Neckarstadt-Ost / Wohlgelegen / Herzogenried

Neckarstadt Absolventen der Theaterakademie stellen im Felina-Areal Stücke vor

Leidenschaftlicher Abschluss

Archivartikel

Die Prüfungen sind bestanden, die Noten vergeben, entsprechend entspannt präsentierten sich die Absolventen der Theaterakademie Mannheim dem Publikum. Die fünf Schüler Lena Ritthaler, Johanna Sipinski, Vivian Schöchlin, Julija Komerloh und Joel Bernd zeigten in einer Werkschau, was sie während ihrer dreieinhalbjährigen Ausbildung gelernt haben und überzeugten allesamt mit professionellen Auftritten.

Familie und Freunden sahen im restlos ausverkauften Saal des Felina-Areals Monologe und Szenen aus klassischen und zeitgenössischen Stücken. Im schnellen Wechsel ging es quer durch die Theaterkunst von William Shakespeare über Friedrich Hebbel und Franz Wedekind bis hin zu Alan Ayckbourn. Mit ausdrucksstarker Sprechweise und packender Mimik und Gestik wurde geschimpft, getanzt und gesungen.

Fantasievolle Bilder

Hier ein Sofa, da ein Tisch und ein Stuhl – viele Requisiten brauchten die Schauspieler nicht, um in den Köpfen der Zuschauer fantasievolle Bilder entstehen zu lassen. Stimmgewaltig rief Vivian Schöchlin mit dem Kreisler-Chanson „I hab kei Lust“ zum Ungehorsam auf und beklagte ihr Schicksal in Euripides „Alkestis“. Sie beherrschte auch das komische Fach. Die Besucher amüsierten sich prächtig als sie in „Wohnen unter Glas“ mit ihrem kuschelverweigernden Freund abrechnete. Julija Komerloh besang ihre „Pärchenallergie“ und zeigte im Tanz „Home Office“ pantomimisches Talent.

Als personifizierte Unschuld im weißen Kleid trat Johanna Sipinski als Eve in „Der zerbrochene Krug“ vor Richter und Publikum. Ihre Rollen in Edgar Allan Poes „Das verräterische Herz“ und Alan Ayckbourns „Ab jetzt“ hat sie sich selbst erarbeitet und entwickelte dabei eine beeindruckende Bühnenpräsenz.

Genauso wandlungsfähig agierte Lena Ritthaler. Mit feinem Spiel legte sie ihre Figuren in den klassischen Stücken an, ließ als Alison in „Trainspotting“ ihrer Wut freien Lauf und glänzte als leicht hysterisches Energiebündel Arsinoé in Molières „Menschenfeind“. Joel Bernds Stärke lag im akrobatisch kraftvollen Tanz. Als Diener Jean schmachtete er „Fräulein Julie“ an und erheiterte die Zuschauer mit dem Lied „Regale“ von Georg Kreisler.

Mit ihrer einfallsreichen Moderation weckten die Schüler des sechsten Semesters schon an diesem Abend die Vorfreude auf einen spannenden Abschlussabend des kommenden Jahrgangs.

Nach drei Stunden ging ein prall gefülltes Programm zu Ende, bei dem keine Sekunde Langeweile aufkam. Das sorgfältige Auswendiglernen, Einstudieren und Proben hat sich zweifellos gelohnt. Der begeisterte Applaus der Zuschauer verabschiedete die Absolventen in eine vielversprechende Zukunft.