Neckarau

Neckarau Finanzdirektor Dietrich Weilbach neuer Ehren-Gänßzinnß-Esser / Köstliches Drei-Gänge-Menü

Heimatverein ehrt Nachfahren der einst verhassten Steuereintreiber

Archivartikel

Wie sich die Zeiten ändern! Es gab Jahre, da wurde der Zinseintreiber in dem einstmals selbstständigen Ort Neckarau mit großem Unwillen gesehen, einmal soll einer gar verdroschen worden sein. Das war vor rund 360 Jahren. Heute wird ein hochrangiger Repräsentant der Steuerbehörde hofiert, sogar mit der inoffiziellen Neckarauer Ehrenbürgerschaft ausgezeichnet. So geschehen beim traditionellen Ehren-Gänßzinnß-Mahl, mit dem der Verein Geschichte Alt-Neckarau seit nunmehr 34 Jahren engagierte Bürger ehrt. Der derart belobte heißt Dietrich Weilbach (62), seines Zeichens Präsident der Oberfinanzdirektion Karlsruhe.

„Wollte man den idealen Ehren-Gänßzinnß-Esser beschreiben, man würde automatisch bei Dietrich Weilbach landen“, stellt Laudator Peter Hofmann, dem diese Ehrung vor einem Jahr zuteil wurde, fest. Er nennt die Gründe, und das sind nicht wenige. Bei weitem nicht jeder der 41 bisherigen Esser (anfangs wurden auch zwei Persönlichkeiten zugleich geehrt) wohnt oder stammt gar aus Neckarau.

Schwere Kost mit Humor gewürzt

Auf Dietrich Weilbach trifft beides zu. Selbst als ihn der berufliche Weg für 20 Jahre nach Stuttgart führte, blieb der dreifache Vater im heimatlichen Vorort wohnen und pendelte mit dem Zug. Es versteht sich von selbst, dass sich daran nichts geändert hat, als der ausgewiesene Fachmann, wovon zahlreiche Veröffentlichungen zeugen, mit dem Amt des Finanzpräsidenten betraut wurde.

Mag das Steuerrecht für den Bürger ein Buch mit sieben Siegeln sein, nicht so wenn Dietrich Weilbach in seinen Vorträgen über die Materie spricht. Die „schwer verdauliche Kost“, so Laudator Hofmann, verstehe Weilbach seinem Publikum anschaulich und mit Humor näher zu bringen. So hätten seine Ausführungen neben dem Informations- auch einen hohen Unterhaltungswert. Und dabei habe er den Bürger im Blick. Oft genug kritisiere er die Steuerpolitik, wenn sie ihm wenig praktikabel, nicht bürgernah und bürokratisch erscheine.

Das alles würde indes nicht genügen, um als Ehren-Gänßzinnß-Esser ausgezeichnet zu werden. Tatsächlich ist Weilbach vielfältig sozial engagiert: in der Diakonie und der Stadtsynode der evangelischen Kirche. Selbst in seinem heimatlichen Vorort ist er mit dem Verein Geschichte Alt-Neckarau verbunden. Dem bescheinigt er ein „ehrenamtliches Engagement im besten Sinne“, das könne der Staat nicht leisten.

Eingebunden ist die Ehrung in einen festlichen Rahmen im Jakobussaal. Rund 100 Vertreter der örtlichen Politik, Wirtschaft und Vereinswesens goutieren Gänsekeulen mit Rotkraut und Kartoffelklößen. Ein Mahl, das an die Geschichte der Bäuerinnen vor über 350 Jahren erinnert, deren Bitte um den Erlass der Steuer in Form von 24 Gänsen barsch abgewiesen wurde. Ausführlich weiß Norbert Staab, stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins, darüber zu berichten.

Immerhin, statt Gänse abzuliefern, lassen sich die Neckarauer das Geflügel (der Dank dafür galt der GdS Neckarau) selbst schmecken. Dazu eine raffinierte Vorspeise, Salat-Bouquet mit Feigen, Walnüssen und Himbeerdressing, Scampispieß und Bruschetta sowie als Dessert Maronen-Zimt-Mousse im Glas und Zwetschgenkompott an Bourbon-Vanilleeis mit Gebäckröllchen.

Dazu feinen italienischen Wein, den Lore Herberts Weinhandel Provinum beigesteuert hatte. Das ließen sich dann auch unter anderem die Stadträte Helen Heberer, Thorsten Riehle, Professor Achim Weizel und Bernhard Boll – der die Grüße des Oberbürgermeisters Peter Kurz und des Gemeinderates übermittelte – munden.

Für die stimmungsvolle Tafelmusik sorgten Wolfgang Schubardt am Klavierflügel sowie Madeleine Schuhmacher mit Harfe und Gesang.