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Neckarstadt „Abgang“-Lesung erinnert an verstorbene Zeitgenossen

Fußballer, Mörder und ein Bond-Girl

Ein ehemaliges Bond-Girl, der Anstifter grausamer Morde, ein Burgschauspieler, der als katholischer Bischof Furore machte, und ein Fußballer der „Wunder-Elf“ von Bern: Es war eine illustre Runde, die sich im Theater Felina-Areal ein Stelldichein gab. Allerdings aus einem traurigen Anlass. Denn sie gehörten zu den bekannten Persönlichkeiten, die jüngst verstorben sind und denen Akteure des „Neuen Ensemble“ beim 51. „Abgang“ ein letztes launiges Lebewohl sagten.

Winnetous Liebe

Karin Dor war nicht nur Winnetous große Liebe in „Winnetou II“ und in etlichen Edgar-Wallace- sowie Dr.-Mabuse-Verfilmungen vertreten. International bekannt wurde sie durch ihre Mitwirkung in „James Bond 007 – Man lebt nur zweimal“ und Alfred Hitchcocks „Topas“. Hedwig Franke, Elisabeth Auer, Mathias Wendel und Sascha Koal ehrten sie unter anderem mit einer Szene aus der Karl-May-Verfilmung „Der Schatz im Silbersee“, in dem sie damals die Gefährtin von Götz George spielte.

„Bozsik, der rechte Läufer der Ungarn am Ball. Er hat den Ball verloren – diesmal gegen Schäfer – Schäfer nach innen geflankt – Kopfball – abgewehrt – aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen – Rahn schießt! Toooor! Tooor! Tooor! Tooor!“: Unvergessen ist Herbert Zimmermanns Kommentar zum Siegestor der Fußballnationalmannschaft im WM-Endspiel gegen Ungarn 1954. Das Kapitel „Das Wunder von Bern“ aus Ulli Lommels Buch „Campo Bahia“ war nicht nur dem deutschen Linksaußen und Mitglied des 1. FC Köln, Hans Schäfer, gewidmet, sondern auch dem Autor, Regisseur und Schauspieler Lommel selbst, der ebenfalls im Dezember verstarb und über das Basisquartier der deutschen Fußballnationalmannschaft für die WM 2014 in Brasilien Buch und Film verfasst hatte.

Traurige Berühmtheit erlangte Charles Manson. Der Kopf der sektenartigen Manson Family, die für viele Morde verantwortlich war und 1969 die hochschwangere Sharon Tate, Ehefrau des Regisseurs Roman Polanski, tötete, starb im Gefängnis.

„Fahren sie nach Stuttgart? Können sie mich mitnehmen?“, Karin Baal, die die Schwester einer Ermordeten darstellt, lässt sich auf der Suche nach deren Mörder auf ein gefährliches Spiel ein, als sie in einen LKW steigt, der von einem zwielichtigen Fahrer (Hans-Michael Rehberg) gesteuert wird. Mit der Episode „Die Anhalterin“ aus der Reihe „Der Kommissar“ aus dem Jahr 1971 erinnerten Hedwig Franke und Sascha Koal an den Burgschauspieler, der auch in der ARD-Reihe „Pfarrer Braun“ Bischof Sebastian Hemmelrath verkörpert hatte. Auch der Texaner John Hillerman, der „very british“ in der Rolle des Verwalters Jonathan Higgins in der US-Serie „Magnum“ agierte, musste von der Bühne des Lebens Abschied nehmen.

Sie sei es gewohnt gewesen, dass Männer sie haben wollten und sie sich früher oder später für sie auszog, gestand das britische Model Christine Keeler. Ihre Affären mit Kriegsminister John Profumo und gleichzeitig mit dem sowjetischen Militärattaché und Agenten Jewgeni Inwanow waren 1963 mit ein Grund für den Sturz der Regierung Harold Macmillons.

Musik zum Westernstreifen

Er war der Schwarm vieler Mädchen in den 1970er-Jahren: Der Sänger David Cassidy gehört zu den Interpreten, die für immer verstummten. Unter jenen, denen beim „Abgang“ Adieu gesagt wurde, waren auch Johnny Hallyday, Robert Knight, der Soulsänger Wayne Cochran, die Jazz- und Blues-Interpretin Della Reese, die Folksängerin Katie Lee, der Gitarrist und Sänger Paul Würges sowie Malcolm Young, Gründer der Hardrock-Band AC/DC. Während für ihn der Text von „Hells Bells“ rezitiert wurde gab es zu Ehren von Luis Bacalov, die von ihm komponierte Titelmusik zum Westernstreifen „Django.“