Neckarau

Neckarau Gänßzinnß-Mahl erinnert an den Brauch des „Wegschnitts“ aus dem 17. Jahrhundert /Peter Hofmann als 40. „Ehren-Gänßzinnß-Esser“ geehrt

„Macher ohne großes Brimborium“

Archivartikel

Alles was Rang und Namen hatte war gekommen zum 33. „Historischen Gänßzinnß-Mahl“ des Vereins Geschichte Alt Neckarau (VGAN) im Jakobussaal. Die Traditionsveranstaltung zur Erinnerung an ein historisches Ereignis unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Peter Kurz war gleichzeitig Dank für bürgerschaftliches Engagement.

Doch bevor der 40. „Ehren-Gänßzinnß-Esser“ Peter Hofmann zwischen Vorspeise, köstlichem Gänsebraten und Dessert geehrt wurde, erinnerte der Vorstand des Heimatvereins mit einem farbenfrohen historischen Schauspiel an den Anlass des Festmahls: den „Neckarauer Wegschnitt“ aus dem 17. Jahrhundert. Die mit dem Wegschnitt beauftragten Feldschützen mussten als Entgelt zwölf Gänse und später sogar 24 Gänse an den kurfürstlichen Hof abliefern. Vergeblich versuchten die Neckarauer die kurfürstlichen Hofbeamten zum Erlass der Schuld zu bewegen.

„Erst 1813 wurde dieses Naturalentgelt abgeschafft“, berichtete Stellvertretender Vorsitzender Norbert Staab. Bis 2017 fand das Essen zur Erinnerung an die Naturalabgabe unmittelbar an Jacobi, also am 25. Juli, statt. „Erstmals in diesem Jahr und auch in Zukunft wollen wir in die nicht mehr so heiße Jahreszeit ausweichen und die Gänse im Herbst verspeisen“, erklärte Vorsitzender Wolfgang Reinhard. „Unser Verein lebt von der Kraft der Bürger und vom ehrenamtlichen Engagement – sonst würde auch die Gesellschaft nicht mehr funktionieren“, betonte der Vorsitzende, der auch an den vor kurzem verstorbenen Mäzen Friedrich Hörner erinnerte.

Bürgermeister Lothar Quast lobte das „wunderbare Engagement des Vereins, der durch das Heimatmuseum und zahlreiche Veranstaltungen einen unschätzbaren Beitrag für Neckarau und darüber hinaus leistet“.

Früherer Springreiter

Wie in jedem Jahr wurde eine Persönlichkeit als „Ehren-Gänßzinnß-Esser“ ausgezeichnet. Die Wahl fiel 2018 auf den Unternehmer Peter Hofmann. In seiner Laudatio hob der „Ehren-Gänßzinnß-Esser 2017“ und Vorstandsvorsitzende der MVV Energie AG, Georg Müller, das vielfältige Engagement des „Mannheimer Machers“ hervor. Der 1950 in Mannheim geborene Rechtsanwalt und Geschäftsführer der Firma Karl Berrang GmbH habe sich immer auch als politisch aktiver Mensch für seine Heimatstadt eingesetzt: von 1999 bis 2009 als Mitglied des Gemeinderats der Stadt Mannheim und von 2004 bis 2009 als stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion.

Zudem ist der frühere aktive Springreiter seit 1982 Vorsitzender des Reiter-Vereins Mannheim und damit verantwortlich für die Maimarkt-Turniere, die zu den renommiertesten Turnieren in Deutschland zählen.

Hofmann war zudem Ausrichter zahlreicher Deutscher Meisterschaften, von Bundeschampionaten, Europameisterschaften der Springreiter, der Voltigier-Weltmeisterschaft 2000 sowie für den 100. deutschen Preis der Nationen im Jahre 2014 in Mannheim.

Hofmann engagiert sich darüber hinaus als Vorsitzender des Springausschusses des Deutschen Olympiade-Komitee für Reiterei, als Mitglied des Präsidiums der Deutschen Reiterlichen Vereinigung und des Vorstands Sport des Deutschen Olympiade-Komitee für Reiterei. Er wurde 2017 mit dem goldenen Reiterkranz geehrt für heilpädagogisches Reiten.

„Das alles macht er ohne großes Brimborium aber mit Hartnäckigkeit, Kreativität und Einfallsreichtum, wenn es bei einem Problem eine Lösung braucht“, so Müller.

Engagement als Pflicht

„Ehren-Gänßzinnß-Esser“ Hofmann bedankte sich beim Vorstand des Heimatvereins für die Auszeichnung. „Sich zu engagieren, egal wo, ist unser aller Plicht in der Demokratie, denn ohne den engagierten Einsatz von Ehrenamtlichen kann kein Vereinsleben und keine Gesellschaft funktionieren“, betonte er.

Reinhard dankte allen, die den Verein bei der Ausrichtung des „Gänßzinnß-Mahls“ und darüber hinaus unterstützen.

Musikalisch umrahmt wurde der stimmungsvolle Abend mit Mannheimer Geschichten von Regina Steegmüller von Pianist Wolfgang Schubardt.