Neckarstadt-West

Neckarstadt Gespräch mit Bewohnern über die Zukunft der ehrenamtlichen Arbeit / Von einst 100 Mitgliedern nur noch 40 übrig

Bürgerverein kämpft um seine Existenz

Der traditionsreiche Bürgerverein Neckarstadt ist weiter in der Krise. Vorsitzender Holger Keck hat seinen Posten aufgegeben. Im Sommer musste der Verein mangels Beteiligung das ebenso traditionsreiche Stadtteilfest erneut absagen. Ende des Jahres stehen jetzt wieder Vorstandswahlen an – aber ein Nachfolger für Keck ist nicht in Sicht.

„Wie geht es weiter mit dem Bürgerverein Neckarstadt?“ Über diese Frage diskutierten die beiden stellvertretenden Vorsitzenden, Olaf Kremer und Christian Stalf, in lockerer, öffentlicher Runde mit Mitgliedern und Nichtmitgliedern im Hinterzimmer im Wirtshaus Uhland.

Tanzgruppe auch aufgelöst

Zur Entwicklung und den Zielen des Bürgervereins berichtete Stalf, dass der Verein vor 42 Jahren gegründet wurde. Damals gab es Bestrebungen, einen Gewerbeverein aufzubauen in der Neckarstadt-Ost. Im Laufe der Jahre habe der Bürgerverein viel für den Stadtteil gestaltet. Als Beispiel nannte er das Aktionsbündnis Alter Messplatz, das aus ihm hervorging. Die Bürgerschaft habe maßgeblich auf die Platzgestaltung eingewirkt und die Gestaltung begleitet. Zur Tradition gehört der Neujahrsempfang im Stadtteil, der seit vielen Jahrzehnten jeweils in der ersten Januarwoche in der Alten Feuerwache stattfindet, und auch das Neckarstadtfest.

Darüber hinaus lädt der Bürgerverein zu Podiumsdiskussionen im Vorfeld von Wahlen ein und beteiligt sich an der Lichtmeile. Doch jetzt, so Stalf, befinde man sich wie andere Vereine auch ein Stück weit im Wandel. Inzwischen sei das ehrenamtliche Engagement im Stadtteil unterschiedlich verteilt, beispielsweise beim Quartiermanagement. Zunehmend engagierten sich die Leute projektbezogen, so etwa bei den NeckarKidz.

„Der Bürgerverein war einst stark und hatte 100 bis 150 Mitglieder“, berichtete Stalf. Der Altersdurchschnitt sei heute höher. Das führe dazu, dass der Verein schrumpft und heute nur noch etwas mehr als 40 Mitglieder zählt. „Was ist ein Bürgerverein, was kann er leisten und was nicht und wie geht es weiter?“ fragte Stalf. Wenn sich bis zur Mitgliederversammlung kein Kandidat für den Vorstand finde, sei das eine Existenzfrage. Ein Schwebezustand mache keinen Sinn. Zwar betonten viele Neckarstädter, dass der Bürgerverein wichtig sei. „Aber es darf nicht nur gefordert werden, sondern die Leute müssen sich beteiligen“, wurde Stalf konkret: „Deshalb, wer hat Interesse? Wer möchte mitarbeiten und wer ist bereit, Verantwortung zu übernehmen?“

Zunächst kamen aus der Bürgerschaft nur Vorschläge, um was sich der Bürgerverein kümmern sollte, beispielsweise Sauberkeit und Spielplätze. Ein weiterer Vorschlag war: Eine Zusammenfassung der vielfältigen Angebote und Initiativen im Stadtteil unter dem Dach des Bürgervereins, da viele Aktivitäten meist im Sande verliefen.

„Wir brauchen auch Leute“

Der frühere Vorsitzende des Bürgereins, Klaus Hertle (2008-2015), hat allerdings ein Problem damit, wenn man den Bürgerverein als „Metaverein“ sieht. Selbst die Tanzgruppe Neckarstadt habe es am Schluss nicht mehr geschafft, weil sie damit ein Problem hatte. „Mitmachen werden nur die direkt Betroffenen“, meinte er. „Wir können etwas anstoßen, aber wir brauchen auch Leute, um die Metaarbeit zu machen“, so Hertle. Den Vereinen breche die Basis weg, es gebe viele Parallelstrukturen. Der Zuspruch hier sei nicht übermäßig – Kernziele für etwas Neues zu finden, sei schwierig, hieß es weiter.

Der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Thomas Meier erklärte sich grundsätzlich bereit, mitzuwirken. Allerdings müsse der Bürgerverein sein verstaubtes Image ablegen und sich neu orientieren. Eine Nische müsse gefunden werden. Sein Vorschlag: eine bessere Verbindung von Jung und Alt, von Migranten und Nichtmigranten.

Andere wollten sich ein Engagement noch überlegen. Sie baten, weitere öffentliche Gespräche vor der Mitgliederversammlung anzuberaumen. Deshalb wurde für die ursprünglich auf den Montag, 24. September, geplante Jahreshauptversammlung ein späterer Termin am Jahresende ins Auge gefasst. Dieser wird rechtzeitig bekannt gegeben.