Neckarstadt-West

Innenstadt Arta Ramadani liest bei den einander.Aktionstagen

Mit Madonna als Vorbild in ein neues Leben

Archivartikel

„Ich bin eine Tochter Mannheims“, bekräftigte Arta Ramadani bei der Vorstellung ihres Buches „Die Reise zum ersten Kuss – eine Kosovarin in Kreuzberg“ im Community Art Center in der Neckarstadt. Daher sei die Veranstaltung in der Stadt, in der sie aufgewachsen sei, etwas ganz Besonderes für sie. Ihr Debütroman sei keine Biografie, enthalte aber viele eigene Erfahrungen.

Ramadani stammt aus Prishtina, so wie Era die Heldin ihres Buches. Das 15-jährige Mädchen, ein großer Madonna-Fan, muss mit ihrer Familie aus dem umkämpften Kosovo fliehen und findet schließlich in Deutschland eine neue Heimat. Zunächst fällt es ihr schwer, ihre Freunde und ihre geliebte Oma zu verlassen. Nur mit dem Versprechen, einmal live ein Konzert ihres Idols erleben zu können, kann ihre Mutter sie überzeugen. „Madonna habe ich als Sinnbild für Freiheit und Selbstbestimmung gewählt“, erläuterte die Autorin.

Große Unterschiede

Für ihre Lesung hatte Ramadani Passagen ausgewählt, die die zunehmenden Repressalien, die Entscheidung zur Flucht und das Einleben in Berlin bildhaft skizzierten. Dabei gingen ihr manche Textstellen besonders nahe. „Obwohl ich es selbst geschrieben habe, macht es mich immer noch traurig“, zeigte sie sich bei der Beschreibung der Beerdigung von Eras Lieblingsonkel deutlich bewegt.

Aber auch andere Szenen lägen ihr am Herzen, meinte sie und trug ein Kapitel vor, in dem sich muslimische Schülerinnen über das Tragen von Kopftüchern streiten. „Damit wollte ich zeigen, dass es beim Ausleben von Religion unter den Muslimen sehr große Unterschiede gibt.“

Arta Ramadani kam als Kind in den 1990er Jahren nach Mannheim. Heute arbeitet die gebürtige Kosovo-Albanerin als Journalistin für das ZDF. Als ihr Vater ins Gefängnis musste, sei sie erst drei Jahre alt gewesen, berichtete sie im Gespräch mit Ulrike Posch, dennoch habe sie die systematische Diskriminierung geprägt „Ich wollte aber keine historische Geschichte schreiben, sondern die menschliche Seite in den Vordergrund stellen.“

Mit Mannheim fühle sie sich sehr verbunden. Das multikulturelle Leben der Stadt habe sie geprägt. „Durch die Schulzeit mit anderen Migrationskindern habe ich viel gelernt.“ Bewusst habe sie nicht die eigene Geschichte erzählt, so sei es ihr leichter gefallen, eine gewisse Distanz zu wahren. „Ich wollte darüber aufklären, was es bedeutet, sein Zuhause zu verlieren.“ Eigentlich könne der Roman überall auf der Welt spielen, da alle Teenager die gleichen Träume hätten.

Die Lage in ihrer alten Heimat und die Perspektivlosigkeit junger Menschen in einem der ärmsten Länder Europas beschäftige sie noch immer: „Ich bewundere, dass diese Menschen trotz allem die Hoffnung nicht aufgeben“, bekräftigte Ramadani zum Schluss. as