Neckarstadt-West

Neckarstadt-West Haltestelle Fortschritt zeigt zum zweiten Mal einen ungenutzten Ort in Mannheim auf / Thema Wohnen

Ideen sprießen auf Brachfläche

Archivartikel

Holz – das fällt direkt ins Auge. Dann der knallig-pinke Schriftzug: Haltestelle Fortschritt. Vom Alten Meßplatz ist die neue Aktion von dem Architektenbüro „yalla yalla“ und den Kommunikationsdesignern von Brückner & Brückner direkt zu sehen. Neben einem gezimmerten Kasten ragen große Holzpfähle in den Himmel, beides macht neugierig. Was passiert da neben dem Alten Bahnhof vor der Neckarwiese? Die Aktion Haltestelle Fortschritt legen die fünf Verantwortlichen Wulf Kramer, Robin Lang, Philip und Johannes Brückner sowie Sarah Pint zum zweiten Mal in Mannheim hin. Nachdem sie im vergangenen Jahr die Rheinstraße als einen unbehaglichen Ort ausmachten und mit Projekten von Designstudenten aufschmückten, folgt nun die Brachfläche neben dem Einraumhaus gegenüber des Meßplatzes zwischen Neckarstadt-West und -Ost.

Wieder möchte das Team einen Un-Ort aufzeigen, für den sie temporäre Projekte und Veranstaltungen organisieren – um ihn aufzuwerten, zumindest für 14 Tage. Seit der Eröffnung gibt es an mehreren Tagen Veranstaltungen – von Livemusik und Vorträgen bis Filmabende. „Wir haben uns nach der Rheinstraße mit ihren Verkehrswindungen und den vereinsamten Stellen nun für einen anderen schwierigen Ort in Mannheim entschieden“, erklärt Wulf Kramer. Das Areal oberhalb der Neckarwiese habe kein gutes Image, Planungen gebe es nur bedingt – „darum wollen wir diese Stelle wieder ins Gedächtnis rufen“, sagt der Architekt von „yalla yalla“.

Anschub für ALTER-Projekt

Dieses „Mini-Festival“ soll auch ein Startschuss für das Projekt ALTER sein (wir berichteten), das auf mittelfristige Sicht etwas an diesem Rand der Neckarstadt-West bewegen soll. Toiletten gibt es bereits, eine Sportanlage soll entstehen – mit Basketballkörben, Tischtennisplatten und einem Platz zum Kicken. Auch Urban Gardening, also Gartenprojekte mit Engagierten aus der Stadt, soll es geben. Das alles habe allerdings nichts damit zu tun, dass der Alte Bahnhof seinen Gastronomie-Betrieb zum Jahresende einstellen muss, weil der Mietvertrag nicht verlängert wurde. Darauf weisen die Haltestelle-Verantwortlichen ausdrücklich hin, es habe in der Vergangenheit Missverständnisse gegeben.

Bei der zweiten Haltestelle Fortschritt drehen sich die Aktionen um das Thema Wohnen. Darum ist die Initiative in diesem Jahr mit der fast schon philosophischen Frage „Wohin wollen wir wohnen?“ überschrieben. „In Mannheim steigen die Mieten zwar nicht so extrem wie in anderen Städten, dennoch sollten wir uns Gedanken dazu machen“, erklärt Wulf Kramer. Sein Projekt-Kollege Philip Brückner zählt auf: „Es geht etwa um die Möglichkeiten von sozialem Wohnungsbau, um alternative Wohnformen, die es in Mannheim teilweise schon gibt, um den demografischen Wandel, der alles beeinflusst, um Gentrifizierung, also die Verdrängung von bestimmten Bevölkerungsgruppen durch beispielsweise zu hohe Mieten.“

Heute Stadtteilrundgang mit Rad

Elf Masterstudenten für Design der Hochschule Mannheim haben sich gemeinsam mit Philip Brückner fünf Projekte zum Thema überlegt. So verdeutlichen sie etwa, wie sich der Quadratmeterpreis auf dem Land, in Mannheim und in anderen Städten verändert hat und erklären die Gründe dafür. Sie wollen auch die Mietpreisentwicklung aufzeigen. Bei einem Stadtteilrundgang (mit Fahrrad), der heute um 16 Uhr startet, werden die Projekte vorgestellt. Bei einem Symposium mit fünf Vorträgen zu dem Leitthema „Wohin wollen wir wohnen?“ mit Ansätzen aus Berlin, München, Zürich, Stuttgart und Mannheim am Mittwoch, 13. Juli, 14 Uhr, folgt im Anschluss eine Diskussion unter anderem mit Oberbürgermeister Peter Kurz. Die Haltestelle Fortschritt wird dann am Freitag, 13. Juli, mit Livemusik und vielen Gesprächen, Denkanstößen und Ideen zu Ende gehen, die hoffentlich nachhaltig wirken.