Neckarau

Neckarau Klinik-Clowns erfreuen regelmäßig Senioren im Wichernhaus / Einst als Pilotprojekt in Mannheim gestartet

Visite mit Musik und Humor

Archivartikel

Es sind zwar keine Clowns wie im Zirkus, doch über die Späße der Klinik-Clowns lachen Kinder und Senioren trotzdem herzlich. Die KlinikClowns lassen in Kinderkrankenhäusern und in Seniorenheimen mit Witz und Sensibilität die alltäglichen Probleme vergessen – auch in Neckarau. So stehen im Wichernhaus, Senioren- und Pflegeheim der Gemeindediakonie Mannheim in der Rheingoldstraße die Türen der Patientenzimmer weit offen, als Stefanie Schnitzler und Karin Dörlich alias „Fluse“ und „Canelloni“ kommen.

Eine freudige Erwartung erfüllt Flure und Räume. Die erste Patientin liegt in ihrem Bett und schaut nicht auf, als die Clowns zur Tür herein kommen. Sie ist schon seit längerer Zeit im Koma und reagiert daher nicht. Doch als die Clowns bekannte Lieder singen, wird ihr Atem plötzlich ruhiger. Schon seit neun Jahren erhalten die Bewohner im Wichernhaus zweimal im Monat Besuch von den Clowns. Bis Ende 2017 war es Angelina Haug, seit Januar 2018 ist es Stefanie Schnitzler. Der Clownsverein „rundlachen e.V. – die klinkclowns im rheinneckar-kreis“ hat dem Wichernhaus außerdem für sechs Monate einmal monatlich – neben „Fluse“ – die zusätzliche Clownin „Canelloni“ (Karin Dörlich) aus Spendenmitteln geschenkt.

Das Clowns-Duo spielt für Bewohner, Angehörige und Pflegepersonal, mit dem Ziel, Leichtigkeit und berührende Begegnungen in dem Pflegealltag zu integrieren. „Sie verbreiten viel Freude und Spaß“, erzählte Vera Hullen von der Gemeindediakonie.

Das Wichernhaus sei Vorreiter im Clownseinsatz für Senioren gewesen und habe zu einer Zeit mit Visiten gearbeitet, als das in Deutschland noch nicht üblich gewesen sei, so Hullen. „Martin Wedele, der früher das Wichernhaus leitete und der derzeit kommissarischer Einrichtungsleiter ist, hat diese besondere Aktion initiiert“, berichtete Hullen. Es sind eine Clowns-Visite in den Gemeinschaftsräumen sowie Zimmerbesuche geplant.

Anders als im Zirkus haben die Klinik-Clowns kein Programm, das sie abspielen. Vielmehr reagieren sie auf das, was sie bei den Senioren spüren. Sie gehen aus der Situation heraus auf die individuellen Bedürfnisse der oft bettlägerigen oder im Rollstuhl sitzenden Patienten ein, sprechen, spielen, zaubern und singen mit ihnen und nehmen so an ihrem Leben teil. Anders als es Pflegekräfte tun können.

Die Neckarauer Senioren reagierten auf Impulse der Clowns, stiegen schnell in die Aktionen ein und freuten sich sichtlich. Die Geschichte vom Nikolaus weckt bei ihnen Erinnerungen an die Kindheit und Blockaden lösen sich. Plötzlich geht etwas, was im normalen Heimalltag nicht klappt.

Besonders auf Musik und Lieder reagieren die Heimbewohner, wie bei der 98-jährigen Elisabeth Wenz zu sehen: Zusammen den Clowns singt das früherer Mitglied der Sängerhalle Germania Pfälzer Weinlieder und Zarah Leanders berühmtes Lied „Es wird einmal ein Wunder geschehen“. Man merkt sofort, dass der Clownsbesuch eine willkommene und zugleich heilsame Abwechslung für die Senioren ist.

Auch für Stefanie Schnitzler und Karin Dörlich, die an einer richtigen Clownsschule ihr Handwerk gelernt haben, bedeuten diese Besuche viel. „In den Altenheimen kommen wir zu Besuch, das ist einfach etwas anderes als im Zirkus“, erzählte Schnitzler. Und Vera Hullen von der Gemeindediakonie berichtete, dass der Zugang über die Klinik-Clowns ein ganz anderer ist, der therapeutisch eingesetzt werden kann. So stimuliert der Clownsbesuch den sozialen Austausch. Eine ganz eigene Vertrauensbasis entsteht zwischen den Clowns und den Senioren. Das hilft, Fähigkeiten zu erwecken. Damit diese Erfolge erhalten bleiben, ist der regelmäßige Clownsbesuch bei den Senioren ganz wichtig. Die Besuche werden nur durch Spenden finanziert.