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Herzogenried Gut besuchte Premiere mit Shanty-Chor Neckarmöwen und Combo Faltenrock in der Konzertmuschel

Kreischende Gitarre im Nacken

Archivartikel

Im Herzogenried steckt viel kreatives Potenzial. Denn in diesem Viertel leben nicht wenige Musiker und Künstler. Um dieses Potenzial gebündelt der Öffentlichkeit zu präsentieren, fand auf der Open-Air-Bühne der Konzertmuschel im Herzogenriedpark zum ersten Mal das Konzert „Herzogenried on Stage“ statt, eine Veranstaltung des Quartiermanagements Herzogenried. Nämlich mit dem Shanty-Chor Neckarmöwen und der mehrere Generationen einbeziehenden Popgruppe Faltenrock, ein Gemeinschaftsprojekt der Popakademie und des Mehrgenerationenhauses.

Veranstaltungsreihe geplant

„Wir planen gemeinsam mit der Stadtpark gGmbH für das nächste Jahr eine Veranstaltungsreihe mit Konzerten, Lesungen und Kindertheater“, erklärte Quartiermanagerin Jennifer Yeboah. Wegen des fortgeschrittenen Alters der beteiligten Musiker stand die Erstauflage des kleinen Festivals „Herzogendried on Stage“ unter dem Motto „Senioren rocken die Bühne“.

Nachdem die Mitglieder des Seemannschores „Neckarmöwen“ in Stellung gegangen waren, verwöhnten die Seebären das Publikum mit rauen Liedern wie „Blaue Jungs“, „Fährmann hol über“ und „Endlos sind jene Meere“. Im blühenden Herzogenriedpark durfte sich der Klangkörper über schönsten Sonnenschein freuen. Seit acht Jahren steht Heinrich Stoll dem Ensemble Neckarmöwen als Chorleiter vor. „Ich bin einer von den Zweien, die von Anfang an dabei sind, mit Michael Jaletzky“, erklärte Chorleiter Heinrich Stoll vor dem Auftritt. Außerdem stimmte das uniform gekleidete Ensemble, das im Oktober 1998 gegründet wurde, verbunden mit der Moderation von Sänger Michael Jaletzky maritime Stücke an wie „Einmal noch nach Bombay“, „Wolken, Wind und Wogen“ und das Lied der gleichnamigen Popgruppe „Santiano“. Als Solistin trat später Bärbel Unnewisse nach vorne. „Zu Hause fühlt man sich am wohlsten. Auch die Seemänner haben Heimweh, geben es aber nicht zu“, erläuterte Michael Jaletzky. „Wenn man auf Reisen geht, kann man auch mal was mitbringen: Einen Schatz, Rubinen oder Noten“, schilderte Ansager Jaletzky.

Nach einer Umbaupause rockte die Altersgrenzen einreißende Combo Faltenrock unter Moderation von Sänger Harald Speyer die Konzertmuschel. Auf der Bühne dichtete die Kapelle den Nancy-Sinatra-Song „These Boots are made for walkin“ mit eigenem Text um, als kritische Nummer über Smartphones. Zusätzlich interpretierte die Rockformation, die Gesangskünstler unterschiedlichen Alters zusammen-bringt, eine deutschsprachige Version des Cameo-Hits „Word Up“, verwandelt in eine Faltenrock-Hymne auf das persönliche Schaffen.

An der E-Gitarre streute der szenebekannte Saitenhexer Norbert Ritter, der mit seinen langen Haaren und einem Stirnband optische Ähnlichkeit mit dem ehemaligen Scorpions-Gitarristen Uli Jon Roth besitzt, pfeilschnelle Riffs ins Freiluft-Rund ein. Als die Faltenrocker die Stones-Nummer „Sympathy For The Devil“ schmetterten, legte sich Saitenvirtuose Norbert Ritter seine kreischende E-Gitarre spielend in den Nacken, als artistische Einlage. Denn eine ordentliche Rock’n’Roll-Show lebt ebenso von lebendigen Schauwerten. Zudem war der Song „I’m going Home“ von Ten Years After zu hören.

Mit vielen bekannten Stars durfte Gitarrist Norbert Ritter bereits die Bühne und den Proberaum teilen, zum Beispiel während spontaner Jam-Sessions, jedoch stellt der 62-Jährige seine Person nicht besonders gerne in den Vordergrund, sondern lässt stattdessen in aller Bescheidenheit seine Klangkunst für sich sprechen.