Neckarstadt-Ost / Wohlgelegen / Herzogenried

Neckarstadt Reparaturstation „Radstelle“ wiedereröffnet / Service-Stelle mit Spezialwerkzeug zum Selbstschrauben

Schraubenschlüssel und Pumpe liegen bis Oktober bereit

Am Rande des Alten Meßplatzes, neben dem geschlossenen Waggon-Restaurant „Alter Bahnhof“, erstrahlen zwei rosafarbene Gebäude, eine große Hütte und eine kleine. In dem kleinen Häuschen befindet sich die Radstelle, eine Self-Service-Station für Radfahrer mit einem Platten oder sonstigen technischen Problemen. Dort hängt für die vorbeikommenden Fahrradfahrer hilfreiches Werkzeug kostenlos bereit, um selbständig den Schaden beheben zu können. Soeben eröffnete die Radstelle ihre Saison und wird bis Oktober offen stehen. „Für gewöhnlich ist die Radstelle nicht personell betreut, das ist eine Selbsthilfestelle mit Werkzeug“, erklärte Helfer Nico Netzer zur Wiedereröffnung.

Im vergangenen Jahr hat die Radstelle am Alten Meßsplatz, die während der warmen Frühlings- und Sommermonate geöffnet ist, ihre Einführung erlebt, es handelt sich um ein umfunktioniertes Wachhäuschen des ehemaligen Käfertaler US-Militärgeländes Benjamin-Franklin-Village. „Das ist ein Angebot zum Selbstschrauben“, schilderte Helfer Nico Netzer, der Inhaber des Fahrradladens „Basement Bikes“ im benachbarten Stadtteil Jungbusch, während Netzer das weiß-rot-blaue Rennrad von Besucherin Rita Menczer mit einem Schraubenschlüssel provisorisch reparierte: In der Achse unter dem Lenkrad war ein ringförmiges Kugellager kaputt gegangen.

„Könnte mehr passieren“

Diese mechanische Diagnose stellte Radexperte Nico Netzer, übrigens ein Großneffe von Fußball-Legende Günter Netzer, nach eingehender Fehleranalyse. Ansonsten sei der schnittige Drahtesel jedoch „gut in Schuss“. Im Internet hatte sich Rita Menczer, etwa auf Verkaufsplattformen wie Ebay und Kleinanzeigen.de diverse Einzelteile gekauft und von einem technisch versierten Bekannten zu diesem Rennrad zusammenbauen lassen. „Ich fahre mit meinem Rennrad in der Innenstadt und nach Seckenheim zur Arbeit“, erläuterte Rita Menczer.

Wie beurteilt Bürgerin Menczer die Stadt Mannheim in Bezug auf das Thema Radkultur? „Als Fahrradstadt könnte hier mehr passieren“, bewertete die im Stadtteil Neckarstadt-Ost wohnende Sportlerin Rita Menczer. Außerdem sollte der alltägliche Umgang zwischen Fahrrad- und Autofahrern harmonischer verlaufen. Immerhin muss man sich die Straßen miteinander teilen.

In der Neckarstadt-West kommen alle erdenklichen Fahrradtypen des Weges, vom Rennrad über das jugendliche BMX-Rad bis zum Mountainbike. Sollte dennoch ein Fahrradfahrer an der Radstelle eine Frage haben, stehen die Mitlieder des Vereins POW e.V. nebenan in der großen rosafarbenen Hütte, worin sich ein kostenfreier Sportgeräteverleih befindet, unter Leitung von Eventmanagerin Julia Alicka mit Rat und Tat zur Verfügung. Durch das städtische Sportamt erhielt die Radstelle eine finanzielle Anschubfinanzierung. Über Nacht werden die vor dem Radstellenhäuschen ausliegenden Werkzeuge im Sportgeräteverleih weggeschlossen. Mit seinen vielfältigen Aktionen möchte der Verein POW, dessen Name der lautmalerischen Comic-Sprache entsprang, die einst brachliegende Fläche neben dem Alten Bahnhof wiederbeleben. Für die nächsten drei Jahre darf der POW-Verein dieses Grundstück kreativ bespielen, hinterher sind Nachverhandlungen zu führen.

Bis Oktober wird die Radstelle täglich von 15 bis 21 Uhr geöffnet sein, entsprechend der Öffnungszeiten des Sportgeräteverleihs.