Neckarstadt-West

Neckarstadt Indie-Rock-Bands Beach Towel und Go Nogo spielen bei „Kultur am Neckar“

Düster rauschendes Synthie-Pop-Gewitter

Ringsherum saßen Menschen mit Decken auf der Neckarwiese. Außerdem war die steinerne Treppe voll besetzt mit Zuhörern. „Wir spielen mal eine Ballade zum Reinkommen“, erklärte Gitarrist Tobias „Tobse“ Bach. Unter babyblauem Himmel gaben im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Kultur am Neckar“ die beiden ungleichen Indie-Bands Beach Towel und Go Nogo ein außergewöhnliches Freiluftkonzert, wobei die etlichen Besucher einen unbeschwerten Konzertabend erleben durften.

An seiner altmodischen E-Orgel der italienischen Marke Farfisa aus den frühen 1980er Jahren erzeugte Organist Joko Mono einen computer- und konsolenähnlichen Fiep-Sound. „Diese E-Orgel habe ich für zehn Euro auf einem Flohmarkt beim Heidelberger Herbst gekauft“, erinnerte sich Gitarrist Tobias Bach, der als konzertante Showeinlage mehrmals mit seinem feingliedrigen Körper die Orgel bestieg. Trotz des hohen Alters bringt dieses Retro-Tasteninstrument immer noch einen wunderbar warmen und vollen Klang hervor.

Inspiration Sommer

Mit jaulendem Hawaii-Gitarren-Sound stimmte das Duo Beach Towel den eigens komponierten Song „Mein kleiner grüner Eimer“ an. In Bezug auf die Texte tauchen in den Songs des Zweigespanns sommerliche Begriffe auf wie Poolbar und Beckenrand. Darüber hinaus setzen die beiden Indie-Musiker in ihrem Stück „Pfirsich Melba“ dem örtlichen Eiscafé Fontanella namentlich ein musikalisches Denkmal. „Wir spielen auch im Winter, die Inspiration kommt aber aus dem Sommer“, bestätigte Gitarrist Tobias Bach. Zusammen mit seinem Organisten Joko Mono ist der 27-Jährige noch Mitglied in der Rockband Dux Louie.

Anschließend ließ das zweiköpfige Trip-Hop-Projekt Go Nogo ein technoides und bisweilen ohrenbetäubendes Gewitter aus synthetisch verfremdeter E-Gitarre und flimmerndem Laptop explodieren. Hin und wieder kamen verschwitzte Jogger und Radfahrer zufällig vorbei. Was den Passanten wohl unter dem Eindruck dieser kultivierten Lärmorgie am Neckarufer durch den Kopf ging? „Wir haben viel Zeug in der Box, die es uns einfacher macht, zu zweit zu spielen“, erläuterte Bassist Markus Scholl, der entfernt mit den in die deutsche Weltkriegsgeschichte eingegangenen Geschwistern Hans und Sophie Scholl verwandt ist. „Das habe ich mal nachforschen lassen“, erzählte der 45-Jährige, der früher als klangtüftelnder DJ gearbeitet hatte, am Rande des Auftritts. Wie ein eklektisches Crossover-Gebräu aus Depeche Mode, Human League und Joy Division hörten sich die Sounddarbietungen von Go Nogo an, ein avantgardistisches Zweigespann mit digitalem Erfindergeist, das man getrost als Duo der 1000 Töne beschreiben kann.

Mit seinem Equipment rührte das abgründige Zwei-Personen-Projekt düster rauschenden und sägenden Synthie-Pop an. Im Hintergrund trieben auf der Wasseroberfläche des Neckars weiße Schwäne vorüber. Zurück geht der Name Go Nogo auf einen psychologischen Test gleichen Namens. „Von 2004 bis 2007 habe ich in Wien gelebt und als Booker für Kruder & Dorfmeister die Konzerte gebucht“, erzählte der künstlerisch vielseitig beschäftigte Bassist Markus Scholl nach dem Neckarwiesenauftritt. Doch die ursprüngliche Heimat des 45-Jährigen ist Saarbrücken, wo Scholl mittlerweile wieder wohnt.