Neckarau

Neckarau Vortrag über Familienkommunikation mit dem Titel „Deutlich reden – wirksam handeln“ in der Stadtbücherei

Klare Ansage: Marie, wir müssen los!

„Nicht kommunizieren geht gar nicht. Wenn wir uns nicht über Sprache verständigen, dann tun wir das über unsere Körpersprache. Und die ist manchmal viel eindeutiger“, so begann Petra Heinemann, Diplom-Psychologin und Förderkreismitglied der Bücherei ihren Vortrag in der Zweigstelle Neckarau, zu dem wegen der Corona-Krise bereits vergangene Woche nur rund 20 Zuhörer kamen. Ihr Thema: Deutlich reden – wirksam handeln in der Familie.

„Da wir also immer kommunizieren, wäre es gut, wenn wir das richtige Handwerkszeug dazu hätten“, erläuterte die Referentin. Beim Aspekt Sprache empfahl sie, sich Techniken zur wertschätzenden Kommunikation anzueignen und dabei klar und verständlich in der Aussage zu sein.

Besucherin Karina Remenyi hakte hier gleich nach und fragte nach praktischen Tipps für eine typisch unerquickliche häusliche Situation. Das ältere Kind wird zum Musikkurs gebracht, die Jüngeren haben keine Lust auf den Transport, können aber nicht allein zuhause bleiben und müssen mit. Sie diskutieren, trödeln und hören nicht zu. Es wird spät und später, Stress und Verärgerung greifen Platz.

Nicht mit Lob sparen

Gerade für Eltern von kleineren Kindern, riet Petra Heinemann, gelte es, Aufforderungen präzise zu formulieren, also kein beiläufiges „Mariiie, ziehst Du mal die Jacke an – wir müssen loohoos“, sondern eher: „Marie, ziehst Du bitte die Jacke an! Wir müssen los!“ Hilfreich sei eine rechtzeitige Vorankündigung, wie es nun weitergehe. Da Kinder langsamer seien als Erwachsene, laute die Formel: „Ansprechen, Anschauen, Atmen (das heißt hier, die Info aussprechen).

Bei älteren Kindern gehe es in manchen Situationen darum Kräfte zu messen. Trotzdem müsse man dem Kind Zeit geben und es ordentlich ansprechen. „Das funktioniert in einem gewissen Alter allerdings nicht immer“, räumte sie ein. Im Übrigen, so fuhr sie fort, lernten Kinder stets aus dem Verhalten der Eltern: wie sie sich verständigen, wie sie sich streiten und wieder vertragen. Streit sei normal, entscheidend bleibe, wie man damit umgehe.

Natürlich sei jede Kommunikation und auch Streitsituation individuell, abhängig von Alter, Umfeld, Gesundheit und vielen anderen Faktoren der Beteiligten. Stets hilfreich sei Wertschätzung. Und dazu gehöre es auch, Lob und Anerkennung auszusprechen, wobei es mit toll und super nicht immer getan sein müsse. Sie erläuterte: „Es gibt so schöne Worte, wie etwa hervorragend, herausragend, bewundernswert oder auch brillant. Die positive Verstärkung ist so wichtig und da darf man auch einmal einen ganzen Satz formulieren, wie etwa ,ich habe mich gefreut’ oder ,das hat mir gut getan’“.

Nicht übersehen solle man, so die Referentin, dass Kinder Informationen über Dritte, die sie von den Eltern hörten, ins eigene Verhalten einfließen ließen und auch ganz unbedarft zu unpassenden Zeiten zum Besten gäben. So könne es bisweilen peinlich werden, wenn der Nachwuchs beim Verwandtenbesuch loskrähe: „Papa hat gesagt, Tante Thekla fehlt uns heute gerade noch.“ Sich selbst zu korrigieren und authentisch zu entschuldigen sei dann der richtige Weg und gleichzeitig ein Zeichen von Größe.

Zum Thema „Wirksam handeln“ empfahl Petra Heinemann Traditionen und Rituale wie das gemeinsame Essen. Dabei seien Regeln einzuhalten. Da jeder ein Recht darauf habe, Gehör zu finden, müssten Eltern im Sprachgewirr eingreifen und das Wort denen erteilen, die sonst nicht zu Wort kämen. Über das Wahrnehmen und Ernstnehmen könne man Empathie entwickeln, die Fähigkeit sich in andere Menschen einzufühlen, die es für die Wertschätzung brauche. Nicht zu vernachlässigen sei in diesem Zusammenhang aber auch die Selbstfürsorge: „Nicht alles, was Kinder wollen, soll und kann erfüllt werden.“

Kurzweiliger Abend

Nach einem kurzweiligen Abend wies Gertrud Gerner, die Leiterin der Zweigstelle, noch darauf hin, dass man eine gute Auswahl an Büchern zum Thema Kommunikation und Wertschätzung bereithalte. Karin Seifried, Vorsitzende des veranstaltenden Freundeskreises der Bücherei, freute sich über den gelungenen Abend kündigte gleich die nächste Veranstaltung mit dem Pfälzer Autor Uwe Ittensohn an.

Falls sich die Coronavirus-Krise bis dahin entspannt hat, sodass wieder größere Veranstaltungen stattfinden können, liest er am Mittwoch, 22. April, um 19.30 Uhr, in der Bücherei aus seinem Kriminalroman „Requiem für einen Kanzler“, der während der Beerdigung von Helmut Kohl spielt. Der rührige Freundeskreis der Zweigstelle heißt übrigens neue Mitglieder stets herzlich willkommen.

Die Vorsitzende ermuntert Leser wie auch Nichtleser: „Wir würden uns sehr über Zuwachs freuen. Die Bücherei ist ein beliebter Treffpunkt in Neckarau und trägt zum sozialen Miteinander bei. Außerdem sind wir immer offen für Vorschläge, welche Veranstaltungen wir anbieten könnten. Wir können da tatsächlich so einiges auf den Weg bringen“.