Neckarstadt-Ost / Wohlgelegen / Herzogenried

Pläne Kritik an Wegfall von Parkplätzen / Wohnungen nötig für Stadtteil

Patt bei Abstimmung über Schafweide-Pläne

Mannheim.Vor allem die Wohnbebauung an der Schafweide sorgte für kritische Diskussionen bei der Sitzung des Bezirksbeirats Neckarstadt-Ost. Auf der einen Seite brauche die Stadt die Wohnungen dringend, auf der anderen Seite solle nicht alles zugepflastert werden, hieß es. Am Ende stimmten vier Bezirksbeiräte dafür und vier dagegen, zwei enthielten sich. Schlussendlich entscheidet der Gemeinderat.

Doch worum geht es? Bevor die Räte diskutierten, stellte Jochen Tölk von der Stadtplanung zunächst die Beschlussvorlage vor: Erst war das städtische Grundstück an der Schafweide für das neue Technische Rathaus im Gespräch. 2015 wurde beschlossen, dass jenes ins Glückstein-Quartier kommt und das Grundstück Schafweide für Wohnungsbau genutzt werden soll. Im nördlichen Teil der ungenutzten Freifläche soll entlang der Straße Schafweide und der Friedrich-Ebert-Straße eine Blockrandbebauung entstehen. Die fünf Stockwerke hält Tölk aus lärmschutztechnischen Gründen für erforderlich. Zwischen Wohnbebauung und SWR-Studio soll eine öffentliche Grünfläche unter Einbeziehung der heutigen Parkplätze und Erhalt von drei Bäumen entstehen. Dazu kommt eine Tiefgarage.

Zwei Varianten

Weiter ist geplant, das Hermann-Heimrich-Ufer auszubauen. Es würden bis auf 15 Parkplätze alle anderen wegfallen. Für den Umbau gibt es zwei Varianten. Erstens: mit Erhalt der Bäume am bisherigen Standort oder zweitens: unter Verschiebung der Bäume in Richtung Fahrbahn. „Nach Variante eins gibt es auf der Südseite der Schafweide eine Grünfläche, die keine nennenswerte Aufenthaltsqualität hat“, erklärt Tölk. Mit Variante zwei würden dagegen nicht nur Rad- und Gehweg großzügiger ausgebaut, es gebe auch ein größeres Baugrundstück und damit ein höheres Bauvolumen. Die Neubebauung auf der nördlichen Teilfläche soll durch einen privaten Investor erfolgen. „Das Grundstück soll nicht zum Höchstpreis veräußert werden, sondern zum Verkehrswert“, betonte Tölk. Vorgaben seien unter anderem: mindestens 30 Prozent der entstehenden Wohnungen als preisgünstige Mietwohnungen auszuzeichnen, eine zweigruppige Kindertageseinrichtung zu integrieren, Dach und Tiefgarage zu begrünen, Eigentums- und Wohnformen sowie Architektur- und Gestaltungsqualität zu mischen. Danach hatten die Bezirksbeiräte das Wort: Hans Georg Dech (SPD) befürwortete die Beschlussvorlage, bedauerte aber mit Blick auf den großen Zuzug, dass an der Schafweide statt ursprünglich geplanter 200 nur 120 bis 140 Wohneinheiten entstehen.

Die Bezirksbeirätin Roswitha Henz-Best (CDU) kritisierte den Wegfall von 120 Parkplätzen, der großen Grünfläche und der Bäume bis auf drei. Man müsse auch die Interessen der jetzigen Anwohner an der Straße Schafweide berücksichtigen. „Wenn schon Blockrandbebauung, dann wenigstens gegliedert“, forderte sie.

Johannes Schuler und Stefanie Heß von den Grünen äußerten Bedenken wegen der Frischluftzufuhr: „Es sollte nicht alles zugepflastert werden.“ Dennis Ulas (Linke) hingegen fand: „Geschosswohnungsbau und Tiefgarage sind eher eine Aufwertung der Situation in diesem Bereich.“

Fakultät will Erweiterung

Zur Kritik an der Blockrandbebauung erklärte Sitzungsleiter Reinhold Götz: „Unstrittig gibt es in Mannheim einen großen Wohnraumbedarf.“ Bis auf ein paar Baulücken gebe es keine Möglichkeiten mehr. „Das ist ein Abwägungsprozess, aber wir haben keine Alternativen“, sagte der SPD-Stadtrat. Sein Kollege von den Linken, Thomas Trüper, fügte hinzu, dass in der Stadt seit 30 Jahren keine bezahlbaren Wohnungen gebaut worden oder diese verloren gegangen seien. Diese brauche man aber dringend, „nicht nur, weil neue Leute hinzuziehen, sondern auch, weil Mieten und Eigentumserwerbskosten sonst durch die Decke schießen“.

Abgestimmt wurde auch über den Bebauungsplan der Medizinischen Fakultät: Der Beschlussvorlage zur Realisierung von Neubauten für die Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg zwischen Röntgenstraße, Cheliusstraße, Krafft-Ebing-Straße und Am Friedhof stimmten die Räte mehrheitlich bei zwei Enthaltungen zu.

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