Neckarau

Neckarau Popsänger Markus Sprengler testet die Songs seines neuen Albums „65//19“ auf Live-Tauglichkeit

Strandmusik für Sonnenanbeter

Archivartikel

„Die Band fühlt sich wohler, wenn mehr Leute vor der Bühne stehen“, winkte Popsänger Markus Sprengler mit den Händen, um die Besucher von den Büfett-Tischen wegzulocken und zu animieren, auf die Tanzfläche zu treten. Denn lediglich die Hintergrundbeschallung für das feine Abendessen liefern, das wollte Bühnenperformer Sprengler nicht. Der Sänger spielte mit fünfköpfiger Projektband in der BMW-Niederlassung im Stadtteil Neckarau, um dort die frischen Songs seines im Februar erschienenen Albums „65//19“ vorzustellen. Anlass für diese Show war das 60-jährige Jubiläum der britischen Automarke Mini.

„Ich war in Kingston auf Jamaika, vor zwei, drei Jahren, und habe dort das alte Wohnhaus von Bob Marley besucht, das heute ein Museum mit Tonstudio ist“, erklärte Bandleiter Sprengler in Bezug auf die Entstehung seines neuen Songs „In the mood for Marley“. Dem Geist seines musikalischen Vorbilds in diesem karibischen Gemäuer spirituell nachspüren, das habe bleibenden Eindruck bei dem 54-Jährigen hinterlassen.

Auf der anderen Saalseite kümmerten sich derweil zwei erwachsene Töchter von Sprengler hinter der Getränketheke für die Bewirtung der Gäste. Im Laufe des Auftritts entwickelte die Projektcombo um Popsänger Sprengler, der gebürtig aus Kaiserslautern stammt, eine druckvolle Lautstärke, verbunden mit bunt leuchtenden Scheinwerfern, die selbst den kleinsten Winkel schillern ließen. Im Hintergrund trommelte der im Odenwald lebende Schlagzeuger Herbert Jösch, der Drummer der Showband „Heavytones“, die ehemalige Studio-Big-Band der Stefan-Raab-Fernsehsendung „TV Total“.

Oftmals sind die eigens geschriebenen Stücke von Sprengler, der von 2002 bis 2006 der erste Popbeauftragte der Stadt Mannheim gewesen war, in ihren Takten stilistisch durchmischt mit sommerlich anmutenden Reggea- und Ska-Rhythmen: Die reinste Strand-Musik für Sonnenanbeter.

Auf der anderen Seite lassen sich auf dem Album auch rockige Lieder finden, zum Beispiel „Get it out“, ein Favorit beim Auftritt im Neckarauer BMW-Autohaus, oder „K-Town Boy“, dieser Song bezieht sich im Titel auf die pfälzische Geburtsstadt von Sprengler. Bis 2002 war er der Sänger der berühmten Ska-Band The Busters. Mit ihnen durfte Stimmwunder Sprengler, der mittlerweile einen weißen Rauschebart trägt, 1998 im Vorprogramm der Tournee von Die Ärzte spielen, fünf Jahre später begaben sich die Busters auf gemeinsame Konzertreise mit den Toten Hosen.

Stellenweise hüpfte Sprengler wie ein John-Belushi-Blues-Brother agil über die Bühne. Dazu lieferten sich die beiden Gitarristen Stefan Kahne und Sebastian Heiner ein Duell an den Klampfen. Den E-Bass zupfte Bruder David Heiner.

Besonders hervor stach der geradlinige Rock’n’Roll-Song „1977“, eine Hommage an das Todesjahr von Elvis Presley. Kahnes goldfarbene E-Gitarre war in einen altmodisch wirkenden Verstärker im grauen Retro-Design eingestöpselt.