Neckarstadt-West

Neckarstadt Workshop in Räumen der ehemaligen Sparkasse Mittelstraße unter Leitung des Künstlers Philipp Morlock

Flüchtlinge zimmern Bänke

Archivartikel

Auf dem Bürgersteig in der Mittelstraße standen vier farbenfrohe Holzsitzbänke, in Rot, Rosa, Blau und Gelb. Somit laden diese knallig bunten Sitzgelegenheiten, für die ein endgültiger Standort gesucht werden muss, zum Niederlassen und Verweilen ein. „Die Neuankömmlinge sollen nicht im Camp rumhängen oder auf der Straße, sondern eine sinnvolle Tätigkeit zugewiesen bekommen“, erklärte der betreuende Sozialpädagoge David Frey.

In der temporären Werkstatt von Künstler Philipp Morlock in den ehemaligen Räumlichkeiten der Sparkasse in der Mittelstraße haben Flüchtlinge auf ehrenamtlicher Basis die vier Holzbänke zusammengezimmert, die soeben im Zentrum des Stadtteils Neckarstadt-West eine Übergabe an die Öffentlichkeit feierten.

Was für eine hervorragende Handwerkskunst: Ordentlich zurechtgesägt, verschraubt, geleimt und gestrichen sind die Holzbänke, deren Sitzflächen unterschiedlich hoch sind und deshalb mit einem jugendlichen Design ins Auge fallen. Vier Wochen lang sägten und malten die Helfer im Rahmen des Projektes „Bänke für die Neckarstadt-West“ in den leerstehenden Sparkassen-Räumen, die von der städtischen Initiative „Lokale Stadterneuerung (LOS) vermittelt wurden – gefördert durch den städtischen Flüchtlingsfonds. Inzwischen befindet sich das helle Eckgebäude in der Mittelstraße im Besitz der Wohnungsbaugesellschaft GBG.

Mit Hackfleischbällchen

„Wir haben das über zwei Jahre immer wieder auf dem Konversionsgelände Benjamin-Franklin-Village gemacht und dann entschieden, das Projekt hier fertigzumachen“, schilderte Workshop-Leiter Philipp Morlock. Damit die Bürger sehen, welche freiwilligen Arbeiten die Geflüchteten verrichten. „Im Moment haben wir keine finanziellen Mittel mehr, dann könnten wir weiterbauen“, bedauerte Morlock, der Vorsitzender des Einraumhaus-Fördervereins ist.

Während der Projektwochen wies Handwerker Manfred Senner die Helfer darin ein, wie man zum Beispiel einen elektrischen Hobel bedient. Aus afrikanischen Ländern wie Guinea, Mali, Gambia und der Elfenbeinküste stammen die fleißigen Projektteilnehmer. Für die Präsentation der Sitzgelegenheiten bereitete Helfer Cambey-Doevi Anani, der gebürtig aus Togo stammt und seit zwei Monaten in der Flüchtlingsunterkunft auf dem Feudenheimer Spinelli-Gelände lebt, scharfe Hackfleischbällchen am Spieß zu, sogenannte Meatballs, nach amerikanischem Rezept mit Barbecue-Soße und braunem Zucker.

An der Übergabe der Sitzbänke an die MWS Projektentwicklungsgesellschaft mbH (MWSP) nahmen Referentin Natalie Papadopoulos von der „Lokalen Stadterneuerung“ (LOS) und Abteilungsleiterin Daphne Hadjiandreou-Boll von der städtischen Koordination für Flüchtlingshilfe teil.

Häufig spazieren Flüchtlinge der umliegenden Unterkünfte, etwa aus der Landeserstaufnahmestelle (LEA) in der Industriestraße, am einstigen Sparkassen-Eckgebäude in der Mittelstraße vorbei und erkundigen sich spontan darin, ob sie mitarbeiten dürfen. Die Holzbänke seien ein Symbol für gesellschaftliche Teilhabe der Asylanten. Sobald die vier quietschbunten Holzbänke ihren festen Standpunkt gefunden haben, können die Sitzgelegenheiten einen öffentlichen Treffpunkt darstellen. In die leeren Sparkassen-Räume in der Mittelstraße, wo sich im ersten Stockwerk die Stadtteilbibliothek „Bernhard Kahn“ befindet, werden demnächst die Bürgerdienste einziehen.