Neckarstadt-West

Neckarstadt Geschwister-Scholl-Gymnasiasten sammeln Geld für die Erinnerungsaktion

Denkmal direkt auf dem Gehweg verlegt

Archivartikel

Der Kölner Künstler Gunter Demnig kam jetzt in die Neckarstadt-West, um zwei neue Stolpersteine in der Mittelstraße und in der Alphornstraße zu verlegen. Sie erinnern an Opfer des Nationalsozialismus. Möglich gemacht wurde die Aktion in der Mittelstraße durch das Engagement des Geschwister-Scholl-Gymnasiums (GSG) auf der Vogelstang, Das Geld für die Verlegung des Stolpersteins hatten Schüler, Eltern und Lehrer des GSG im Schuljahr 2017/2018 eingesammelt und dem Arbeitskreis „Stolpersteine für Mannheim“ übergeben, der die Verlegung von insgesamt 23 Stolpersteinen in Mannheim organisiert hatte.

Mit Granulat und Beton

Bei der Verlegung des Stolpersteins in der Mittelstraße konnte Rolf Schönbrod vom Arbeitskreis gut 80 Interessierte begrüßen. Neben zahlreichen Schülern. Eltern und Lehrern waren auch viele Bezirksbeiräte sowie Mitglieder von Vereinen und Initiativen gekommen. Es braucht seine Zeit, bis Gunter Demnig den Pflasterstein und den Untergrund mit Hammer und Meißel zertrümmert hat.

Dann aber ist er frei der Raum für das Gedenken an Doris Herzberg in der Mittelstraße 16. Gunter Demnig passt die Quader mit der glänzenden Messingplatte und ein paar Randsteine ein. Die Fugen verfüllt Demnig mit Granulat und Beton, der mit Wasser schnell aushärtet. Abschließend poliert er die Platten noch. Mit Gedenkworten gab Volker Keller vom Verein Stadtbild der Neckarstädter Bürgerin Doris Herzberg, verheiratet Perlstein, ein Gesicht.

Die Eltern von Doris Herzberg, geboren 1928, lebten in einer sogenannten „privilegierten Mischehe“. Der Vater, Carl Herzberg, Inhaber eines angesehenen Textilhauses in der Mittelstraße/Ecke Waldhofstraße mit einer späteren Filiale in der Schimperstraße 2, war Jude, die Mutter galt als Arierin. So blieb die Familie lange Zeit vor der Deportation verschont. Die Denunziation einer „arischen“ Verkäuferin führte schließlich zur Geschäftsaufgabe. Der Saarbrückener Textilkaufmann Ludwig Aretz übernahm Ende 1937 den Betrieb zu einem Kaufpreis unter Wert und wandelte ihn in eine seiner Filialen um, die noch bis 1970 bestand.

Die Familie Herzberg überlebte den Krieg unter dramatischen Umständen in Mannheim. Im Februar 1945 erhielten der Vater und seine beiden Töchter den Befehl zum Abtransport nach Theresienstadt. Die Familie tauchte zunächst in einem Siedlerhaus auf der Schönau – Besitzerin Hammer bekam später das Bundesverdienstkreuz dafür – und dann bis zur Befreiung in Heidelberg unter.

Für die Schüler des GSG, Christian Ockert, Danile Lazar (beide 17 Jahre, Jahrgangsstufe1) und Eda Yesil (16 Jahre, Klasse 11) ist die Stolperstein-Verlegung „Erinnerung und auch Verpflichtung“ – vor allem auch wegen des Namens ihrer Schule, der an die Widerstandskämpfer Sophie und Hans Scholl erinnert, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden.

Es ist das größte dezentrale Mahnmal der Welt: Der Künstler Gunter Demnig hat seit 1995 mehr als 730 000 Stolpersteine an vielen deutschen und europäischen Orten verlegt, um an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. Vor dem letzten selbst gewählten Wohnsitz der Opfer werden Steine mit Messingplatten mit Namen sowie weiteren biografischen Daten in den Gehweg eingelassen. So wird den durch die Nationalsozialisten zu Nummern degradierten Menschen ihr Name zurückgegeben. Am Dienstag wurden in Mannheim 23 neue Stolpersteine verlegt, insgesamt gibt es hier nun 178 kleine Denkmale im Gehweg