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Neckarstadt „Abgang“ im Theater Felina-Areal gedenkt Verstorbener

Mit Kardinal Lehmann im Friseursalon

Mannheim.Es ist eine erfolgreiche Traditions-veranstaltung im Theater Felina-Areal: Seit Herbst 2010 wird regelmäßig beim (fast) monatlich stattfindenden „Abgang“ der in den Wochen zuvor verstorbenen prominenten Zeitgenossen gedacht. Jeweils unter großem Zuspruch des Publikums geben die Akteure des „Neuen Ensemble“ unter der Leitung von Sascha Koal einen kleinen Einblick in das Leben der Verblichenen. Nie langweilig, aber auch nie unter der Gürtellinie lässt sich Koal, der auch die Auswahl der Texte vornimmt, immer etwas Kurzweiliges einfallen.

So auch bei der 54. Auflage. Da konnte man bei einem Quiz den gerade eingeführten wiederverwertbaren Mannheim-Becher gewinnen. Dieser sollte an den amerikanischen Coffeehouse-Manager Orin C. Smith erinnern. Der Gewinn war an die Frage geknüpft, wer denn vor dem jetzt zu Tode gekommenen Siegfried Rauch den Dreifachagenten Thomas Lieven, der ein Faible für das Kochen hatte, in „Es muss nicht immer Kaviar sein“ verkörperte. Es war O.W. Fischer, wie es eine Zuschauerin prompt erriet und damit den Kaffeebecher gewann. Siegfried Rauch dagegen wurde durch die 13-teilige Fernsehserie aus dem Jahr 1977 nach dem Roman von Johannes Mario Simmel einem breiteren Publikum bekannt.

Kopfmassage und Espresso

„Waschen, schneiden, föhnen“ durfte die Friseurin Isabella Toscano den Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann. Dieser kam alle fünf Wochen zu den Öffnungszeiten in den Friseursalon, grüßte jeden herzlichen und erhielt von Toscano ein kleines Verwöhnprogramm, das eine Kopfmassage und einen italienischen Espresso beinhaltete. Letzteren habe der Kardinal, „mit dem man sich ganz normal unterhalten konnte“, geliebt.

„Müssen wir uns vor einem Krieg in Europa fürchten?“ – das wurde der sowjetische Diplomat Walentin Falin (von 1971 bis 1978 Botschafter in der BRD) von Reportern nach Auswirkungen der EU-Russland-Krise gefragt. „Unsere Doktrin bleibt die unteilbare internationale Sicherheit. Keiner in Russland plant, die Ukraine und andere Staaten zu erobern. Ein Krieg gegen Europa wäre fatal“, antworte Falin.

Pflasterstein-Gedichte gab es für den Lyriker und Journalisten Hans Arnfrid Astel, der 1968 unter dem Eindruck der Stundenbewegung den ersten politisch orientierten Gedichtband veröffentlicht hatte. An den Schauspieler Ulrich Pleitgen wurde mit einer Szene aus dem Film „Stammheim“ nach dem Drehbuch von Stefan Aust erinnert. Darin verkörperte Pleitgen den Richter Theodor Prinzing. Ebenso wurde des Schauspielers Jochen Senf sowie der österreichischen Darsteller Martha Wallner, Trude Ackermann, Elfriede Irrall und Erich Padalewski gedacht. Der Modeschöpfer Hubert de Givenchy, der für immer die Augen geschlossen hatte, wusste, was Frauen in modischer Hinsicht wollten. Er hatte etwa für Audrey Hepburn in „Frühstück bei Tiffany“ das „kleine Schwarze“ maßgeschneidert. Hedwig Franke sang aus dem Streifen den bekannten Song „Moon River“ und begeisterte mit ihren Interpretationen von „Heart of Gold“, „River“ und „Dream a little Dream of me“ für den Gestalter der LP-Cover, Gary Burden. Unter den Sängern und Musikern, die sich von der Bühne des Lebens verabschiedeten, war auch die in Mannheim geborene Ulla Norden. Adieu sagten die Akteure noch dem Politikwissenschaftler Ekkehart Krippendorff, dem Musikverleger Achim Bergmann, den Autoren Peter Temple, Michael Rutschky und Penny Vincenzi sowie dem Physiker Stephen Hawking.

Der nächste „Abgang“ ist am 29. Mai, 19.30 Uhr, Felina-Areal.