Neckarstadt-Ost / Wohlgelegen / Herzogenried

Neckarstadt Abgang-Lesung gedenkt verstorbener Prominenter / Nächste Veranstaltung im Theater Felina Areal am 29. Oktober

Amüsantes nach der letzten Klappe

Archivartikel

„Wir wollen nur, dass man uns in Ruhe lässt, sie Tüte. Wir wollen niemand, der uns sagt, was wir tun sollen und niemand, der uns herumschubst“, erwidert Heavenly Blues alias Peter Fonda dem Pastor. Denn er fühlt sich durch dessen Trauerrede für seinen verstorbenen Freund Loser provoziert. Der Film „Die wilden Engel“ von 1966, in dem Fonda die Rolle eines Rockers und Boss der Hells Angels übernommen hatte, war so etwas wie eine Initialzündung für „Easy Rider“, das wohl bekannteste Roadmovie. Es kam drei Jahre später in die Kinos. Fonda, der am Drehbuch mitgewirkt hatte, starb im August. Er gehörte somit zu den verstorbenen Prominenten, denen die Mitglieder des „Neuen Ensemble“ beim letzten „Abgang“ im Theater Felina Areal in besonderer Weise gedachten.

Gelungene Auswahl

Auch bei der 63. Auflage der Traditionsveranstaltung beklagten sie in der Besetzung von Hedwig Franke, Mathias Wendel, Monika-Margret Steger, Elisabeth Auer und Sascha Koal mit der versammelten „Abgang-Gemeinde“ den Tod zahlreicher bekannter und auch weniger bekannter Zeitgenossen. Koal hatte wie immer eine überaus gelungene Text- und Musikauswahl getroffen. Und so ging es nach der Einlassmusik mit Songs des US-amerikanischen Rocksängers Eddie Money gleich in medias res.

„Halt mein Freund, wer wird denn gleich in die Luft gehen?“, wer kennt ihn nicht, diesen Satz aus einer Zigaretten-Werbung der 1960-er Jahre? „HB-Männchen“ wurde bald zu einem geflügelten Wort für eine schnell aufbrausende Person. Der Werbefachmann Theo Breidenbach, der für immer die Augen schloss, kreierte zusammen mit dem Trickfilmregisseur Roland Töpfer diese Werbefigur namens Bruno.

Wie man aus einem alten Tetra-Pak ein Portemonnaie basteln kann, führte Monika-Margret Steger vor. Gekonnt faltete sie den Getränkekarton zum Gedenken an den Schweden Hans Rausing, Sohn des Tetra-Pak-Erfinders Ruben Rausing. Werner Sporleder war maßgeblich daran beteiligt, die heutigen retroreflektierenden Verkehrszeichen zu entwickeln: Er streute Swarovski-Perlen durch ein Küchensieb auf frisch lackierte Verkehrszeichen. Und es gibt noch weitere Erfindungen Sporleders für die Sicherheit im Straßenverkehr. Etwa das rot-weiße Absperr-Flatterband, in das sich die Akteure zu Ehren des mit 93 Jahren Verstorbenen hüllten.

„Ein voll bekleidete Frau stieg aus dem Wasser. Kaum hatte sie das trockene Flussufer erreicht, setzte sie sich und lehnte sich an einen Maulbeerbaum. Den ganzen Tag und die ganze Nacht saß sie da, den Kopf gleichgültig an den Stamm gelehnt“: In ihrem Roman „Menschenkind“ (Beloved 1987), aus dem Monika-Margret Steger eindrucksvoll eine Passage las, thematisiert die afroamerikanische Literaturnobelpreisträgerin (1993) Toni Morrisson das Schicksal der Sklavin Margaret Garner, die 1856 eines ihrer Kinder tötete, um es vor der Sklaverei zu bewahren. Die Schriftstellerin verschied im August. Auch der italienische Autor Andrea Camilleri, der allein 27 Kriminalromane um seinen Commissario Montalbano verfasst hatte, legte für immer die Schreibfeder aus der Hand.

Liebevoller Spießbürger

Man kennt ihn als Hermann Paschulke aus der Wissensserie „Löwenzahn“: Helmut Krauss übernahm dort als Kontrast zu Peter Lustig die Rolle eines liebevollen Spießbürgers. Zudem lieh er seine Stimme einigen Hollywood-Größen. Für ihn fiel die letzte Klappe. Ebenso wie für den Darsteller Michael Schreiner, der im Ludwigshafener Tatort den Assistenten von Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) spielte, und für Carol Lynley sowie Valerie Harper.

Nicht zuletzt wurden der Maler Edgar Schmandt, der sein Atelier in der Sternwarte hatte, der Tänzer, Choreograph und Regisseur Johann Kresnik, der auch in Mannheim wirkte, der Fußballtrainer Rudi Gutendorf und die Schlagertexterin Irma Holder bei der Veranstaltung betrauert.