Neckarau

Neckarau Beim Erntedankfest packt der gesamte Heimatverein mit an / Den Wurzeln des Stadtteils auf der Spur

Kartoffelsuppe und gute Laune

Die Ernte ist noch nicht beendet und schon gehen die Neckarauer zum gemütlichen Teil über. Zahlreiche Besucher kamen zum Erntedankfest nach Neckarau. Der Verein Geschichte Alt Neckarau (VGAN) hat die große Sause zum 29. Mal gestemmt. Die Heimatfeste des Vereins, bei denen Jeder Jeden kennt, sind weit und breit die schönsten und stimmungsvollsten. Das stellte der Verein einmal mehr beim traditionellen Erntedankfest unter Beweis: ländlich, kultig, urig mit Musik, Tanz und einem Preisrätsel zur Geschichte von Neckarau. Vorsitzender Wolfgang Reinhard und Küchenchef Gerhard Hester richteten das Oktoberfest in diesem Jahr das zwölfte Mal zusammen aus.

Im Hof des Alten Rathauses und in der Remise optisch in Szene gesetzt mit Strohballen, Ernteprodukten von Isabella Noe sowie allerlei bäuerlichem Handwerkszeug – allesamt Relikte aus einer anderen Zeit, als die vielen Bauernhöfe in Neckarau noch den Alltag im Ort prägten. Zum 29. Mal richtete der Verein Geschichte Alt Neckarau dieses große Fest aus.

Dekoration für Tische gebastelt

Tags zuvor wurden Hof und Remise für den großen Anlass hergerichtet, die herbstliche Dekoration für die Tische gebastelt und schließlich von Küchenchef Gerhard Hester und seinem fleißigen Team in der Küche gebacken und gekocht. 350 Dampfnudeln hat Christa Plachtzik gebacken und Peter Schürch hat die Zutaten für 100 Liter Kartoffelsuppe püriert. „Bei uns in Neckarau wird zum Erntedankfest alles selbst gemacht“, erzählt Reinhard: „Ohne den enormen Zusammenhalt im Verein wäre das große Fest nicht zu stemmen.“ Die ersten Besucher seien schon um elf Uhr gekommen, obwohl das Fest tarditionell erst um zwölf Uhr beginnt: „Die Neckarauer kapieren das nie“, meinte der Vorsitzende lachend.

Passend zum Erntedank wurden den zahlreichen Gästen im Rathaus-Ensemble Neckarauer Kartoffelsuppe und Dampfnudel, Zwiebelkuchen und Neuer serviert. In geselliger Runde genossen Andrea Zaiko und ihre Freunde die herbstlichen Schmankerln: „Man muss den Neckarauer Verein auch ein bissel unterstützen.“ Der Neckarauer Gast Klaus Egner war begeistert vom Oktoberfest: „Das Essen ist lecker, man trifft Freunde und Bekannte, es ist eine schöne Atmosphäre und sehr gemütlich.“

Nach dem Mittagessen lud Wolfgang Reinhard gemeinsam mit Bäckermeister Herbert Hohstadt und Ilse Arnold – die beide immer das süße Gebäck für das Dampfnudelessen der „Pilwe“ servieren – zur Führung durch das Museum ein.

Offiziell eröffnet wurde das Oktoberfest durch Pfarrer Tobias Hanel von der Matthäusgemeinde: Mit Versen aus Psalm 104 sowie Gedanken zur Erhaltung der Schöpfung und zum Thema Dankbarkeit erteilte er der Festgemeinde seinen Segen.

Am Nachmittag hieß es dann „Nimm mich mit Kapitän auf die Reise“. Das AWO-Ballett unter Leitung von Erika Schmaltz begeisterte die Besucher mit sehenswerten Tanzdarbietungen zu alten Filmmelodien.

Ältester Vorort Mannheims

Anschließend lud Norbert Staab zum Stadtteilrundgang ein. Dabei erinnerte der 2. Vorsitzende des Heimatvereins auch an die Zeit der Römer in Neckarau, die eine Straße bauten, die bis hierher führte. „Neckarau ist der älteste Teil Mannheims überhaupt“, betonte Staab. Anlässlich 1650 Jahre Römischer Burgus in Neckarau wurde im Hof des Heimatmuseums im Beisein von Oberbürgermeister Peter Kurz Fundstücke aus der Römerzeit präsentiert (wir berichteten).

Außerdem wurde im Badehaus eine Dauerausstellung über die Zeit der Römer eröffnet. „Das Heimatmuseum hat bisher nur die historische Spanne ab 1880 gezeigt“, berichtete Staab. Jetzt werde auch die Zeit vorher mit Tafeln und Landkarten beleuchtet. „Wie die Wurzeln Neckaraus waren und was hier in der Reformationszeit passiert ist“, erklärte Staab.