Neckarau

Neckarau Händel-Orchester spielt Konzert mit Stücken von Vivaldi, Charles Ives und Stamitz in der Matthäuskirche

Von Auftritt zu Auftritt geeilt

Archivartikel

Aktives Musizieren hält geistig und körperlich fit. Dennoch grenzt es an ein biologisches Wunder, dass Bratschistin Gerda Lambrecht mit ihren stolzen 98 Lebensjahren als ältestes Mitglied weiterhin mit dem Händel-Orchester auftritt. Auf diesen staunenswerten Umstand wies Dirigent Eberhard Steinbrecher in seiner Anmoderation hin. „Es ist nicht selbstverständlich, dass man jeden Donnerstagabend zu einer Probe erscheint“, erläuterte Orchesterleiter Steinbrecher, der sich oft in Metaphern ausdrückt, um seine Musiker anzuweisen. In der evangelischen Matthäuskirche in Neckarau zelebrierte das Ensemble ein Konzert mit Stücken von Vivaldi, Puccini und Stamitz.

In der Matthäuskirche gelang dem Ensemble ein inspirierender Auftritt ohne Fehl und Tadel. Ein fulminantes Klangfest für die Ohren. Mit dem Werk „Concerto No. 4 in G-Dur“ des Komponisten Unico W. von Wassenaer stieg das Händel-Orchester ins das Konzert ein. Dabei vermittelte Steinbrecher, der in Schifferstadt lebt, dem Publikum einiges an Hintergrundwissen zu dem Stück: „Wassenaer war adeligen Standes und in einer Familie von Admiralen groß geworden.“

Samtweicher Streicherklang

Auf dem Fuße folgte die Nummer „Concerto in G-Dur P129“ für Oboe, Fagott und Orchester aus der Feder von Antonio Vivaldi, wofür Steinbrecher selbst zum Fagott griff. In diesem klangvollen Moment trat Fagottist Steinbrecher in einen Dialog mit dem Oboisten Georg Weiss, der nicht nur unten vor dem Altar spielte, sondern ebenso oben auf der Empore, um die Klangarchitektur der evangelischen Matthäuskirche vollständig auszukosten.

„Vivaldi war auch Priester und empfing mit 25 Jahren die Priesterweihe. Er war ein ganz Großer, über Vivaldi gibt es viel zu erzählen“, schilderte Steinbrecher. Von den annähernd 500 Konzerten Vivaldis sind 241 für Violine als Soloinstrument erhalten. Als das Publikum in Beifall ausbrach, erhob sich das Händel-Orchester, um den Applaus dankend entgegenzunehmen.

Für das Stück „The Unanswered Question“ des Komponisten Charles Ives, der von 1874 bis 1954 gelebt hatte, stieg Oboist Georg Weiss auf die Empore. Während der theatralischen Einleitung zu diesem Werk demonstrierte der Dirigent, wie samtweich seine Streicher klingen können. „Das ist geradezu eine kosmische Ruhe, die dieses Stück begleitet“, sagte Steinbrecher, der seit 2013 das Händel-Orchester leitet. Daher liege dem Orchesterleiter dieses Stück von Ives besonders am Herzen: „Über Charles Ives wurde viel geschrieben, es ist das bekannteste Stück von ihm.“ Als Autodidakt sei Charles Ives stets eigene künstlerische Wege gegangen. Noch mitten im Konzert, nach Ableistung seines musikalischen Solls, musste Oboist Georg Weiss aufbrechen und zum Nationaltheater für sein nächstes Konzert eilen. „Er muss jetzt noch zur Oper Salome, das ist ein unglaublicher Akt, den Georg Weiss da vollbringt“, so Steinbrecher. Darüber hinaus spielte das Orchester noch „Crisantemi“ von Giacomo Puccini, Auszüge aus dem Bratschenkonzert in B-Dur und dem Orchester-Quartett in C-Dur von Karl Stamitz sowie das Konzert für Oboe und Orchester von Antonio Vivaldi.