Neckarau

Neckarau Hans-Müller-Wiedemann-Schule in Neckarau feiert Einweihung des neuen Gartens / Familiäres Klima auch im Unterricht

„Hier können die Kinder Natur entdecken und sich entspannen“

„Herzlich Willkommen“, ruft Schulleiterin Heike Pütz von der Bühne auf dem Schulhof der Hans-Müller-Wiedemann-Schule in Neckarau. Jetzt hat die Sonderschule für Kinder mit kognitiven Einschränkungen zur Eröffnung des neuen Gartens eingeladen. „Es ist ein Erlebnis-Raum, in dem die Schüler Natur entdecken und sich entspannen können“, erklärt Pütz stolz. Der Garten besteht aus unterschiedlichen Elementen, die den Besuchern bei einer Gartenführung gezeigt werden.

So laden zum Beispiel Holzbänke und Hängematten unter den schattenspendenden Bäumen zum Ausruhen ein. Die Vogelnestschaukel und ein Klettergerüst, das auch mit dem Rollstuhl genutzt werden kann, sollen die Kinder anregen, die Natur spielend kennenzulernen. Die Kieswege des Gartens sind von Wildblumen gesäumt, wichtig ist dem Kollegium, dass der Garten pflegeleicht ist. Neben den Spielgeräten, die fast ausschließlich aus Holz gebaut wurden, kommen auch der kleine Teich und die Hochbeete mit Kräutern bei den Besuchern gut an. Die Hochbeete sind für Rollstuhlfahrer ausgelegt und werden beispielsweise bei den Kochtagen der Berufsstufe (zehnte bis zwölfte Klasse) als Tee zubereitet. Bei der Entwicklung des Natur-Erlebnis-Raums von einer Gartenplanerin wurden auch die Wünsche der Kinder miteinbezogen, sagt Pütz, die die Führung übernimmt.

Mobiles Café „Mrs. Bean“

In den kommenden Monaten wird außerdem das grüne Klassenzimmer, in dem die Schüler im Freien lernen können, fertiggestellt. Der Naturraum wurde fast ausschließlich durch Spenden finanziert und innerhalb von zwei Jahren fertiggestellt. Nach der Gartenführung geht es direkt weiter in die Aula der Schule, in der die Schüler der Zirkus-AG ihre mithilfe von Zirkus-Paletti-Mitarbeitern einstudierten Kunststücke präsentieren. Familienvater Christoph Sundarp sagt: „Das Programm ist sehr schön und lustig gestaltet. Als Eltern sind wir natürlich stolz, dass unser Kind nicht am Rand steht, sondern mitmachen kann.“

Für das leibliche Wohl sorgen das mobile Café Mrs. Bean und der Catering-Service des in Neckarau angesiedelten Restaurants „Lavandou“. Die rund 70 Gäste lauschen nach der Zirkusaufführung gebannt dem Musiker Dominik Wrana, der mit Percussion und Gitarre begleitet wird. Den Höhepunkt des Festes bildet die Gruppe Gilanika. „In der inklusiven Gruppe spielen auch vier ehemalige Schüler der Hans-Wiedemann-Schule. Es ist schön zu sehen, wie sie durch die Schule Zugang zur Musik gefunden haben“, so Pütz. Sie erklärt weiterhin, dass die Spenden des Konzertes direkt in das kommende Schuljahr investiert werden, um die Therapieangebote ausweiten zu können. Außerdem werde es nach den Sommerferien eine Schulärztin geben.

Die Hans-Müller-Wiedemann-Schule, die es seit zehn Jahren in Neckarau gibt, vereint Waldorfpädagogik mit Elementen des baden-württembergischen Lehrplans. Die kleine Privatschule mit etwa 60 Schülern versucht, die Mädchen und Jungs individuell bestmöglich zu fördern.

Deshalb begleiten immer mindestens zwei Erwachsene die sechs bis acht Kinder im Unterricht. Das können Klassen- oder Fachlehrer, Praktikanten oder Einzelbegleiter sein. Heike Pütz betont, dass es in der Schulgemeinschaft ein familiäres Klima gebe. „Keiner guckt blöd. Das ist schön“, sagt Sundarp.

In den letzten Jahren werden die Schüler auf den Lebensalltag vorbereitet. Sie lernen, ihre Wäsche zu waschen, zu kochen oder im Garten zu arbeiten. Da die Hans-Müller-Wiedemann-Schule eine Ganztagsschule ist, kann der neue Garten besonders oft genutzt werden. Neben den Pausen finden auch Teile des Nachmittagsunterrichts, zum Beispiel Gartenbau, draußen statt.