Neckarau

Neckarau Großkraftwerk unterstützt Fischprojekt / 4. Klassen der Schiller- und Wilhelm-Wundt-Schule setzen Aale im Rhein ein

Schüler helfen bei Schutzaktion

Die Hosenbeine bis zu den Knien hochgekrempelt watet Luis ins Wasser. Langsam kippt er den Eimer um, den ihm Projekt-Leiterin Karin Grave kurz zuvor mit jungen Aalen gefüllt hat. Die scheinen sich schon richtig nach dem kühlen Nass zu sehnen. Blitzschnell wuseln die kleinen Würmer aus dem Behälter ins Freie, über die Füße des Neunjährigen hinweg. „Das kitzelt“, verkündet er prustend vor Lachen, als Klassenkameradin Anna einen weiteren Behälter ans Ufer schleppt. Zusammen mit knapp 60 Viertklässlern aus der Schiller- und Wilhelm-Wund-Schule helfen die beiden „Tierforscher“ bei einem wichtigen Projekt. „Fischbesatz“ nennt sich eine gemeinsame Aktion der Grosskraftwerk Mannheim AG (GKM), des Regierungspräsidiums Karlsruhe und des Landesbetriebs Vermögen und Bau Baden-Württemberg, an der sich das GKM mit 10 000 Euro beteiligt.

Rund 140 000 sogenannte Farm-Aale wurden in den vergangenen Tagen bei dem groß angelegten Projekt zwischen Lichtenau und Mannheim in den Rhein eingesetzt. Ziel ist es, die Population des vom Aussterben bedrohten europäischen Aals im Rhein nachhaltig zu fördern. Bei der vom GKM finanzierten Aktion fanden jetzt rund 10 000 der schlangenförmigen Fische in der Schindkautschlut, einem Rheinnebenarm in Neckarau, ein neues Zuhause.

Warum der Europäische Aal (Anguilla anguilla), der einst in zahlreichen Gewässern verbreitet war, so selten geworden ist, inzwischen den Schutzstatus des Afrikanischen Elefanten erreicht hat, wissen die Experten nicht genau. Ein Grund dafür ist sicher, dass die sehr jungen, noch durchscheinend wirkenden sogenannten Glasaale in Asien als Delikatesse gelten.

Geschmuggelte Tiere gerettet

Während Biologe Stephan Hüsgen vom Regierungspräsidium Karlsruhe zwei Kindern zeigt, wie sie die Tiere möglichst schonend mit dem Kescher aus einem Bassin fischen können, erzählt er von einem besonders erfreulichen Fang. Im Frühjahr konnten am Stuttgarter Flughafen von Zollbeamten 170 000 Glasale auf ihrem Weg nach Asien abgefangen werden. In einem Wettlauf gegen die Zeit schafften es die Zöllner, die empfindlichen Tiere zu retten und bei Karlsruhe im Rhein einzusetzen. „Das hat uns natürlich sehr gefreut“, versichert Hüsgen. Denn nun bestehe die Hoffnung, dass sich in einigen Jahren ein Großteil dieser Schmuggelware stromabwärts auf den Weg in Richtung Sargassosee machen kann, um im Atlantik für weiteren Nachwuchs zu sorgen. „Auf dass der viele Jahrmillionen währende beeindruckende und sensible Lebenszyklus einer ganz besonderen Fischart niemals unterbrochen werde.“

Inzwischen entlässt Luis den zweiten Eimer voller Aal-Nachwuchs in die Freiheit. „Das musst du auch mal probieren“, rät er Anna: „Nur kippen, dann schwimmen sie sofort los.“ Das macht sie. Aber erst mal darf das Mädchen mit dem Pferdeschwanz einen der blindschleichengroßen Tiere herausfischen und berühren. „Ein bisschen glitschig“, stellt sie fest. Luis nickt und holt Fisch-Nachschub.

Apropos Freiheit: Längst wissen die Experten, dass der regelmäßige Besatz mit Farmaalen fast zu 100 Prozent von Erfolg gekrönt ist. Dennoch: Alle Versuche, die flinken Tiere in Gefangenschaft zu züchten, sind bis zum heutigen Tag gescheitert. Warum das so ist, bleibt für die Biologen weiterhin ein Rätsel.