Neckarstadt-West

Mitte/Neckarstadt-West Diakoniekirche Luther feiert zehnjähriges Bestehen mit kleinen Konzerten, Grußworten und einem Gottesdienst

Ganz persönliche Rückblicke

Dass Feiern auch in Zeiten der Corona-Krise möglich ist, das zeigte die Diakoniekirche Luther in der Neckarstadt-West, die seit zehn Jahren als Einrichtung des Gemeinwesens im Stadtteil arbeitet und mehrere Angebote unter ihrem Kirchendach vereint. Klar, wären die Tische und Bänke vor der Kirche voller besetzt gewesen. Aber es war auch so eine rundum gelungene Veranstaltung, die sich zwei Tage lang an die Bewohner des Stadtteils richtete. Bläser, Sänger, Orgel und Flöten sorgten mit ihren Kurzkonzerten für einen stimmungsvollen Tag.

Der Sonntag stand im Zeichen eines Festgottesdienstes, Grußworten und kleinen Kurzkonzerten, die die Besucher jeweils zur vollen Stunde erfreuten. In der Lutherstraße waren Stände aufgebaut, an denen Kaffee und Kuchen gereicht wurde, aber auch Kuscheltiere wurden verkauft und viele Spiele angeboten, an denen sich vor allem Kinder und Jugendliche erfreuten. Stadtdekan Ralph Hartmann dankte in seinem Grußwort allen, die am Umbau der Kirche mitgewirkt hatten, auch den großzügigen Spendern, die den Umbau finanziert hatten.

Überleben gesichert

„Wir müssen uns dem Wandel in der Gesellschaft auch als Kirche stellen“, so der Dekan. Sicherlich seien in Mannheim nicht alle Gebäude zu halten. Innerkirchliche Probleme würden Veränderungen erzwingen. Aber das Diakonische Werk habe sich in der Lutherkirche engagiert und so letztlich das Überleben gesichert.

Pfarrerin Anne Ressel, die vormalige Gemeinwesendiakonin Martina Böffert und Martin Metzger, beim Diakonisches Werk Abteilungsleiter Arbeit und Kirchliche Gemeinwesenarbeit, zeigten anhand eines sehr persönlichen Rückblicks auf, wie es gelungen ist, in der Kirche ein sogenanntes niederschwelliges Angebot für die Bewohner der Neckarstadt zu schaffen. „Hier hängt viel Herzblut drin“, stellte zum Beispiel Böffert fest. Ressel erinnerte daran, dass Schwierigkeiten eigentlich schon seit 20 Jahren bestanden hätten: „Die Lutherkirche war eine schöne Kirche, von weitem sichtbar, aber leider weitgehend leer. Der Gedanke herrschte vor, es kann nicht angehen, die Kirche dort zu schließen, wo arme Menschen wohnen.“

Berge von Steinen

In der Umbauphase haben Berge von Steinen das Innere des Gotteshauses bestimmt. Es sei aber gelungen, eine „würdige“ Begegnungsstätte für alle Menschen zu schaffen. Die Koordination des Café Plus, die Seelsorge, die Konzerte und andere Kulturveranstaltungen, die Gottesdienste Plus, sowie die Herausgabe des Monatsflyers und aber vor allem die viele Ehrenamtsarbeit und Begleitung einer Vielzahl an Praktikanten gehörten zu Böfferts Aufgaben. Am Aufbau des Kinderkaufhaus Plus, das nunmehr im siebten Jahr besteht, war sie außerdem maßgeblich beteiligt. Für Metzger war wichtig, dass in der Kirche das Mannheimer Arbeitslosenzentrum (MAZ) des Diakonischen Werks untergebracht wurde. Dass eine zweite Umbauphase der 1906 im neu-gotischen Stil erbauten Lutherkirche bis heute nicht umgesetzt wurde, liege nicht zuletzt an den fehlenden Geldmitteln, bekannte Ressel. So liegen die Licht- und Akustikverhältnisse in dem Altarraum doch ziemlich im Argen. Die Menschen, die hier arbeiten, würden sich immer wieder auf neue Lebensverhältnisse einstellen müssen.

„Aber mit Kopf, Herz, Hand und Fuß schauen alle weiter. So kann das Leben gestaltet werden, dass es auch gelingt“, so die Pfarrerin. Metzger verwies darauf, dass die Kirche heute „genau hinschauen muss, wofür wir da sind“. Da passte es ganz toll, dass die Emerald Sisters in einem Kurzkonzert anschließend den Close Harmony Gesang wieder aufleben ließen. Lieder wie „Wonderful world“, „Itsy bitsy Teenie Weenie Honolulu Strandbikini“ oder „Schuld war nur der Bossanova“ sorgten da für einen gelungenen fröhlichen Gegenpol zu der doch eher ernsten Gesprächsrunde.