Neckarstadt-Ost / Wohlgelegen / Herzogenried

Herzogenried Deep-House-Trio Y?Y erzeugt elektronische Klänge für Konzertreihe „Sunday Beats“

Zischend wie Wasserdampf

Aus den zusammengesteckten Geräten drangen blubbernde, fiepende und zischende Geräusche, was stellenweise klang, als würde aus einer unter Druck stehenden Dampfmaschine weißer Wassernebel entweichen. „Das ist Clubmusik, man könnte auch Techno dazu sagen, aber mit akustischen Elementen“, erklärte Sänger und Knöpfchendreher David König auf seiner Kanzel. Im Rahmen der neuen monatlichen Konzertreihe „Sunday Beats“, eine Veranstaltung in Kooperation zwischen der Stadtpark gGmbH und der Popakademie, trat das ideenreiche Deep-House-Trio Y?Y in der Konzertmuschel des Herzogenriedparks auf. Mit ihrem schwer zu kategorisierenden Stil-Mix brachten die drei Musikenthusiasten das sphärische Genre-Karussell ordentlich zum Drehen.

Als plötzlich ein Platzregen über der Konzertmuschel niederging, eilte Produzent David König nach vorne an den Bühnenrand, um einen Monitor-Verstärker unter das schützende Bühnendach ins Trockene zu ziehen. In der Konzertmuschel breitete sich durch das elektronische Klanggebräu des Dreigespanns Y?Y ein Trance-artiger Zustand aus, auf der Bühne und unter den Besuchern, woraufhin Glücksmomente entstanden. Sofern man für diese Art popelektronischer Kunstmusik empfänglich ist. Als Zuhörer fühlte man sich wie auf einer Techno-Party wie der Time Warp, mit gedämpfter Lautstärke und eingebettet in das bürgerliche Ambiente eines familienfreundlichen Stadtparks mit all seinen farbenfrohen Blumen und eingepferchten Tieren ringsherum.

Einzigartiger Rassel-Sound

„Wir machen Deep House mit Weltmusik, es ist Musik, die in jeder Sprache funktioniert“, erklärte Synthie-Alchemist David König. Dabei arbeitet das technoide Dreigespann mit repetitiven Klangmustern. Zur Band gehört Gitarrist Usur Köse, der eine türkische E-Gitarre namens Baklama zupft, die wie eine orientalische Laute mit Anschlüssen aussieht. Auf diese Weise wirkt das Trio wie eine musikalische Kreuzung aus Schiller und dem Projekt Enigma von Michael Cretu.

Vom Schlagwerk des Perkussionisten Konrad Henkelüdeke, der im Käfertaler Trommelpalast als Dozent unterrichtet, hingen etliche an Schnüren aufgefädelte Kronkorken herab, womit der 36-Jährige einen einzigartigen Rassel-Sound schaffen kann. „Die Kronkorken habe ich selbst zusammengebaut, das kann man so nicht im Handel kaufen“, schilderte Schlagwerker Konrad Henkelüdeke. Zwischendurch hörte sich der digitale Bandsound im Rhythmus an wie das beschleunigte Ticken einer Uhr. Durchaus vergleichbar mit den archaischen Piep-Geräuschen eines alten Amiga-Computers aus dem Jahre 1991. Nur gelegentlich griff Mischpultmann David König zum Mikrofon, um einzelne Textfetzen zu singen.

„Wir spielen unseren neuesten Song ‚Round and Round’ in einer Live-Premiere“, kündigte Klangzauberer König schließlich an. Dieses Sounderlebnis gefiel dann sogar einer älteren Frau, die sich nach eigener Aussage sonst nur klassische Konzerte im hessischen Staatspark Fürstenlager an der Bergstraße anhört und sich nach dem Konzertmuschel-Auftritt bei den drei Musikern erkundigte, wo das klangtüftelnde Elektro-Trio sein nächstes Konzert geben wird.