Neckarstadt-West

Neckarstadt Guru Guru bringen theatralische Spielfreude auf Sommerbühne im 7er-Musikclub in der Industriestraße

Plädoyer für Reffert-Statue in der Fußgängerzone

Archivartikel

„Am Anfang sah das aus, als müssten wir das Konzert absagen, weil der Vorverkauf nicht lief“, bedauerte Bandchef Mani Neumeier. Schließlich erschienen zum Konzertabend allerdings doch recht viele Besucher. Auf der Open-Air-Bühne im Innenhof des Musiklokals 7er-Club spielte die legendäre Krautrock-Combo Guru Guru aus dem Odenwald. Obwohl sich die geschichtsträchtige Kapelle, die aktuell 50-jähriges Bühnenjubiläum feiert, mit dem stilistischen Etikett „Krautrock“ persönlich nicht allzu sehr identifizieren kann. Auf der Sommerbühne des 7er-Clubs begaben sich Guru Guru auf musikalische Zeitreise. Und die zahlreichen ergrauten Fans reisten mit.

Tief brummende E-Gitarren

Damit eine Rockband und der Veranstalter besser planen können, empfiehlt es sich, zeitlich ein Ticket bereits im Vorfeld zu erwerben, wenn ein Konzert ansteht. Sofern man eine Lieblingsband zugunsten einer größeren Planungssicherheit unterstützen möchte. Wie viele Besucher tatsächlich aufkreuzen, scheint für eine Band ein bisschen wie Glücksspiel zu sein. „Als wir im letzten Dezember im Kulturzentrum Das Haus in Ludwigshafen spielten, mussten wir wegen der großen Nachfrage den Auftritt vom kleinen Café Dôme in den Saal verlegen“, verglich Schlagzeuger Mani Neumeier. Im Vorprogramm des 7er-Club-Konzerts durfte sich das aus Zürich stammende Psychedelic-Blues-Rock-Trio Marblewood beweisen. Ein echtes Trommelinferno ließ das Dreigespann ausbrechen, verbunden mit einem tief brummenden E-Gitarren-Solo. „Unser Gitarrist Marc Walser hat Mani Neumeier mal in Japan kennengelernt“, erzählte Schlagzeuger Dave Zurbuchen in der Umbaupause, wie der Kontakt zu Guru Guru entstanden ist. Denn im fernöstlichen Japan werden Guru Guru wie Popstars verehrt, deshalb steht in einem Wachsfigurenkabinett in der Hauptstadt Tokio eine lebensgroße Puppe von Bandgründer Mani Neumeier.

Auf der Außenbühne im 7er-Club brannte das Quartett ein zweistündiges Songfeuerwerk ab, mit Stücken wie „Dark Blue Star“, „Wonderland“, „Read Air“, „Rock’n’Rollmachine“ und „Spacebaby“. Wie ein erzählender Märchenonkel saß Perkussionist Mani Neumeier auf seinem Schemel und warf regelmäßig kaputte Trommelstöcke unter die Besucher. Trotz seiner reifen 78 Lebensjahre besitzt Neumeier, der an Silvester 1940 zur Welt gekommen war, weiterhin eine energiegeladene Spielfreude. „Das nächste Stück spielen wir für Hans Reffert, meiner Meinung nach der beste Gitarrist Mannheims ever“, erklärte Altmeister Neumeier in Bezug auf die Nummer „Pow Wow“, als Erinnerung an seinen im Februar 2016 unerwartet verstorbenen Freund. Darüber hinaus plädierte Neumeier dafür, an zentraler Stelle in der Mannheimer Fußgängerzone eine Hans-Reffert-Statue zu errichten.

Finkenbach-Hymne

Später begab sich der Trommler an den vorderen Bühnenrand und schlug mit Stöcken rhythmisch auf zuvor aus einem Beutel ausgeleerten silbernen Metalldeckeln ein. „Das ist unsere Finkenbach-Hymne, dort haben wir ja zehn Jahre in einer Kommune gelebt“, kündigte Drummer Mani Neumeier den Song „Living in the Woods“ an.

Konzerte von Guru Guru sind immer auch theatralische Spektakel mit Showelementen wie Gummi-Schlange, flammender Pyrotechnik und exotischen Tröten. Darum schlüpfte Urgestein Neumeier zur Zugabe in das monströse Kostüm seiner Paraderolle, den „Elektrolurch“, wobei die Marvel-Comic-Figur Groot dieser theaterhaften Verkleidung etwas ähnelt.