Neckarstadt-Ost / Wohlgelegen / Herzogenried

Neckarstadt Studenten der Theaterakademie (Tham) führen bei der Werkschau im Felina einzelne Szenen auf

Wilder Ritt durch Rollenspiele

Um Schauspiel vor Publikum auszuprobieren, zu zeigen, welche Kunstgriffe die Jungtalente inzwischen beherrschen, dafür schlüpften die Studenten der Theaterakademie im Rahmen der Werkschau in unterschiedlichste Rollen. Immer nur für wenige Minuten. Von Szene zu Szene, von Figur zu Figur sprang dabei das flexible Ensemble. Der Zuschauer fühlte sich wie beim wilden Zappen mit der Fernbedienung durch digitale Fernsehkanäle – jedoch übertragen auf die ebenerdige Bühnenfläche des Hinterhoftheaters Felina-Areal in der Neckarstadt-Ost.

Untere Semester und Studenten im fortgeschrittenen Studium gestalteten die Werkschau. „Da kann man sehen, wie sich die Studenten entwickeln“, erklärte Regisseurin Silvana Kraka. Zum Thema „Männer“ spielte Schauspielerin Lina Zimmer einen denkwürdigen Monolog über die Beziehung zwischen zwei Menschen. „Wenn er mich an die Leine nehmen könnte, er würde es tun“, beklagte sich Zimmer, die ihre roten Stöckelschuhe durch die Luft warf. „Ich werde herumgezeigt wie ein Zirkuspferd.“ Außerdem behandelte das lose Ensemble in szenenhaften Collagen weitere Themen wie Sadomaso, weiblicher Fußfetischismus und Alkoholismus. Ohne aufwendige Kulissen.

„Superhelden“ in Aktion

Dafür szenenweise in einem aufregenden Fechtduell mit zwei Degen. Angereichert mit hysterischen Schreien und männlichen Wutausbrüchen oder wüsten Beschimpfungen im Gossenjargon. Als wilder Ritt durch verschiedene Theaterstücke. Wobei sich das Publikum stellenweise ausschüttete vor Lachen. Wie schwer es sein kann, abgelegte Liebschaften aus dem Kopf zu bekommen, indem man sich mit neuen Dates abzulenken versucht, darüber philosophierte Schauspielerin Christina Maaßen. Besonders hervor stach das Duo Sina Peris und Severin Knapp in der Handlung „Superhelden“: Mit offener Chipstüte und mit einem blauen Superman-T-Shirt bekleidet saß Schauspieler Severin Knapp auf einer Couch vor einem Flachbildschirmfernseher. Bis plötzlich Sina Peris in einem silbernen Superfrau-Kostüm und mit Wodka-Flasche hereinmarschierte und einen Streit begann. Im Verlauf dieses Konfliktes brachten die beiden das schwarze Sofa zum Beben.

Wie war das Zweigespann auf dieses Theaterstück der Autorin Pamela Dürr aufmerksam geworden? „Ich bin bei Recherchen im Internet darauf gestoßen“, erzählte Peris, die sich im siebten Semester befindet. „Ich würde gerne nach dem Studium für Film und Fernsehen arbeiten. Ich suche gerade eine Agentur“, verriet die 23-Jährige. Um in eine Schauspielagentur aufgenommen zu werden, muss ein Anwärter zu einem Vorsprechen erscheinen und darin überzeugen.

Über eine Liebesbeziehung monologisierte ebenfalls Studentin Sofie Helmich. „Er war Elektriker. Es flog die Sicherung heraus. Ich mag Leute, die Licht in meine Wohnung bringen“, brachte Helmich in ihrer Rolle verbal hervor. Darüber hinaus bearbeitete noch Darstellerin Johanna Sipinski das düstere Edgar-Allan-Poe-Stück „Das verräterische Herz“ frei für die Zuschauer.