Neckarstadt-Ost / Wohlgelegen / Herzogenried

Herzogenried Popakademie-Band Vincent Hall wirbelt in Konzertmuschel mächtig Staub auf

Temporeiche Spielintelligenz

Archivartikel

Was macht das elektrische Gitarrenmodell Fender Telecaster besonders? „Die Telecaster klingt einfach kerniger, mit ihr kann man auch Funk spielen“, erklärte Sänger und Gitarrist Louis Leibfried. Obwohl die folkartige Combo zu dritt auftrat, stand Frontmann Louis Leibfried mit bäriger Statur und bewegungsfreudiger Spiellaune im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, als durch die Stücke führender Moderator. Im Rahmen der neuen Popakademie-Konzertreihe „Sunday Beats“ rockte die Singer/Songwriter-Band Vincent Hall, benannt nach dem verstorbenen Großvater mütterlicherseits von Sänger Louis Leibfried, auf der Freiluftbühne der Konzertmuschel im Herzogenriedpark.

Überwiegend staubig-trockene Eigenkompositionen brachte das Dreigespann um den aus Heidelberg stammenden Sänger Louis Leibfried zu Gehör, dennoch schmuggelten sich einige wenige Cover-Versionen ins Programm, etwa „Superstition“ von Stevie Wonder, „One Of Us“ von Joan Osborne und „Vultures“ von John Mayer. Als technischer Effekt der Verfremdung lag ordentlich Hall auf der E-Gitarre von Bandchef Louis Leibfried. Das Trio Vincent Hall beherrscht nicht nur die ruhige Intonation, sondern ebenso die temporeiche und vorwärtsstürmende Spielintelligenz.

Wie im Gästeklo

Manchmal lassen die drei Jungmusiker tagesaktuelle Themen in ihre Songtexte einfließen, was die Welt gegenwärtig bewegt. „Der nächste Song handelt von der Zukunft“, schilderte Saitenhexer Louis Leibfried in Bezug auf den eigens komponierten Song „The Kids These Days“ über die umweltpolitische Lebenswirklichkeit der heutigen Jugend. „Man sollte versuchen, den Planeten so zu hinterlassen, wie man ihn vorgefunden hat. Wie beim Gästeklo“, verglich der 26-Jährige das mit einer eigenwilligen Metapher. Auf der Trommel von Schlagzeuger Andreas Polke lag während des Spiels die schwarze Brieftasche des Perkussionisten, um klanglich die Obertöne zu kürzen. „Das ist ein alter Trick unter Musikern“, erklärte Trommler Polke.

Mit verkniffenem Gesichtsausdruck entlockte der bärtige Louis Leibfried seiner Fender Telecaster, die in dem Blues-Spielfilm „Crossroads-Pakt mit dem Teufel“ von 1986 einen zentralen Handlungsgegenstand darstellt, gefühlvolle Soli. Um seinem geliebten Opa, der vor 13 Jahren verstarb, ein ehrendes Andenken zu bewahren, taufte der Folk-Rock-Barde sein flexibel besetzbares Bandprojekt auf den Namen „Vincent Hall“, eben nach seinem englischen Großvater. „Es freut mich, dass ihr immer mehr und nicht weniger werdet“, strahlte Sänger Leibfried, der sich zudem für den rockstarmäßigen Chauffeurdienst zum Auftrittsort bedankte.

Vom Klangwesen her lässt sich die Popakademie-Band mit dem 1997 in einem Fluss ertrunkenen Singer/Songwriter Jeff Buckley vergleichen, nicht zuletzt was die Farbe der empfindsamen Gesangsstimme von Leibfried betrifft. In der Konzertmuschel vervollständigte Bassist Patrick Gruber die personell reduzierte Besetzung. Außerdem spielte das Trio den Song „Fooled Around And Fell In Love“ von Elvin Bishop aus dem Science-Fiction-Film „Guardians Of The Galaxy“ von 2014. Denn Bandleiter Leibfried ist großer Fan von Marvel-Comics. hfm