Neckarau

Neckarau Diskussion des SPD-Ortsvereins über frühkindliche Bildung im Volkshaus / Bedarf übersteigt die tatsächlich vorhandenen Plätze

„Ohne freie Träger ist das nicht lösbar“

Archivartikel

Ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz in der Krippe besteht bereits seit fünf Jahren. Der Bedarf übersteigt im Stadtbezirk aber immer noch die tatsächlich vorhandenen Plätze, wie Bezirksbeirat Klaus Hesse beklagte. Der SPD-Ortsverein Neckarau-Almenhof-Niederfeld diskutierte mit Bürgern und Einrichtungsträgern über frühkindliche Bildung im Neckarauer Volkshaus. Hesse begrüßte die Gäste zu dem „nach wie vor spannenden und brisanten Thema, das“, seiner Ansicht nach, „ohne die freien Träger nicht gelöst werden kann.“

Peter Schäfer, Leiter des Jugend- und Gesundheitsamtes, stellte die derzeitige Versorgungssituation und die geplanten Ausbauaktivitäten seitens der Stadt Mannheim vor. Ursprüngliches Ziel sei eine Versorgungsquote von mindestens 35 Prozent im Krippenbereich und 95 Prozent im Kindergartenbereich gewesen.

Dies hätten sie 2015 auch erreicht im Kindergartenbereich mit einer Versorgungsquote von 96,1 Prozent stadtweit sowie in Neckarau und Niederfeld von 93,7 Prozent und im Almenhof von 85,2 Prozent. Doch 2017 habe es plötzlich mehr Kinder gegeben in Mannheim und bundesweit, so dass sich die Versorgungsquote verändert habe auf 85,2 Prozent stadtweit und in Neckarau auf 85,0 Prozent.

Die Stadt stehe vor einer großen Herausforderung und habe deshalb bei den Haushaltsberatungen im letzten Jahr beschlossen, von 2018 bis 2021 insgesamt 30 Millionen Euro in den Ausbau und Erhalt von Plätzen freier Träger und städtischer Einrichtungen zu investieren. Dadurch würden insgesamt 21 neue Krippengruppen entstehen und 27,5 neue Kindergartengruppen – alles Ganztagesplätze, da die Nachfrage steige. Auf die derzeitige Situation reagierten sie beispielsweise mit der flexiblen Möglichkeit eines Naturkindergartens.

Finanzierung noch offen

Die Freizeitschule werde ihre halbe Kindergartenguppe im Januar um zehn Plätze erweitern. Zu den drei Kindergartengruppen von Maria Hilf sollen nach Umbau die zwei Gruppen von St, Josef sowie zwei neue Krippengruppen dazu kommen. Auf einer Grünfläche im Lindenhof sei zudem ein neuer viergruppiger Kindergarten geplant. Die geplante Einrichtung auf dem ehemaligen Vögele-Gelände mit zwei Kindergarten und zwei Krippengruppen habe sich leider verzögert. „Das Thema Kinderbetreuung ist von hoher Priorität und wird die nächsten Jahre anhalten“, befürchtete Schäfer.

Mathias Kohler, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, bot an, bei der Suche nach geeigneten Gebäuden behilflich zu sein. Stadträtin Lena Kamrad sprach sich für eine Zehnjahresplanung aus.

Eine andere Frage sei die Finanzierung. „Wenn der Bund einen Rechtsanspruch bestellt, muss der auch unterstützt werden“, betonte die Stadträtin. Sie „erwarte deutlich mehr Unterstützung durch Bund und Land“.

Martina Haaf von der FreiZeitSchule Kindergarten und Hort erklärte, die freien Träger hätten nicht wahnsinnig große Rücklagen, um vorlegen zu können. Beate Hoheisel von der evangelischen Kita Mönchswörthstraße berichtete, Krippengruppen seien nicht besetzt, weil es keine Erzieher gibt. Auch bei der Ausbildung, die unbezahlt sei, müsse dringend was getan werden.

Stefanie Oehlenschläger vom Waldorfkindergarten Gänsweide erklärte, die Ausbildungssituation belaste den laufenden Betrieb und zehre an den Kräften.

Dazu erklärte Sabine Leber-Hoischen vom SPD Ortsverein, das Fröbel Institut mit drei Standorten in Mannheim sei jetzt schon an der Grenze der Ausbildungskapazität. Kamrad weiß: „Dicke Bretter müssen gebohrt werden.“ Kinderbetreuung sei ein Schwerpunktthema bei der Stadt in den nächsten Jahren.