Neckarstadt-West

Neckarstadt Shantih Shantih und die Mongolians Revival Band spielen im Keller des Alten Volksbads

Rock-Ladys in schwarzem Leder

Für gewöhnlich baut Bernhard Kreiter, der Veranstalter der Brandherd-Konzertreihe, im Kellerraum unter dem Alten Volksbad eine kleine Bühne auf, wenn von ihm gebuchte Indie-Rock-Bands, die oftmals eigens aus dem Ausland anreisen, für einen Auftritt zu Besuch kommen. Doch diesmal fand das Konzert ebenerdig statt, auf Augenhöhe zur feiernden Gästeschar. „Es war heute zeitlich etwas knapp. Hier unten finden viele verschiedene Gruppen statt, so dass ich die Bühne immer auf- und abbauen muss“, erklärte Veranstalter Bernhard Kreiter. Im Souterrain gastierten nun Shantih Shantih, eine sich rein aus Frauen zusammensetzende Garagen-Rock-Kapelle aus Atlanta (Georgia), und die Mongolians Revival Band aus Karlsruhe.

Mit einem verzerrungsarmen Sound auf der schwarzen Gibson-SG-Gitarre schüttelte die dreiköpfige Mongolians Revival Band, die im Vorprogramm auftreten durfte, das Publikum kräftig durch. Hart im Anschlag, kernig im Klang, wobei die Songs des badischen Trios, das in der Vergangenheit bereits öfter in Mannheim gerockt hat, etwa im Café Blau, mit seinem schwülen Temperament bisweilen an Urge Overkill erinnerte. Anschließend war geballte Frauenpower angesagt, als sich die schwarzledernen Rock-Ladys von Shantih Shantih ihre elektrisch verstärkten Gitarren umhängten. „Das ist unsere letzte Show in Deutschland. Wir fahren weiter in die Schweiz“, sprach Sängerin Anna Barattin zum Publikum in Bezug auf die zu absolvierende Europatournee von Shantih Shantih, die aus der amerikanischen Großstadt Atlanta kommen.

Laute Gitarrenmusik

Nicht zuletzt ist Atlanta dafür bekannt, der Hauptsitz des Limonadenherstellers The Coca-Cola Company zu sein. Im schummrigen Konzertraum des Alten Volksbads servierten die vier Amerikanerinnen jedoch keine Softdrinks, sondern laute Gitarren-Musik mit schepperndem Schlagzeug, verbunden mit dem geschmeidigen Candy-Pop-Gesang des weiblichen Rock-Quartetts. In Musikerkreisen gibt es dafür den beschreibenden englischen Ausdruck „twangy“ oder „ mit Twang-Gitarren“.

Vereinzelt baute das Viergespann einen wüstenhaften Country-Rhythmus in seine Songs ein. Dazu miaute Bassistin Nikki Speake wie ein schnurrendes Kätzchen, gefolgt von Rock’n’Roll-artigen Hu-Hu-Refrains, in die alle Bandmitglieder einstimmten. Auch der melancholische Unterton der gitarrenmäßig sägenden Stücke übte eine Anziehungskraft aus, die einen klanglichen Sog erzeugte. Deshalb kann man das coole Quartett in seiner Melodieführung durchaus mit berühmten Bands wie L7 oder Sleater-Kinney vergleichen. War es für die Damen-Combo aus dem fernen Atlanta schwierig, ein Arbeitsvisum als auftretende Bühnenkünstlerinnen für den europäischen Konzertmarkt zu erhalten? „Nein, unsere Plattenfirma Wild Honey Records hatte sich darum gekümmert“, erläuterte Schlagzeugerin Julia Furgiuele am Rande des Auftritts.