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Neckarstadt-Ost Hairstylist Ritter feiert in diesem Jahr das 50-jährige Bestehen des Familienbetriebs

Drei Weltmeister und ein Handwerksmeister

Archivartikel

Damals der letzte Schrei, heute nur noch milde belächelt wie viele modische Erscheinungen des wechselhaften Zeitgeistes: Friseurmeister Jochen Ritter, der 1944 in Dresden geboren wurde, hat sie noch erlebt, die legendären Zeiten von Dauerwelle und Perücken. Zuerst im Salon seiner Eltern, wo er das erste Lehrjahr absolvierte, und nach der Flucht aus der damaligen DDR über Berlin nach Mannheim, wo er bei Henry Diehm am Kaiserring die Lehre fortsetzte.

Bei der Meisterprüfung 1969 setzte Jochen Ritter noch im gleichen Jahr zwei weitere Meilensteine in seinem Lebenslauf –– zum einen die Hochzeit mit seiner Frau Ilse, zum anderen ein eigener Friseursalon in der Lange Rötterstraße 108, der vor 50 Jahren eröffnet wurde. Vorne war der Salon und hinten das Schlafzimmer – mehr als zehn Jahre lang. „In der Aufbauzeit haben wir uns die Miete erspart und malocht“, berichtete Jochen Ritter. Legionen von Frauen, Männern und Kindern haben Ilse und Jochen Ritter ihre Haarpracht anvertraut und verschönern lassen. In den 1970er Jahren brachte Jochen Ritter die erfolgreiche Vidal Sassoon-Schneidetechnik aus London nach Mannheim und war bekannt für Schnitt und Föhnfrisuren. Seit der englischen Welle heißt der Salon in der Lange Rötterstraße „Hairstylist Ritter“.

Drei Filialen

Zahllose „Lehrlinge“ lernten bei Friseurmeister Ritter das Friseurhandwerk. Die Firma expandierte. Drei Filialen wurden gegründet: zwei in Heppenheim, dem späteren Wohnort der Ritters, und eines in den Planken neben Engelhorn im ersten Stock. Bekannte Persönlichkeiten aus Film, Fernsehen und der Musikbranche waren Kunden der Ritters.

Um die Nachfolge musste Jochen Ritter sich keine Sorgen machen: In den 1990er Jahren traten die Kinder Nicole (geb. 1975), René (geb. 1976) und Marcel (geb. 1982) ihre Ausbildung im elterlichen Betrieb an, absolvierten später ihren Handwerksmeister und übernahmen 2006 das Geschäft in der Lange Rötterstraße.

Immer wieder nahmen die Ritters an Wettbewerben teil. Jochen Ritter errang beim Wettbewerb des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks zweimal Gold: 1976 in Wiesbaden und 1977 in Hannover. Er war freier Mitarbeiter der Firma Schwarzkopf und hat als solcher Schulungen durchgeführt. Durch ständige Weiterbildung war Jochen Ritter immer up to date und hat es bis zum Teammanager des deutschen Weltmeister-Teams gebracht. Sein Sohn René trainiert inzwischen die Teilnehmer im Herrenfach und führte sie zuletzt 2017 zum Weltmeistertitel in Paris. „René ist der Jogi Löw der Friseure“, erklärte sein stolzer Vater. Noch erfolgreicher als Jochen Ritter waren seine Kinder. Während ihrer Ausbildung gewannen alle Drei zahlreiche Wettbewerbe im In-und Ausland und alle errangen zudem einen Weltmeistertitel: Nicole Ritter 1996 in Washington, Rene Ritter 1998 in Seoul, und Marcel Ritter 2006 in Moskau. „Drei Weltmeister und ein Handwerksmeister“, erklärte Jochen Ritter stolz.

Seine Kinder waren im Vorstand der Friseurinnung und sind für den Zentralverband des Friseurhandwerks in der Frisurenmode tätig sowie in der Gesellenprüfungskommission. Sie waren Mitglied und jahrelang in der Fachjury für das Lehrlings- und Jugendfrisieren um den Wasserturmpokal.