Neckarstadt-Ost / Wohlgelegen / Herzogenried

Neckarstadt-Ost „Abgang“-Lesung erinnert an kürzlich verstorbene Prominente / Nächster Termin am 24. September

Nachrufe mit Witz und Charme

„Ich hatte gerade den Film ‚Die Faust im Nacken’ gesehen und war ganz hingerissen von Marlon Brando. Ich wollte ihn“, bekannte Gloria Laura Vanderbilt über den Beginn ihrer Affäre mit dem Schauspieler. Die Tochter des Eisenbahn-Erben Reginald Claypoole Vanderbilt (1880-1925), die auch als Schauspielerin, Malerin und Designerin von sich reden machte, starb im Juni. Sie gehörte zu den Prominenten, derer die Mitglieder des „Neuen Ensemble“ beim „Abgang“ gedachten.

Während der 62. Auflage der Traditionsveranstaltung zeigten Hedwig Franke, Mathias Wendel, Monika-Margret Steger sowie Sascha Koal dem Publikum im fast bis auf den letzten Platz besetzten Theater-Felina Areal die ganze Bandbreite ihres komödiantischen Könnens – ohne dabei ins Alberne abzudriften.

Bis kurz vor dem Termin hatte Koal aufgrund immer neuer Todesfälle die Lied- und Textbeiträge aktualisiert. „Doch es waren so viele, ich konnte leider nicht alle berücksichtigen“, bedauerte er.

Einer, dem die Akteure einen würdigen Nachruf widmeten, war der Produzent Artur Brauner. Er hatte im Alter von fast 101 Jahren für immer die Augen geschlossen. Mit einer Szene aus seinem preisgekrönten Film „Der Garten der Finzi Contini“ und dem von Gilbert Bécaud komponierten Chanson „Am Tag als der Regen kam“ aus dem gleichnamigen Streifen, gesungen von Dalida, verabschiedeten sie den Ausnahmeproduzenten.

Heiratsantrag am Film-Set

Er war der letzte Überlebende der vier schauspielenden Geschwister des aus der Schweiz stammenden „Schell-Clans“: Carl Schell. Der Bruder von Maria, Maximilian und Immy starb im Juni in seinem Tessiner Zuhause in Locarno.

In seiner Autobiografie „Wir waren vier“ berichtet er in amüsanter Weise, wie er seine Ehefrau, die Schauspielerin Stella Mooney, am Set der Krimiserie „Dem Täter auf der Spur“ kennenlernte und ihr sofort einen Heiratsantrag machte. Von der Bühne des Lebens traten auch die österreichische Kammerschauspielerin Elfriede Ott und der international bekannte Regisseur Franco Zeffirelli ab. Letzter erlangte unter anderem Ruhm durch seine aufwendige Operninszenierungen und Shakespeare-Verfilmungen.

„Ich bin ein Radikaler, weil ich grundsätzlich und von der Wurzel her denke“, antwortete der ehemalige Berliner Innensenator und CDU-Politiker Heinrich Lummer auf die Frage, ob er ein Extremist sei. Er fordere ja die Beschneidung des grundgesetzlich garantierten Asyl-Rechts für politisch Verfolgte. Sein Ziel sei es, so Lummer, die unterschiedlichen Asyl-Rechte in den verschiedenen Ländern Europas zu harmonisieren.

Judith Kerr war die Tochter des Theaterkritikers schlechthin: Alfred Kerr. Die in Berlin geborene Schriftstellerin, die aufgrund ihrer jüdischen Herkunft mit ihrer Familie nach Großbritannien emigrierte, wurde vor allem durch ihren Roman „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ und ihre selbstillustrierten Bilderbücher bekannt.

Wer einmal „The Girl from Ipanema“ gehört und eine Vorliebe für Bossa Nova hat, dem wird die weltweit bekannteste Interpretation von João Gilberto immer in Erinnerung bleiben. Der Brasilianer verstummte ebenso wie die Sänger und Musiker Costa Cordalis, Erich Doll (Truck Stop) und Willie Ford (The Dramatics).

Hitchcock-Thriller und City-Klo

Zu beklagen galt es auch den Tod der politischen Moderatoren der alten BRD, der Journalistin Wibke Bruhns und des Tagesschausprechers Wilhelm Wieben. Ebenso des Unternehmers und Mäzens Hans Wall. Er ist der Erfinder der ersten selbstreinigenden City-Toilette mit schwenkbarer Toilettenschüssel, behindertengerecht und dennoch schmal wie eine Litfaß-Säule.

Am Ende sangen alle „Que Sera, Sera“ für eine Frau, die den Oskar-prämierten Song aus dem Alfred-Hitchcock-Thriller „Der Mann, der zuviel wusste“, zu ihrer Erkennungsmelodie gemacht hatte: Doris Day. Die Schauspielerin und Jazzsängerin, die bis heute unzählige Menschen mit ihren Filmen erfreut, starb im gesegneten Alter von 97 Jahren.