Neckarstadt-Ost / Wohlgelegen / Herzogenried

Wohlgelegen Verein Musikforum veranstaltet Salonkonzert im evangelischen Gemeinderaum

Interesse für alte Musik wecken

Archivartikel

„Sie werden nach dem Konzert um einiges schlauer herausgehen“, versprach Moderatorin Carmen Mosel, die Erste Vorsitzende des Musikforums für Alte Musik. Zwischen den Darbietungen führten die beiden Streicherinnen Isolde Winter und Heidrun Eberhard kenntnisreich in das Programm ein, indem das Duo aufschlussreiche Hintergründe zu den Werken erzählte. Im evangelischen Gemeinderaum im Stadtteil Wohlgelegen fand unter der Überschrift „Später Ruhm und früher Triumph“ ein intimes Salonkonzert des Vereins Musikforum statt, mit Stücken von Telemann über Bach bis Johann Friedrich Ruhe.

Bei diesem Konzert trafen zwei Streichinstrumente aufeinander, die auf den ersten Blick zwar ähnlich aussehen, jedoch unterschiedlichen bautechnischen Familien angehören. An der Viola da Gamba brillierte Isolde Winter und das Barockvioloncello bediente Heidrun Eberhard, die kurzfristig für den erkrankten Interpreten Robert Sagasser einsprang. „Diese Instrumente haben zwei Gemeinsamkeiten: Wir spielen sie beide zwischen den Beinen senkrecht stehend“, erklärte Musikerin Isolde Winter. „Und beide Instrumente haben denselben Tonumfang. Damit war es das auch.“

Im evangelischen Gemeinderaum stimmte das Duo die „Suite 20“ in D-Moll des Komponisten Michel de La Barre an, der in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts am Hofe des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. die Flöte spielte, ab dem Jahre 1695. Da war der Virtuose Michel de La Barre gerade mal 20 Jahre alt gewesen. Anschließend räumte Cellistin Heidrun Eberhard das Feld, um ihrer Kollegin Isolde Winter die vollständige Aufmerksamkeit für ein Solo zu überlassen: Im Alleingang brachte Winter die dritte Suite in G-Moll von Le Sieur Demachy zu Gehör. „Von ihm ist noch nicht mal mehr der Vorname bekannt“, erläuterte die Interpretin in Bezug auf den Urheber.

Mit Speck und Brokkoli

In der Pause servierte das Helferteam Quiche mit Lachs, Speck und Brokkoli. Mit den Salonkonzerten, die an wechselnden Orten stattfinden, zum Beispiel in privaten Wohnzimmern und Büros, möchte der Verein Musikforum das Interesse für Alte Musik wecken. Gegenwärtig zählt der im Jahre 2000 gegründete Verein 40 Mitglieder, eine bislang kleine Gemeinschaft. Im Mittelpunkt seiner Veranstaltungen steht die historische Aufführungspraxis.

„Die Idee ist, Salonkonzerte zu geben, mit historischen Instrumenten, wobei man sich bei leckerem Essen über Politik und Gesellschaft unterhält, in einem Austausch“, schilderte Vorsitzende Carmen Mosel, die als studierte Blockflötenspielerin beruflich Unterricht erteilt und mit einem Flötenensemble schon mal in der Justizvollzugsanstalt Herzogenried konzertierte. Wie die Menschen vor einigen Jahrhunderten, im Rahmen von Kammerkonzerten, fördern die Vereinsmitglieder die Alte Musik. Bevorzugte Epochen seien die Renaissance und der Barock.

Im Gemeindehaus in Wohlgelegen spielte das Duo Winter und Eberhard weitere Stücke von Jean-Baptiste Barrière und Georg Philipp Telemann. „Der Telemann war clever und gründete 1728 die erste deutsche Musikzeitschrift ‚Der getreue Musikmeister’“, kommentierte Winter den unternehmerischen Geschäftssinn des 1767 gestorbenen Komponisten. Eine betriebswirtschaftliche Eigenschaft, die man unter Künstlern eher selten findet.