Neckarau

Neckarau Pilwe feiern Traditionskerwe in der Scheuer / Hüpfburg für die kleinen Gäste / Am Augusttermin festgehalten

Kurpfälzer Schmankerl und Schorle

Archivartikel

„Ozapft is“ – dieses unüberhörbare Kommando von „Pilwe“-Präsident Rolf Braun weist auf das hin, was gerade geschehen ist. Mit einem Schlag hatte Ehrenmitglied Klaus Knittel versucht, das Fass der Eichbaum-brauerei anzuschlagen. Das gelang zwar nicht, aber nach zwei weiteren Schlägen war das Problem gelöst. Der Gerstensaft floss in Strömen. Zuvor hatte der Präsident das Bier angepriesen: „Wir nehmen es nicht wegen der Werbung, sondern wegen der Reklame.“ Er lobte auch die Arbeit des Ehrenmitglieds. Der kenne die Scheuer von unten bis unters Dach. Schließlich habe er alle Fugen zuerst ausgekratzt und anschließend wieder neu verfugt. „Das war eine Mordsarbeit“, lobte Braun Knittel, der auch die Theke mit Sandsteinen gemauert hatte, an der das Essen ausgegeben wurde.

Davon gab es reichlich. Leberknödel, Saumagen, Bratwurst, Sauerkraut, Wurstsalat, Handkäse und Weißwurst waren die Renner, die im Vereinsheim serviert wurden. Außerdem tischten die Narren eine traditionell Kurpfälzer Spezialität auf: Wellfleisch mit „Schnut“ und Backen. Einem älteren Herren war diese Menge doch etwas zu viel. Nachdem er das Sauerkraut mit Brot vollständig verspeist hatte, ließ er sich die Hälfte des Essens einpacken: „Da gibt es morgen noch etwas zum Abendessen. Da freue ich mich drauf,“ meinte er augenzwinkernd.

Inzwischen hatte die „Schbreißel Band“ das musikalische Kommando übernommen. Mit Liedern wie „Mit 66 Jahren“, „Sommer in der Stadt“ oder „Tornero“ sorgt das Duo schon seit vielen Jahren beim Scheunenfest mit Gesang und Keyboard für gute Stimmung. Übrigens, wem die Speisen zu deftig waren, der griff zu Kaffee und Kuchen, wie eine kleine junge Dame der „Stoppelhopser“, die sich nach einem Stück Käsekuchen den Apfelsaft munden ließ: „Das schmeckt prima!“

Die anderen Kinder hüpften ausgelassen auf der im Garten aufgestellten Hüpfburg. So konnten sich die Eltern der Musik oder einem Glas Kurpfälzer Rieslingschorle widmen und sich gemütlich unterhalten. Da wurden Erlebnisse und Reisegeschichten aus längst vergangener Zeit erzählt und ausgiebig gelacht.

Vereinsheim wieder in Schuss

Den Sonntag eröffnete die Blaskapelle des Musikvereins Dannstadt. Mit zünftigen Weisen querbeet durch die Musikgeschichte stimmten sie auf einen gelungenen zweiten Tag ein, zu dem eine weitere Kurpfälzer Tradition gereicht wurde. Neben Haxen wurden „Sauschwänzel“ mit Sauerkraut und Brot serviert. Es ist guter Brauch, dass an diesem Vormittag vor allem Vertreter befreundeter Vereine ihre Aufwartung bei den Pilwe machen. So waren auch viele Narren unter den Gästen, wie etwa die „Grokageli“ oder der „Carnval Club Waldhof“, die mit Abordnungen erschienen.

„Wir halten an der Tradition der Kerwe in Neckarau fest. Die fand früher schon immer am letzten Wochenende im August statt. Das wollen wir gar nicht ändern“, betonte Braun. „Andere sollen feiern, wann sie wollen“, fügte er hinzu – mit einem leichten Seitenhieb auf die Gemeinschaft der Selbstständigen, die die Kerwe im September nach den Ferien feiert. „Auch wenn unsere Kerwe in die Ferien gefallen und daher der Umzug in diesem Jahr ausgefallen ist, weil viele im Urlaub sind, feiern wir doch immer zur gleichen Zeit. Ich wusste gar nicht, dass man eine Kirchweih verlegen kann.“

Seit 1986 nutzen die Pilwe nun die alte Scheuer in der Friedrichstraße als Vereinsheim, das sie in schweißtreibender, ehrenamtlicher Arbeit wieder in „Schuss“ gebracht haben.