Neckarstadt-West

Mitte/Neckarstadt Quartiermanagerin hat viel vor

Konfliktlösung mit den Bürgern

Archivartikel

Seit rund 100 Tagen ist Jennifer Yeboah Quartiermanagerin der Neckarstadt-West. Bei einem Rundgang „Walkt o Talk“ durch den Stadtteil erzählte sie, was sie in den vergangenen drei Monaten erlebt hat und welche Ziele sie erreichen möchte. Außerdem stellte Gabriele Wurl das Projekt Campus Neckarstadt-West vor. Beide sind Mitarbeiterinnen der städtischen Entwicklungsgesellschaft MWSP, die außerdem zuständig ist für die Lokale Stadterneuerung (LOS).

Großes Ruhebedürfnis

Für Geschäftsführer Achim Judt ist Jennifer Yeboah „ein glücklicher Fang wegen ihrer Erfahrung als Quartiermanagerin und als Bewohnerin der Neckarstadt-West“. Yeboah hat in den ersten drei Monaten vor allem das Gespräch mit den Bewohnern auf der Straße gesucht. Dadurch seien deren Bedürfnisse klarer geworden: „Auf der einen Seite ein großes Bedürfnis nach Ruhe und auf der anderen Seite nach einem für alle offenen Raum zur Begegnung.“ Es sei nicht einfach, Lösungen zu finden, nicht zuletzt wegen der „Andersprachigkeit“. Positiv vermerkt worden bei der Kontaktaufnahme sei ihr eigener Migrationshintergrund, so Yeboah.

Um wichtige Informationen an die Menschen zu heranbringen, plant die Quartiermanagerin eine Gesprächsreihe unter dem Motto „Zuhören“. Im Fokus der Quartiermanagerin steht vor allem der Bereich hinter dem Neumarkt, weil die Menschen von dort nicht zu den Bezirksbeiratssitzungen kommen.

Als positives Beispiel, wie man mit diesen Menschen ins Gespräch kommen kann, präsentierte Yeboah den Spielplatz Ackerstraße, der saniert wurde mithilfe eines relativ großen Beteiligungsprozesses. Damals als Praktikantin und Vorgängerin des früheren Neckarstadt-Quartiermanagers Gabriel Höfle habe sie „eine relativ gute Beziehung zu den Kindern hinbekommen“. Zwar sei das Betreuungsprojekt ausgelaufen, doch nach Aussage der Kinderbeauftragten Birgit Schreiber soll es dort bald wieder eine Spielplatzbetreuung geben.

Aufsuchende Arbeit wichtig

„Es gibt auch bei den Menschen hier ein großes Bedürfnis für Gespräche, wegen Konflikten wie Ruhestörung und Verschmutzung gerade in der Corona-Zeit“, weiß Yeboah. Wichtig in den Abendstunden sei eine aufsuchende Arbeit. „Sanktionen allein bringt nichts“, glaubt Yeboah.

Die Quartiermanagerin will deshalb mit Streetworkern und Menschen, die in der Jugendarbeit aktiv sind, ein Konzept erarbeiten, dass ab April/Mai 2021 starten soll.

Das Bürgerhaus ist ein wichtiger und zentraler Standort des Campus Neckarstadt West. Gestartet ist das durch das Jugend- und Gesundheitsamt der Stadt mit koordinierte Projekt unter Einbeziehung von Schulen und Kooperationspartnern im Februar 2020. Leiterin Gabriele Wurl erklärte: „Ziel ist es, Grundschulkindern in ihrem direkten Lebensumfeld positive Entwicklungsmöglichkeiten und eine gute Bildung zu bieten.“

Zweiter Campus-Standort

Ein zweiter Standort startet jetzt im ehemaligen Bürgerdienst in der Gartenfeldstraße 43. Das Programm für die Dritt- und Viertklässler beginnt um 12.30 Uhr mit einem gesunden Mittagessen, finanziert von den Rotariern Mannheim. Um 14 Uhr geht es weiter mit sozialpädagogischer Lernbegleitung in der Neckarschule mit Schülermentoren aus der Marie-Curie-Realschule und Studenten. Ab 15 Uhr gibt es viele Freizeitangebote für die Kinder im Bürgerhaus, der Humboldt- und Neckarschule durch die Neckarstadt West Kids und die Musikschule Mannheim.

Die Elternberatung durch Sengül Kardelen (als wichtige Mittlerin sprachlich und kulturell zwischen allen Mitarbeitern im Haus und zu verschiedenen Fachstellen) finanziert die Freudenberg Stiftung.

Das Projekt Campus Neckarstadt-West wird gefördert durch das Landesprogramm „Starke Kinder – chancenreich“ als Präventionsnetzwerk gegen Kinderarmut durch das Ministerium für Soziales und Integration des Landes Baden-Württemberg.