Neckarstadt-Ost / Wohlgelegen / Herzogenried

Neckarstadt Trio um Schilfrohrspieler Mehmet Ungan interagiert bei „Blockflöte trifft Orient“ mit klassischen Ensembles

Klangliches Treffen der Kulturen

Es ist eine gewinnende Sache, wenn zwei fremde Kulturen aufeinandertreffen, sich einander freundschaftlich die Hand schütteln und sich untereinander austauschen, vor allem in unruhigen Zeiten wie heute. In der evangelischen Melanchthonkirche fand ein solcher musikalischer Austausch während der Matinee mit der Überschrift „Blockflöte trifft Orient“ satt, indem dort die drei Musiker Mehmet Ungan, Ali Ungan und Nurullah Turgut von der Orientalischen Musikakademie (OMM) mit dem Blockflöten-Consort Bergstraße und der Melanchthon-Flötengruppe ein Konzert gaben.

Fusionierte Instrumentalkraft

„Am Anfang war gar nicht klar, ob wir ein passendes Programm für dieses Konzert finden“, erklärte Moderatorin Ina Schuchardt-Groth, die Dirigentin des Blockflöten-Consorts Bergstraße. Doch dann stieß die Dirigentin auf dem Blockflöten-Kongress im südhessischen Stockstadt auf die Komposition „Jabal Ram“ des zeitgenössischen Autors Sören Sieg. „Ich wusste gleich, das ist das Kernstück unseres Konzerts“, begeisterte sich Schuchardt-Groth. Im Programm der exotischen Matinee „Blockflöte trifft Orient“ begegneten westeuropäische Komponisten wie Tschaikowski fremdländischer Volksmusik.

Zur Eröffnung brachte das Orchester das Stück „Einzug der Königin von Saba“ von Georg Friedrich Händel zu Gehör, dessen Todestag sich am 14. April zum 260. Mal gejährt hat. Danach erklang das Werk „Alla turca“ von Mozart, eine der berühmtesten Melodien der Musikgeschichte. „Wie kommt es, dass Mozart einen Türkenmarsch komponiert hat?“, fragte sich Ina Schuchardt-Groth. „Zu Zeiten von Mozart waren die Türkenkriege noch sehr präsent“, schilderte sie. Den folgenden „Arabischen Tanz“ von Tschaikowski und ein traditionelles Volksstück namens „Turski Mars“ gaben sämtliche Akteure in der Melanchthonkirche mit fusionierter Instrumentenkraft zum Besten. Dabei war Mehmet Ungan an der Ney zu hören, eine Rohrflöte aus Schilf ohne Mundstück, und Ali Ungan an der Baglama, eine Langhalslaute. Die Flötengruppe der Melanchthongemeinde stand unter Leitung von Christiane Brasse-Nothdurft.

Später sangen die Ensembles vereint mit den Besuchern das überlieferte Volkslied „Üsküdara“, das im östlichen Ausland jedes Kind kennt. „Es scheint zu funktionieren“, freute sich Moderatorin Ina Schuchardt-Groth über das hörbare Gelingen des Matinee-Projekts. Auf diese Weise wanderten die Ensembles zusammen mit Mehmet Ungan, Ali Ungan und Nurullah Turgut, der sich als Perkussionist einbrachte, akustisch immer tiefer in den fernöstlichen Lebensraum hinein.

„Merken Sie, wie weit wir klanglich auseinander sind? Die Blockflöten ganz barock und dagegen die orientalisch-meditative Sufi-Musik“, erläuterte Dirigentin Schuchardt-Groth, die zwischendurch analysierte, wie sich die Stammtöne im arabischen Raum von den Tonleitern in der westlichen Hemisphäre unterscheiden.

In naher Zukunft möchten die beteiligten Musiker das Konzert „Blockflöte trifft Orient“ erneut im benachbarten Stadtteil Jungbusch aufführen. Darüber hinaus stimmten die Akteure noch Stücke an wie „The Rose Of The Orient“ von Bert R. Anthony, „Entführung aus dem Serail“ von Mozart und „Scène orientale“ von Ernest Richard Kroeger.