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Herzogenried Naturfreunde feiern Sommerfest mit Infoständen, Kinderkarussell, Bienenschau und einem Party-Duo

Von Pilzsammler bis Hobbyimker

Archivartikel

Mit feinen Pinseln malt Melanie Kuhnert, seit April 2017 die Jugendreferentin der Naturfreunde, farbenfrohe Glitzer-Tattoos mit speziellem Puder auf die Arme der Mädchen und Jungen. Auf einem Biertisch liegen schwarze Bögen mit auszuwählenden Motiven etwa das Batman-Logo, filigrane Engelsflügel, funkelnde Sternchen oder ein stilisierter Elefantenkopf. „Ich finde es immer sehr schön, mit den Kindern in der freien Natur zu spielen“, freut sich die Jugendarbeiterin. Auf ihrem Gelände haben die Mannheimer Naturfreunde wieder ein Sommerfest gefeiert – diesmal mit einem zünftigen Auftritt des Party-Musik-Duos „Zwoa Spitzbuam“, jahrmarkthaften Schiffschaukeln samt Kinderkarussell und einem Informationsstand über die Kultur des Pilzesammelns. „Seit 20 Jahren touren wir als Duo durch Deutschland, wir spielen auf dem Wormser Backfischfest, auf Weinkerwen und fahren mehr als 60 000 Kilometer im Jahr“, erzählt Akkordeonist Michael „Mike“ Hagenmeyer, der mit Bassist Volker Berg das Zweigespann „Zwoa Spitzbuam“ bildet.

Auf dem Sommerfest der Naturfreunde spielen die beiden Lieder wie „Skandal im Sperrbezirk“, „Ein Prosit der Gemütlichkeit“, „Sierra Madre“ und eine ironische Hymne auf die Schickeria. „Wir sind Berufsmusiker und spielen im Sommer auf vielen Festen. In Frankreich waren wir auch schon“, sagt Hagenmeyer aus Lorsch.

An einem Stand auf dem Fest stellt der „Mykologische Arbeitskreis“, der aktuell 36 Mitglieder zählt, einen erdigen Bottich voller Pilzarten, getrocknete Pilzsorten und Fachliteratur aus. „Wir haben ein Zimmer im Naturfreundehaus, in dem wir uns alle 14 Tage treffen, montags von 19 bis 21.30 Uhr“, erläuterte Mitglied Georg Adler. Ihm zur Seite stand hinter dem Informationsstand sein Kollege Horst Staub. „Wir gehen raus in die Natur, wir schreiben auf, was an Pilzen da ist und geben das in unseren Computer ein“, erzählte Staub, der bevorzugt im Dossenwald und im Friedrichsfelder Wald auf suchende Wanderschaft geht – und als Pilzberater auch die Stadtverwaltung in Ludwigshafen unterstützt.

Projekt trägt sich selbst

„Wir sind in der Giftzentrale registriert und in allen umliegenden Krankenhäusern gemeldet“, erklärte der Sachverständige Staub. Als eine der giftigsten Arten überhaupt gelte der Grüne Knollenblätterpilz: Bereits der Verzehr einer geringen Menge dieses Pilzes kann eine Vergiftung mit tödlichem Leberversagen verursachen, erzählt Staub weiter. „Im Museum Wiesbaden ist gerade eine wunderbare Sonderausstellung ‚Pilze – Nahrung, Gift und Mythen’ zu sehen, die noch bis 5. August läuft“, schwärmt der 82-Jährige, der früher beruflich als Heizungsbauer gearbeitet hat.

In einem gläsernen Schaukasten präsentieren darüber hinaus die Imker des Seniorenbüros wuselnde und brummende Honigbienen in ihren Waben. Außerdem verkaufen die Hobby-Imker goldgelben Honig in kleinen Töpfen mit dem Etikett „Stadthonig Mannheim“. Interessierten Besuchern bringen die Imker im Gespräch die Grundlagen der Imkerei näher.

Bienenstöcke dieser Projektgruppe befinden sich im hinteren Bereich des Geländes der Naturfreunde und am Friedhof im Stadtteil Gartenstadt. „Durch den Verkauf des Honigs trägt sich das Projekt selbst“, erzählt Jürgen Böhm, einer der Hobby-Imker, die beim Fest der Naturfreunde dabei waren.