Neckarau

Neckarau Heimatverein serviert am Rosenmontag die „Franzosensupp“

Mahl erinnert an hungrige Kämpfer

Deutsch-französische Erbfeindschaft? Das war einmal. Heute pflegen vielmehr Schulen Partnerschaften mit französischen Bildungseinrichtungen, so wie das Neckarauer Bach-Gymnasium mit dem Lycée Bonaparte in Mannheims Partnerstadt Toulon. Das war freilich nicht immer so. Die Neckarauer Bauern hatten Ende des 18. Jahrhunderts einen besonderen Grund, die Franzosen nicht zu mögen: Soldaten der Grand Nation hatten ihnen Gemüse aus den Gärten stiebitzt. Heute lacht man darüber in Neckarau. Regelmäßig am Rosenmontag erinnert der Verein Geschichte Alt-Neckarau mit einem Schmaus, der „Franzosensupp“, an die hungrigen Krieger.

Auch diesmal füllten die Gäste des Heimatvereins die Remise des historischen Rathauses an der Rathausstraße und ließen sich die feine Gemüsesuppe schmecken. Vermutlich mundete sie ihnen mehr als damals den französischen Soldaten. Die lagerten vor Neckarau, bevor es am 18. September 1799 zum Kampf gegen die österreichischen Truppen auf der einstigen Gießenbrücke kam, die damals am Anfang der Friedrichstraße stand.

Offenbar haperte es jedoch bei der Versorgung der Soldaten mit Verpflegung. Also griffen sie zur Selbsthilfe, bedienten sich in den Neckarauer Gärten, um eine Gemüsesuppe zu zubereiten. Angeblich sollten sie nachts unterwegs sein, um nicht erwischt zu werden, denn möglicherweise hatten sie doch Angst vor den Dreschflegeln der Bauern.

Nonnenküchle als süße Stärkung

Übrigens hat die Stärkung nicht geholfen. Nach einem erbitterten Kampf auf der Brücke mussten sie weichen und wurden von den österreichischen Verbänden vertrieben. An die Schlacht erinnert ein Bild, das im Rathaus hängt. Bekanntlich war jedoch die Freude der Österreicher nur von kurzer Dauer. Wenige Jahre später sollten die Franzosen unter Napoleon die Oberhand behalten.

Der Heimatverein serviert die Franzosensuppe mit süßen Fasnachtsküchle, so genannten Nonnenküchle. Auch das ist eine Reminiszenz an die Geschichte des Ortes, dessen Ursprünge auf einen Klosterhof Naucravia um das Jahr 900 zurückgehen, der damals zum „Vilialkloster“ Altrip gehörte.

Passend dazu bedienen die Mitglieder des Vereins ihre Gäste in Mönchskutten und Nonnenkleidern, schließlich ist ja Fasnacht. Derart ausstaffiert begrüßte Vorsitzender Wolfgang Reinhard die Gäste mit mehrfachem „Ahoi“ und moderierte die muntere Veranstaltung. Zur guten Tradition gehört der Auftritt des Musikzuges der „Pilwe“ unter der Stabführung von Andrea Schneider mit schmissigen Rhythmen. Für weitere Tafelmusik sorgte Klaus Leitz mit seiner Ziehharmonika.

Unterstützt wird der Verein vom Großkraftwerk, aus dessen Küche die überaus nahrhafte Gemüsesuppe stammt, wahlweise mit Würstchen serviert. Und wem es dennoch kalt wurde, der konnte sich mit Glühwein wärmen, den Norbert Staab an einer eigens aufgestellten Theke neben Wein und Sekt einschenkte.

Ein französischer Gast wurde zwar nicht gesichtet. Sicher würde er aber mit der Franzosensuppe bewirtet, schließlich ist aus dem einstigen gegenseitigen Misstrauen eine Freundschaft der Nachbarvölker geworden.