Neckarstadt-Ost / Wohlgelegen / Herzogenried

Mitte Wohnungsbaugesellschaft GBG kauft in Problemvierteln zunehmend Häuser / Beitrag zur Stadtteilentwicklung als Ziel

Kommunale Wohnungsbaugesellschaft: „Wir wollen Straßenzüge erobern“

Archivartikel

Mannheim.Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GBG kauft zunehmend Gebäude und Häuser in Stadtteilen mit besonderem Entwicklungsbedarf auf. Vor allem im Jungbusch, der Neckarstadt-West und der Innenstadt ist das Unternehmen derzeit aktiv, hat in den letzten Jahren über ein Dutzend Immobilien, teils in zentralen Lagen, erworben. Ziel des Erwerbs sei dabei nicht nur, prekäre Wohnverhältnisse und Armutsunterkünfte zu verhindern. Die GBG möchte ganze Problemviertel Stück für Stück aufwerten und auf diese Weise einen Beitrag zur Entwicklung der Stadtteile leisten, erläuterten jetzt die GBG-Mitarbeiter Christian Franke und Heiko Brohm.

Nicht nur Problemimmobilien

Früher, so Franke und Brohm, standen beim Ankauf meist Problemimmobilien im Fokus des Unternehmens: So zum Beispiel in der Beil- oder der Hafenstraße im Jungbusch, wo Armutsunterkünfte saniert oder abgerissen wurden. Jetzt verfolge die GBG vermehrt mit Ankäufen auch einen stadträumlichen Ansatz als Motor für eine gescheite Stadtteilentwicklung: „Wir wollen mehr Impulse in die Quartiere setzen“, so die Experten. Beispiel Neckarstadt-West, oberer Teil der Mittelstraße: An der einst florierenden, nun aber durch belastetes Gewerbe herunter gekommenen Einkaufsmeile gehören schon sechs Immobilien zum Bestand des Unternehmens. In der Mittelstraße 40, einst Filiale der Sparkasse, zieht im Erdgeschoss demnächst der Bürgerdienst ein. Es werden Wohnungen saniert, moderate Mieten gesichert, Gewerbeflächen an Dienstleister vergeben, die einen Mehrwert für den Stadtteil ergeben. Das alles soll helfen, die Stadtteile aufzuwerten, ohne die Bevölkerung zu verdrängen.

„Wir agieren hier mit einer Haltestrategie auf bis zu 35 Jahre“, sagt Franke und stellt klar: „Da unterscheiden wir uns fundamental von anderen am Markt agierenden Unternehmen“. Wichtig seien stabile Mietverhältnisse und vernünftige Nutzungen, keine Wettbüros, bekräftigt Franke allerdings: „Wir sind volkswirtschaftlich orientiert, auch um unsere eigenen Investitionen zu sichern“. Dabei geht es der GBG darum, an wichtigen, zentralen Stellen im Stadtraum Gewerbeflächen zu besetzen, wie in G 7,24, wo im frisch angekauften Haus mit dem ehemaligen Waschsalon ein Secondhand-Laden im Kreuzungsbereich zwischen Innenstadt und Jungbusch einzog.

In ähnlich prominente Lage, in H 7,1, ebenfalls einst Filiale der Sparkasse, zieht ab April 2020 ein namhafter Kulturbetrieb ein. Um gescheite Nutzungen und Win-Win-Situattionen zu ermöglichen, müsse man allerdings erst einmal ein Netzwerk aufbauen. Dazu hat das Unternehmen eine Anlaufstelle und mit Max Steinke einen Ansprechpartner geschaffen. Er soll Kontakte knüpfen und die GBG im Immobilienmarkt etablieren.

Im Fokus, so Franke, sind zunächst die Neckarstadt, der Jungbusch und die Innenstadt: „Hier wollen wir Straßenzüge erobern“.