Neckarstadt-West

Neckarstadt-West Dauerärger wegen des Lärms in den Abendstunden an der Zehntstraße / Stadt plant ein Konfliktmanagement

Kulturkampf am Spielplatz

Archivartikel

Für die einen bedeutet es Freizeitvergnügen, für die anderen puren Stress - vor allem nachts: Der Lärm, der unter anderem durch tobende Jugendliche entsteht und vom Spielplatz in die angrenzenden Wohnungen schallt. Ein besonders krasses Beispiel erregt seit Jahren an der Zehntstraße die Gemüter.

Vor allem nach Schulschluss und in den Abendstunden nach 21 Uhr werde der Spielplatz von Jugendlichen bevölkert, sagt Jens Jansen von der Bürgerinitiative Neckarstadt-West. Das Geschrei sei groß. Kleinere Kinder würden nachmittags von dem Gelände verdrängt. Und auch abends wird der Platz zum Jugendtreff, so Jansen. Polizei und Kommunaler Ordnungsdienst (KOD) könnten jeweils nur kurzzeitig für Abhilfe sorgen. Danach gehe es weiter wie zuvor. Sonntags kümmere sich keiner um die Situation. Für die Anwohner des Spielplatzes sowie am Rondell vor der Kirche werde die Situation immer unerträglicher. Betroffene müssten die Aufgabe des KOD übernehmen, so Jansen. „Ich finde es ungeheuerlich, dass man sich selbst in Gefahr begeben muss“, sagt eine Anwohnerin vor Ort. Jeder Zweite sei inzwischen auf Wohnungssuche. Von Stadt und Ordnungskräften fühlt sie sich „verhöhnt und im Stich gelassen“.

Es könne jedenfalls nicht sein, dass die Anwohner eine Dauerbeschallung in den Nachtstunden erdulden müssten, sagt auch Maik Rügemer vom Arbeitskreis Wohnumfeld im Quartiermanagement. Entweder man demontiere die Anlage, oder sie werde nachts abgeschlossen. Rügemer: „Hier kann man über einen Paten nachdenken, der diese Aufgabe übernimmt. Auch gibt es Zeitschlösser, die ein Aufsperren zu einer Uhrzeit ermöglichen.“

„Lösungen finden“

Kein einziger Spielplatz in Mannheim werde derart intensiv vom Ordnungsdienst überwacht, sagt Klaus Eberle, Chef des zuständigen Fachbereichs. Platzverweise würden in der Regel akzeptiert. Nach Beschwerden werde die Kontrolle nochmals intensiviert. „Gerade donnerstags bis samstags sind wir ja ohnehin durchgängig ab 18 Uhr in der Neckarstadt-West präsent“, so Eberle. Dabei ist den Verantwortlichen auch klar: Allein mit ordnungspolitischen Mitteln lässt sich die angespannte Lage nicht entschärfen. Es geht um unterschiedliche kulturelle Identitäten und Vorstellungen, die mitunter hart aufeinanderprallen.

Die Stadt plant daher, künftig Sozialarbeiter einzusetzen. Außerdem, denkt die Kommune über den Einsatz einer externen Konfliktberatung nach. Eberle: „Letztlich müssen Lösungen gefunden werden, die allen Akteuren gerecht werden und die den Spagat bewältigen helfen, zwischen dem Ruhebedürfnis der Anwohnerschaft auf der einen und dem steigenden Bedürfnis auf Mediterranisierung des öffentlichen Raums auf der anderen Seite.“ Die Reduzierung auf ein Ordnungsthema passe jedenfalls nicht zur Situation vor Ort. Stattdessen seien komplexere Lösungen als Permanentüberwachung gefragt.

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