Neckarau

Neckarau Diakoniewerkstätten Rhein-Neckar feiern 50-jähriges Jubiläum mit Festakt und Bühnenprogramm / Musiker von Grönemeyer-Band rocken Innenhof

Inklusion im Herzen des Stadtteils

Archivartikel

„Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern“, zitierte Ingrid Bergold, die neue Vorsitzende der Angehörigenvertretung der Werkstatt Neckarau, ein afrikanisches Sprichwort. „Die Zeiten, in denen Menschen mit Behinderung auf Wohltätigkeit angewiesen waren, haben wir lange hinter uns gelassen“, so Bergold. Im Innenhof und im Foyer feierten die Diakoniewerkstätten Rhein-Neckar im Stadtteil Neckarau ihr 50-jähriges Jubiläum mit einem Festakt. Bei texanischer Hitze waren dort kühle Getränke wie Limonade und Apfelsaftschorle für alle kostenfrei.

Neue Erkenntnisse

In ihrer Ansprache auf der Außenbühne ging Bergold auf gesellschaftliche Veränderungen in den Bereichen Arbeit und Privatleben ein. „Nicht zuletzt haben sich neue Erkenntnisse über Behinderung durch Forschung in Medizin, Psychologie und Pädagogik positiv ausgewirkt“, schilderte Rednerin Bergold, die seit Juni im Amt ist, nachdem die Trommelgruppe des Tagesförderzentrums (TFZ) in Weinheim den Festakt eröffnet hatte. In der bebilderten Festschrift, die aus Anlass des Jubiläums gedruckt wurde, steht geschrieben, dass sich die ursprüngliche Werkstatt ab 26. März 1973 in der Friedrichstraße befand.

Im Dezember 2005 begann der Neubau eines größeren Werkstattkomplexes samt Lagerhallen in der Morchfeldstraße mit Einweihung im Jahre 2006. Darüber hinaus entstanden in den Jahren 1981, 1987 und 1996 weitere Werkstätten in der Stadt Weinheim sowie den Stadtteilen Vogelstang und Mallau. „Ein Gemeindepfarrer mit Pioniergeist, ein Bürgermeister mit Gestaltungswillen und beide hatten Unterstützung aus Diakonie und Politik“, blickte Vorstand Gernot Scholl von der Gemeindediakonie zurück. „Diese Konstellation brachte 1969 die erste beschützende Werkstatt nach Mannheim“, erklärte Scholl.

Angebote strukturieren Alltag

Dabei seien damals Pfarrer Erich Kühn und Bürgermeister Hans Martini die treibenden Kräfte hinter diesem Projekt gewesen. Begonnen hatte die Geschichte der Werkstätten im Gemeindesaal der evangelischen Matthäuskirche, mitten im Herzen von Neckarau, wo Menschen mit Behinderung an Maschinen einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen konnten, verbunden mit einem geringen Einkommen. „Über den Zeitraum von 50 Jahren hinweg ist ein Verbund von Werkstätten und tagesstrukturierenden Angeboten in Fördergruppen mit mittlerweile zehn Standorten entstanden“, gewährte Vorstand Scholl einen Einblick. Ebenso drückte Bürgermeister Michael Grötsch (CDU) seine Glückwünsche aus, als Geschenk brachte der Vertreter der Stadtverwaltung eine Gartenbank im Wert von 150 Euro mit. Nach einem Mittagessen bestehend aus Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat, serviert von der Catering-Firma „Peters Partyservice“, startete ein Festprogramm.

Auf der Außenbühne stimmte die Cover-Rock-Gruppe Starboyzz von Sänger Stephan Ullmann etliche Songs an wie „Yellow Moon“ von den Neville Brothers. Übrigens: Keyboarder Alfred „Alfi“ Kritzer und Bassist Norbert Hamm spielen bei der Herbert-Grönemeyer-Band Starboyzz mit.

Außerdem sorgte Bauchrednerin Ulrike Weiß mit der Klappmaulpuppe Brezelinchen für launigen Schabernack und Zauberer Benji Wiebe knotete Luftballon-Figuren. Zudem führte auf der Bühne zum Festakt anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Diakoniewerkstätten Sportfachkraft Sylvia Freyhof ein Interview mit dem Beschäftigten Norbert Jäger.

Nicht nur für kleine Gäste ein Riesenspaß: Den Nachmittag über sprühte Sporttrainerin Annette Lüdemann schwarze Airbrush-Tattoos mit Delphin- und Totenkopf-Motiven auf die Arme und Beine der Feiernden.

Info: Fotostrecke unter www.morgenweb.de/neckarau