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Neckarstadt Abgang-Lesung im Theater-Felina erinnert an kürzlich Verstorbene / Nächste Veranstaltung fällt aus

Franz Mazura und die guten Gene

Archivartikel

Eine Sammlung Spieluhren, ein Fußballtor, das Leben des Brian, die Reifeprüfung sowie Erinnerungen an einen Mannheimer Wagner-Helden: Bei der 66. Auflage der Traditionsveranstaltung „Abgang“ im Theater Felina-Areal zogen die Akteure des Neuen Ensembles wieder alle Register ihres leserischen und komödiantischen Könnens, um die jüngst verstorbenen prominenten Zeitgenossen auf ihre ganz eigene Art zu ehren. Bis auf den letzten Platz besetzt war der Zuschauerraum, als Hedwig Franke, Mathias Wendel, Monika-Margret Steger, Elisabeth Auer und Sascha Koal zur Sache kamen.

„Auf den Fußball verzichten kann ich nicht. Ich bin Fußballfan, auch wenn ich mich mit den Regeln nicht so auskenne“, erklärt die Protagonistin in der Erzählung „Fouls und böse Fallen“ ihrem Mann. Der Grund ihrer Fußballaffinität ist nicht das Spiel ansich, sondern es sind die strammen Waden der Spieler. Denn „Fußballer laufen viel und das formt die Beine“, sagt sie. Die Passage aus der Erzählung, die Hedwig Franke hinreißend wiedergab, stammt aus dem Band „Die schönsten Männer der Stadt“ von Sabine Deitmer. Die vor allem durch ihre Krimis bekannt gewordene Autorin verschied im Januar. Er gehört in die Riege der großen Keeper der Republik: Hans Tilkowski, unter anderem Torwart beim Bundesligisten Borussia Dortmund und in der Nationalmannschaft. Tilkowski hütete auch beim legendären WM-Endspiel gegen England am 30. Juli 1966 das Tor. „Nein, er war nicht drin“, antwortete er noch bevor die Frage nach dem in die Geschichte eingegangenen Wembley-Tor, das den Briten letztlich den Sieg brachte, gestellt wurde.

Anekdotisches über den Bassbariton Franz Mazura wusste Elisabeth Auer zu berichten. „Er konnte noch mit 90 alle Wagner-Texte auswendig. Woher das kam? Ich habe einfach gute Gene. Meine Tante ist mit 106 gestorben“, erklärte er dem Dirigenten Daniel Barenboim. Worauf dieser scherzte: „Dann kann ich dir ja noch einen 15-Jahresvertrag geben.“ Der 1924 in Salzburg geborene Mazura, gehörte mehr als 20 Jahre zum Ensemble des Mannheimer Nationaltheaters und war noch bis 2019 auf der Bühne tätig.

Spieluhren gesammelt

Der Dresdner Tenor Peter Schreier war vor allem bekannt durch seine Interpretation der Evangelistenpartien der Passionen und Oratorien Johann Sebastian Bachs. In einem Interview antwortete er auf die Frage, ob er beim Weihnachtsoratorium noch heute in Erinnerungen an die Zeit im Dresdner Kreuzchor schwelge: „Ich lebe noch gedanklich in dieser Zeit. Die Art und Weise des gemeinsamen Musizierens, die Disziplin, das Hören auf die Nebenstimmen, auf seine Mitsänger: All das sind Dinge, die ich dort kennengelernt habe.“ Eine Sammlung ihrer Spieluhren hielt Monika-Margret Steger parat als es um Heinrich Weiss ging. Der Schweizer hatte nicht nur den EAN-Code entwickelt, der heute auf jeder Verpackung angebracht ist, sondern war auch ein Mäzen und Sammler von Spieluhren und dergleichen. Zahlreiche Schauspieler traten von der Bühne des Lebens ab. Zu ihnen gehörte, der als „Dirk Matthies“ in der Serie Großstadtrevier bekannt gewordene Hamburger Jan Fedder. Aber auch Gerd Baltus, Veronika Fitz, Anna Karina, die durch Rollen in Filmen ihres Ehemannes Jean-Luc Goddard hervortrat, sowie Claudine Auger, die unter anderem als Bond-Girl in dem Streifen „Feuerball“ Furore machte.

Musikalisch wurde unter anderem dem kanadischen Rockabilly- und Country-Musiker Jack Scott mit „Cry, Cry, Cry“ Tribut gezollt und mit den Simon-&-Garfunkel-Hits „Mrs. Robinson“ und „The Sounds Of Silence“ aus „Die Reifeprüfung“ Buck Henry, der für den Streifen das Drehbuch schrieb.

Am Ende stimmten alle für Regisseur Terry Jones in den Song „Always Look on the Bright Side of Life“ aus dem Monty-Python-Film „Des Leben des Brian“ ein.