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Neckarstadt Li Yang von der Paris School of Economics im LFG

„Umverteilung allein hilft nicht“

Archivartikel

„Einkommensungleichheit und rassische Ungleichheiten in Malaysia (2002-2014)“ war das Thema eines Vortrages im Ludwig Frank-Gymnasium (LFG). Li Yang von der Paris School of Economics (PSE) stellte vor Klassen der Stufen 9 bis K 2 seine Forschung zu Malaysia vor. Schulleiter Holger Reusch dankte Lehrerin Katy Oberländer, die die Veranstaltung organisiert hatte.

„Es ist immer klug, über den Tellerrand hinaus zu blicken“, so Reusch. Katy Oberländer stellte den jungen Wissenschaftler vor: Li Yang ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team von Thomas Piketty, einem der weltweit führenden Experten für Armutsforschung. Zurzeit forscht Yang an den Ursachen für Armut und Reichtum in Malaysia.

Zwei Strategien

„Wachstum und die Verteilung von Wachstum ist das zentrale Thema der Wirtschaft“, erklärte Yang den Schülern. Ungleichheit sei die große Frage der Menschheit. Zur Verteilung von Eigentum und Vermögen erklärte er: „60 Prozent des Erfolgs resultiert über Ausbildung, Ungleichheit ergibt sich aber auch über Geschlecht und Rasse.“ Beispielsweise hätten Frauen mit gleicher Ausbildung und gleicher Arbeit ein geringeres Einkommen. Eine Tatsache, an der sich eine lebhafte Diskussion mit den Schülern über die Ursachen und die Situation in anderen Ländern entzündete. Zur Einkommens- und rassisch bedingten Ungleichheit in Malaysia erklärte Yang: „Malaysia ist ein kleines Land und nicht so wichtig wie Europa, Amerika und China.“ Hinzu kämen die Kolonisationsgeschichte sowie die Einwanderung von chinesischen und indischen Arbeiten ab Mitte des 18. Jahrhunderts. Während die Inder auf den Plantagen und die Chinesen in den Minen arbeiteten, seien die Malayer überwiegend Bauern gewesen. Sein Interesse an Malaysia erklärte der Wissenschaftler so: „Weil es das Land mit der größten Vielfalt ist.“ Dort lebten Menschen mit verschiedenen Sprachen, Religionen und Kulturen relativ friedlich zusammen. Bumi, Chinesen und Inder kämen gut miteinander aus. „Malaysia ist farbenfroh“, sagte Yang. Daraus könnten auch die Deutschen lernen. Allerdings seien Arbeit und Einkommen ungleich verteilt. Die Malayer hätten das niedrigste Einkommen. Das Einkommen der Chinesen sei um 130 Prozent und das der Inder um 80 Prozent höher.

Durch eine „New Economity Politik“ (MEP) 1971 sei versucht worden, den unteren Einkommensgruppen zu helfen, und zwar durch zwei Strategien: Umverteilung zur sozialen Balance und Rückführung von Vermögen. Doch profitiert hätten dadurch vor allem die sehr Reichen. „Umverteilung allein hilft nicht und auch eine „Robin Hood-Politik“, nämlich Geld von den Reichen nehmen, bringt nichts“, lautete sein Fazit.

Bei der Diskussion beantwortete Li Yang auch die Fragen der Schüler zum Werdegang eines chinesischen Wissenschaftlers, seiner Schulzeit in der Inneren Mongolei, seinem Studium im Süden Chinas und in den USA, seiner Arbeit bei der Weltbank und allgemein zu China. ost