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Neckarstadt Kunstprojekt Les.Art vom Jugendkulturzentrum Forum im Container auf dem Alten Messplatz eröffnet / Programm bis Ende März

Lesen für ein besseres Leben

Les.Art – oder die Kunst des Lesens: Das Jugendkulturzentrum Forum hat jetzt seine utopische Bücherei auf dem Alten Messplatz eröffnet. Am Schreibtisch im mobilen Glascontainer startete Laura Volk mit ihrer ersten Lesestunde. Das Langzeit-Kunstprojekt wird von der Tor 4 Kunstförderung der BASF finanziert.

Zum Diskurs anregen

Kathrin Lämmle, Leiterin des Jugendkulturzentrums Forum, begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste. Elina Brustinova, Vorsitzende vom Stadtjugendring, dankte dem Forum-Team um Alexander Bayer und Frank Degler für die geleistete Arbeit, BASF Tor 4 für die Ermöglichung des Projekts sowie den wissenschaftlichen Beirätinnen, die das Projekt begleiten. Kooperations-Partner von Les.Art sind die Stadtbibliothek Mannheim, DAI und Literaturtage Heidelberg sowie das Eintanzhaus Mannheim.

Friederike Reutter von BASF war „total begeistert“ von dem Kunstprojekt. „Les.Art will zur Diskurs auffordern, das Projekt will sich mit gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzen, streiten und diskutieren über alle Denkmuster hinweg mit dem Freiraum, anders zu denken und mutig zu sein“, sagte sie. Projektleiter Frank Degler dankte dem Architektenteam Mireille Göhring und Julian Bender für die „hervorragende Arbeit“.

Kleine private Utopie

Zum Thema des Projekts – „Wie die Welt besser werden kann“ – erklärte Degler: „Unsere Antwort ist Lesen, eine kleine private Utopie, dass ein Leser alles Gute auf der Welt unterstützt durch Durchhaltevermögen, Neugier auf Neues und Aufmerksamkeit auf Altes. Populismus prallt ab, weil ein Leser das durchschaut.“ Projektleiter Alexander Bayer erklärte zum Ablauf des Projekts, dass der Container noch bis 28. März auf dem Alten Messplatz stehen und später durch die ganze Metropolregion wandern wird.

Leserin Paula Volk wird gegen Bezahlung des Mindestlohnes an vier Tagen in der Woche von mittwochs bis samstags von 13 bis 19 Uhr hier arbeiten und jeden Tag ein Buch lesen. Morgens wird ihr durch die Projektleiter ein Buch vorgelegt. Auch die Besucher werden eingebunden in die Auswahl. Sie können entweder einen Leseantrag stellen, was unbedingt gelesen werden muss, oder einen Anschaffungsantrag für neue Bücher.

Drumherum gibt es verschiedene Veranstaltungen rund um Thema Lesen und Literatur (Beispiele siehe Infokasten). Anschließend zog Opernsängerin Laura Volk in den Container ein und begann mit ihrer Arbeit. Sie las im Buch „Die große Flatter“ von Leonie Ossowski. Eine Stunde später führte Schauspielerin Hannah Röhrich vom jungen Nationaltheater, die dabei mit dem Megafon Hölderlins Ode an den Neckar las, die Gäste an der Neckarpromenade entlang. Es ging gemeinsam in Richtung Forum zur anschließenden Podiumsdiskussion. Die stand unter der Überschrift „Lesen für eine bessere Welt“ mit den wissenschaftlichen Beirätinnen Ellen Barreis, Dekanin für Gesundheitswesen an der Hochschule, Kunsthistorikerin Dorothee Höfert, Leiterin der Kunstvermittlung an der Kunsthalle Mannheim, und Literaturdidaktik-Professorin Karin Vach von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Sie sprachen über die utopische Kraft der Literatur.