Neckarstadt-Ost / Wohlgelegen / Herzogenried

Neckarstadt Zehn Teilnehmer tragen bei Vorlese-Reihe „Spätlese“ eigene Texte vor

Über Schizophrenie, Liebe und die Farbe Rot

Im Leben tritt das Empfinden von Liebe in verschiedenen Ausprägungen auf. Deshalb unterscheidet sich die Liebe zu den leiblichen Eltern verglichen mit der Liebe zu einem zunächst fremden Menschen, mit dem man später eine Beziehung eingeht. „Es kommt die Zeit, in der einem die Bemutterung auf den Keks geht“, erklärte Vorleser Klaus Schirdewahn. Im abgedunkelten Theater Felina-Areal in der Neckarstadt fand die Veranstaltungsreihe „Spätlese“. Diesmal rezitierten zehn Laienautoren selbstverfasste Texte über Themen wie paranoide Schizophrenie, die Farbe Rot und Lachtherapien.

Reime zum Geniekult

Nacheinander setzten sich die ambitionierten Schriftsteller hinter einen Tisch, der in helles Scheinwerferlicht getaucht war, und lasen vor Publikum aus mitgebrachten Manuskripten vor. Über seine Unterlagen konzentriert gebeugt erörterte Schriftsteller Klaus Schirdewahn als literarische Versuchsanordnung die soziale Konstellation von Lebenspartnerschaften. Wird Liebe in Größe und Schwere gemessen? Auf der anderen Seite könne der kultivierte Mensch ein liebendes Faible für tolle Filme, gutes Essen oder Musik entwickeln. Aber kann das eine zwischenmenschliche Beziehung ersetzen, fragte er.

Zu den treuen Stammteilnehmern der Literaturreihe „Spätlese“ zählt Elmar Bringezu, ein kräftiger Heidelberger Flötenspieler, der neben der Musik auch gerne schreibt und das deutsche Wort pflegt. Auf dem Vorleserstuhl verlas Bringezu eigens formulierte Reime über Themen wie glückliche Herkunft, Geniekult und sexuell attraktive Bauernmädchen.

Zum ersten Mal nahm dagegen Hobbyautor Frank Wilberz teil, der eine Kurzgeschichte über einen an einer schweren Psychose leidenden Protagonisten vorstellte, der eigenmächtig die ärztlich verordneten Medikamente absetzt und sich bald in einer angsteinflößenden Scheinwelt emotional verstrickt. „Die Stimmen beschimpften ihn. Er schrie und Anna, die Nonne in seinem Kopf, schrie mit“, las Teilnehmer Frank Wilberz vor. Trotz des ernsten Themas brachte Autor Wilberz mit seiner absurden Story einige Besucher zum Lachen. „Die Tabletten verfütterte er an die Tauben“, fuhr Wilberz in seinem Text fort.

Ob und wie man auf Kommando lachen kann, im Rahmen einer Lachtherapie für den Ehemann, dieser Frage ging Vorleserin Birgit Böckli in ihrer Kurzgeschichte nach. „Medikamente sind was für Schwächlinge“, legte Teilnehmerin Birgit Böckli ihrer fiktiven Hauptfigur Günther in den Mund.

Mit Allgemeinwissen aufgeladen

Im schnellen Sprachrhythmus eines HipHop-Sängers als Spoken-Word-Performance trat Textkünstler Nicht-Ganz-Dichter, der bürgerlich Dirk Timmermann heißt und in Ludwigshafen-Oggersheim wohnt, im Stehen auf. „Die Welt ist bekloppt wie ein Schnitzel. Alle bauen einen Zaun um sich herum“, formulierte der 40-Jährige – ein Kommentar zur angeblichen Lage der Nationen.

Über physikalische Hintergründe der Farbe Rot ließ sich Schriftsteller und Verleger Rolf Thum aus. „Rot gibt dem Weihnachtsbaum erst den richtigen Weihnachtstraum“, schilderte Verleger Thum, dessen Gedichte gehaltvoll und mit Allgemeinwissen aufgeladen sind.