Neckarau

Neckarau Rathaussturm der Pilwe und Neujahrsempfang mit der Interessengemeinschaft (IG) der Vereine

Kein Akt der „feindlichen Übernahme“

Wenn die Neckarauer Narren ausrücken, um das Rathaus zu erstürmen, so ist der lärmende Akt weit entfernt von einer „feindlichen Übernahme“, wie es in der Wirtschaft manchmal vorkommt. Winkend auf dem Balkon seines Amtssitzes erwartet Bürgerdiensteleiter Walter McDavid, alias „Bürgermeister“ von Neckarau, die Streitmacht. Markige Sprüche des Pilwe-Präsidenten Rolf Braun wie „Her mit dem Rathausschlüssel und der Stadtkasse“ quittiert er mit einem Lächeln. Dennoch: „Heute habe ich eine Verstärkung durch die Polizei, es kam schon vor, dass mir das Ding geklaut wurde“, sagt er verschmitzt und hantiert mit dem überdimensionalen symbolischen Schlüssel. Tatsächlich steht an seiner Seite der Leiter des Neckarauer Reviers, Polizeirat Elmar Herscher. Allerdings lacht er nur und denkt gar nicht daran einzugreifen, lässt die Narren gewähren.

Fahne flattert bis Aschermittwoch

Kurz darauf hissen die Fasnachter ihre Fahne am Balkon des Rathauses als Zeichen der Machtübernahme in der „Fünften Jahreszeit. Sie bleibt dort bis Aschermittwoch. Anschließend packen die Elferräte Gertraude Karusseit und Ulrich Müller den so Entmachteten und führen ihn über die Straße ins Jakobushaus, wo die Schlüsselübergabe erfolgt. Im Saal warten bereits dicht gedrängt die Fans der Pilwe. Bewirtet werden sie von den Elferratsdamen mit belegten Brötchen, Brezeln, Bier und nichtalkoholischen Getränken.

Nun verbindet die Pilwe zusammen mit der Interessengemeinschaft (IG) Neckarauer Vereine den Rathaussturm mit einem Neujahrsempfang. Die Stadt ist mit von der Partie, vertreten durch die Stadträte Bernhard Boll (SPD), Wolfgang Taubert (Mannheimer Liste) und Elke Zimmer (Grüne). Das Grußwort im Namen des Oberbürgermeisters und des Gemeinderates übernimmt Boll. „Gute Nachrichten“ habe er mitgebracht. So sei im Gemeinderat eine Bürgerbeteiligung bei der Gestaltung des Neckarauer Marktplatzes beschlossen. Die Stadt lege einen großen Wert auf die Mitwirkung der Bewohner im Stadtteil. Das baufällige Strandbadcafé soll saniert werden, im Haushalt seien dafür 100 000 Euro eingestellt. Und schließlich habe die Stadt beschlossen, finanziell die Kultur in den Stadtteilen zu fördern, davon werde auch Neckarau profitieren.

Beim Thema Marktplatz lächelt mancher im Saal. Taubert erinnert sich, das die Umgestaltung des Platzes bereits vor über 20 Jahren im Gespräch war, und Bezirksbeirätin Brigitte Müller-Steim erinnert an einen Wettbewerb vor mehr als zehn Jahren, bei dem die Schüler der Wilhelm-Wundt-Realschule mit ihrem Modell aus Pappkarton den dritten Platz gewonnen haben.

Alles Gute im neuen Jahr

Bevor McDavid den so begehrten Schlüssel dem Pilwe-Präsidenten reicht, lobt er das Engagement der Pilwe und der Vereine in der Interessengemeinschaft. Zugleich stellt er seine Kollegin Lena Lawinger vor. Die Leiterin der Bürgerdienste in Seckenheim vertritt ihn, etwa wenn er Urlaub macht. Bei dieser Gelegenheit bittet er um Geduld, falls in seiner Behörde die Bürger warten müssen, weil es länger dauert. Grund sei zu wenig Personal. Nachdem Präsident Braun den symbolischen Schlüssel an sich nimmt, geht er auf die Stadträte, die Bezirksbeiräte und Vereinsvertreter zu und hängt ihnen den schmucken Jahresorden der Pilwe um den Hals.

Da sind die Neckarauer längst in Gespräche vertieft. Man kennt sich, hat sich was zu sagen, vor allem aber wünscht man sich alles Gute im neuen Jahr.