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Neckarstadt-Ost Junge Wissenschaftler setzen sich beim Science Slam mit Mobilität der Zukunft auseinander

Rockkonzert der Wissenschaft

Was bedeutet Mobilität in der Stadt der Zukunft? Welche Entwicklungen gibt es? Und was sagt die Wissenschaft dazu? Diesen Fragen ging das Science-Slam-Special in Kooperation mit stadtmobil Rhein-Neckar in der Alten Feuerwache auf den Grund. Vier junge Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachbereichen traten in einem Wettbewerb gegeneinander an. Dabei sollen sie ihren Fachbereich einem Laien-Publikum möglichst anschaulich verdeutlichen. Zehn Minuten hatte jeder Experte dafür Zeit. Am Ende entschied das Publikum mit Applaus, wer die goldenen Boxhandschuhe als Preis bekommt. Zum Schluss stand fest: Peter Schneider, ein Maschinenbauingenieur aus Aachen, begeisterte am meisten.

Aber erst einmal von vorne: Moderiert wird das fast ausverkaufte Event von Moritz Zaiss, der zu Beginn schon für gute Laune sorgt. Nachdem das Publikum den Applaus auf verschiedenen Stufen der Güteskala trainiert hat, tritt zunächst Ulrike Reutter, Professorin für Mobilitätsmanagement an der Uni Wuppertal, als „Featured Scientist“ auf und gibt eine kurze Einführung in das Themengebiet, das sich dann durch den ganzen Abend zieht. Es ist sozusagen eine Hinführung zum Thema – und dabei wird vor allem deutlich: Wir haben zu viele Autos auf den Straßen. Das belastet nicht nur die Umwelt, sondern auch den Verkehr.

Wunsch nach mehr Austausch

Den Auftakt macht dann Stadtplaner Maximilian Birk, Master-Absolvent der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden. Er kritisiert in seinem Vortrag „Das haben wir schon immer so gemacht“ das fehlende Zukunftsdenken in der kommunalen Verkehrsplanung. Was schon immer funktioniert habe, müsse nicht automatisch weiterhin funktionieren. Er wünsche sich mehr Kommunikation zwischen Forschern und der Kommunalpolitik.

Eine, mit der er ins Gespräch kommen könnte, ist Tatiana Herda Muñoz aus Mainz, die zweite Slammerin. Um mehr zu erreichen, wurde sie in der Kommunalpolitik aktiv, inzwischen ist sie Energiemanagerin beim Umweltamt in Mainz. „Ich bin eine junge Frau, die von A nach B kommen möchte – und das möglichst günstig, bequem und schnell“, sagt die gebürtige Mexikanerin. Zu Muñoz’ erster Veranstaltung sei niemand gekommen, aber dann habe sie verstanden, dass man die Menschen nicht belehren, sondern mit ihnen ins Gespräch kommen müsse. Sie fordert, dass Forschung und Politik aus ihrer „Bubble“ (Blase) heraustreten und Lösungen suchen. Peter Schneider, Maschinenbauingenieur aus Aachen, begeistert mit seinem Vortrag „Zurück in die Zukunft der (Elektro-)Mobilität“. Auf unterhaltsame Weise zeigt er auf, dass Elektroautos aufgrund der Produktion der Batterien und der Art der Stromerzeugung (zu einem Großteil Atomstrom) derzeit noch nicht so „grün“ seien, wie man glaube. „Wir sollten nicht den zweiten Schritt vor dem ersten gehen“, ist seine Schlussfolgerung. Zuerst müsse man in die Entwicklung „grüner“ Energiegewinnung investieren.

„Letztlich sind wir alle Fußgänger“

Florian Breitinger ist Humangeograf und promoviert an der TU Berlin über die „Fußläufige Mobilität älterer Menschen“. Um die Probleme herauszufiltern, die sich im Stadtverkehr für Fußgänger ergeben, interviewt er auf den Straßen Berlins ältere Menschen. „Letztendlich sind wir alle Fußgänger“, erläutert er, „und das Zu-Fuß-Gehen ist die Fortbewegungsart, die uns im Alter in den meisten Fällen am längsten erhalten bleibt.“

Das Publikum honoriert alle vier Darbietungen mit kräftigem Applaus. Doch einer sticht hervor: Peter Schneider bekommt während seines Slams Zwischenapplaus und fünf La-Ola-Wellen, die die Begeisterung des Publikums verdeutlichen, er wird bei der Schlussabstimmung zum Sieger erklärt. Trotzdem seien alle Vorträge ein Gewinn, sowohl für die Slammer als auch für die Zuschauer: „Wir wollten vor allem ein Nachdenken über die Mobilität der Zukunft bezwecken und auf Alternativen zum eigenen Auto aufmerksam machen“, so Miriam Caroli von stadtmobil, „im Moment bieten wir als Alternative das CarSharing an. Aber am schönsten wäre ja, wenn die Autos langfristig ganz verschwinden würden.“