt. Obwohl das Lied verboten ist, ist es auf der Plattform weiterhin frei zugänglich. „Es wurden Lieder aus unterschiedlichen Musikrichtungen zwischen den Live-Auftritten gespielt, die über Video-Plattformen abgespielt wurden. Die Plattform schlägt automatisch weitere Filme vor, die dann abgespielt werden, soweit man nicht eingreift – in diesem Fall das unsägliche Nazilied“, so Kohler: „Es gibt Sachen, die können, aber die dürfen einfach nicht passieren. Es tut uns furchtbar leid. Wir tragen Vorsorge, dass solch ein Fehler nicht mehr vorkommen kann.“ Der SPD-Ortsverein und seine Mitglieder, so Kohler, stehen für eine weltoffene, vielfältige Gesellschaft und seien eine starke Stimme gegen rechts. Kohler sei seit Jahren in dem Bündnis „Mannheim gegen rechts“ aktiv. mai