Neckarstadt-Ost / Wohlgelegen / Herzogenried

Neckarstadt Katholische Pfarrgemeinde St. Bonifatius feiert Perusonntag / Franziskaner-Pater Tomas Martin berichtet aus seiner Heimat

Massive Zerstörung der Natur beklagt

Archivartikel

Jene peruanische Region, in der Franziskaner-Pater Tomas Martin lebt, stellt geografisch ein Durchgangstor für Drogenhandel dar. „Ein großes Problem in unserer Gemeinde ist die Ernährung, es herrscht ein Defizit“, erklärte Gastprediger Tomas Martin, der mit einem bilderreichen Vortrag die sozialen Entwicklungen der letzten Jahre zusammenfasste, in Bezug auf seinen Heimatort Cheni im südamerikanischen Land Peru.

Mit einem Gottesdienst in der Bonifatiuskirche und anschließendem Mittagessen im benachbarten Gemeindesaal feierte die katholische Gemeinde St. Bonifatius in der Neckarstadt-Ost ihren traditionellen Perusonntag. Für diese wohltätige Feierlichkeit flog diesmal Pater Tomas Martin über den großen Teich, um von seiner fernen Heimat zu berichten.

Soziale Ungerechtigkeit

Nach dem Gottesdienst schloss sich ein Mittagessen mit südamerikanischen Speisen wie Reis mit Schweinefleisch und Gemüse-Hackfleisch-Suppe an, was sich auf der der anderen Seite der Erdkugel „Arroz con chancho“ und „Sopa de porotos con verdura“ nennt. Ein Kuchenbüfett bot Muffins mit Affen-, Lama- und Spinnen-Dekorationen an. „Pater Tomas Martin ist ein alter Bekannter unserer Pfarrgemeinde“, erläuterte Bruder Joaquin Garay, der im mittelamerikanischen El Salvador geboren wurde und seit Oktober 2010 der katholischen Seelsorgeeinheit in der Neckarstadt angehört.

Auf die soziale Ungerechtigkeit in seinem Heimatland Peru und wie die christliche Kirche dort mit der indianischen Bevölkerung zusammenlebt, darauf ging Ordensmann Tomas Martin ein. „Das Amazonasbecken zeigt uns, dass Pflanzen, Tiere, Flüsse und Menschen miteinander verbunden sind“, schilderte Theologe Martin, der auf Spanisch sprach und von Bruder Joaquin Garay ins Deutsche übersetzt wurde. „Es geht um eine Region, die von Umweltzerstörung heimgesucht wird“, bedauerte der Geistliche. Ausländische Konzerne fördern in Peru wertvolles Öl und bauen Holz ab, wobei die Unternehmen kilometerlange Handelsstraßen anlegen, quer durch die Urwälder ohne Rücksicht auf die Natur.

Beim Mittagessen im Bonifatius-Gemeindesaal verkauften Helferin Dorothea Cebularz und ihre Tochter Simone Lelonek peruanische Textilien wie farbenfroh gemusterte Taschen, wollene Fingerfiguren, Mützen, Tücher und T-Shirts für den guten Zweck. „Der Erlös geht an die Gemeinde in Cheni“, erklärte Ständlerin Dorothea Cebularz. Außerdem sorgte ein bolivianisch-peruanisches Ensemble mit südamerikanischer Volksmusik für musikalische Unterhaltung, als klanglicher Ausdruck purer Lebensfreude.

Das kam an: Vor der Bühne fanden sich ganz spontan etliche Besucher zum Tanz ein. Darüber hinaus veranstaltete Moderatorin Tanja Heidemann ein Schätzspiel mit einer vorgezeigten dunklen Kakaofrucht in der Größe eines eiförmigen Rugbyballs: „Wie viele Kakaobohnen enthält diese Kakaofrucht?“, wollte Moderatorin Heidemann wissen. Es waren schließlich knapp 30 Bohnen.

Später hielt Pater Tomas Martin einen anschaulichen Beamer-Vortrag. Dazu projizierte Vortragsredner Martin auf die Leinwand etliche Fotografien der einfachen Behausungen, in denen die peruanischen Einwohner leben müssen, die sich von der Landwirtschaft ernähren, etwa durch das Ernten von Yucca-Wurzeln.

Danach fand eine Frage-und-Antwort-Runde statt, bei der sich Pfarrer Frank Hartmann mit Gastredner Tomas Martin über die jüngsten Papst-Beschlüsse in Bezug auf die Kirchenarbeit in Südamerika unterhielt.